Was vor 1990 gebaut wurde, kann Asbest enthalten!

Marcel Hauri,

Obwohl seit den 90er-Jahren verboten, ist die Gefahr von Asbest noch lange nicht gebannt. Gerade bei Sanierungen von älteren Immobilien sollte genau hingeschaut werden.

«Ich bin erschüttert gewesen, als ich den Beitrag von «10vor10»   geschaut habe.» sagt Stefan Scherer, Asbest-Experte bei der Suva. In der Reportage schildern ehemalige Arbeiter einer Recycling-Firma, wie sie asbesthaltige Faserzementplatten ohne Schutzausrüstung zerkleinern mussten. «Aber vermutlich ist das kein Einzelfall» sagt der Chemiker und öffnet diverse Dokumente auf seinem Laptop. Die Botschaften, welche den Bildschirm füllen, sind unmissverständlich: «Achtung: Lebensgefahr!» schreit es einem entgegen.

Er und seine Kollegen kämpfen seit Jahren mit Präventionsbotschaften und Regeln für einen korrekten Umgang mit Asbest und den darin enthaltenen heimtückischen Fasern. Einmal eingeatmet, können diese nach Jahren einen tödlichen Brustfellkrebs (Mesotheliom) auslösen. «Es ist wie beim Rauchen – die gesundheitlichen Schäden können erst viel später auftauchen. Das erschwert es für die Betroffenen, das Risiko richtig einzuschätzen» sagt Scherer. Und genau das ist das Heimtückische am Asbest.

Schutz vor Berufskrankheiten

Asbest-Gefahr

Von der Wunder- zur Todesfaser

Denn das Mineral wurde geliebt, gar als Wunderfaser bezeichnet. Äusserst hitzebeständig, hervorragende Dämmfunktion, säureresistent – die Anwendungsformen waren vielfältig. In der Schweiz wurde das Material hauptsächlich in der Bauindustrie verwendet. Der Well-Eternit ist zum Asbest-Mahnmal schlechthin geworden. Aber Asbest wurde auch in Isolationsmaterialien, Plättlikleber und Verputz beigegeben. Häufig enthalten Sicherungstableaus und andere elektrische Installationen asbesthaltige Materialien. Die Liste ist nicht abschliessend. «Alles, war vor 1990 gebaut wurde, kann Asbest enthalten» sagt Scherer. Fest im Material gebunden ist er ungefährlich. Doch spätestens bei mechanischen Einflüssen auf das Material ist die Gefahr besonders hoch, dass Fasern freigesetzt und eingeatmet werden.

Bildergalerie: Typische Materialien, die Asbest enthalten

Virtuelles Asbesthaus (benötigt Flash)

Asbestquellen richtig einschätzen

Aufgepasst bei Gebäudesanierungen

Gerade jetzt, wo viele ältere Gebäude saniert oder gar abgerissen würden, sei erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, betont Scherer. Denn bei Sanierungsarbeiten entsteht Staub. Wer sich nicht gegen das Einatmen des Staubs schützt, geht ein hohes Risiko ein. Mit drastischen Folgen. «Wir zählen jedes Jahr deutlich mehr als 100 Todesfälle aufgrund von Asbestexpositionen.» Meistens sind das Arbeiter, die vor 30 bis 40 Jahren der Faser ausgesetzt waren und erst jetzt einen qualvollen Tod erleiden.

Immer wieder ignorieren Vorgesetzte das hohe Risiko für die Arbeiter. Aber auch Heimwerker sind gefährdet. Sei es aus Unwissenheit, fehlender Sensibilität für die Gefahr oder aus finanziellen Gründen. Das zeigt die Zahl von 83 Fällen, bei denen die Sicherheitsexperten der Suva im letzten Jahr die Arbeiten auf Baustellen per sofort stoppen mussten. «Sobald offensichtlich ist, dass die Gefährdung durch Asbest nicht sauber abgeklärt und entsprechende Schutzmassnahmen nicht umgesetzt wurden, greifen wir durch» sagt Scherer. Was genau bei der Recycling-Firma passieren wird, darf Scherer aus Datenschutzgründen nicht sagen. Aber man kann davon ausgehen, dass die Präventionsspezialisten der Suva nicht untätig bleiben werden.

Gefahr in allen vor 1990 erbauten Gebäuden:

Asbest

So entsteht ein Mesotheliom

Der eingeatmete Asbeststaub dringt über die Bronchien in das Lungen- und Brustwandgewebe ein. Dort können die langen und dünnen Fasern von den Abwehrzellen nicht aus dem Körper entfernt werden. Es entsteht eine Verdickung und Wucherung der Mesothel-Zellen des Brustfells; das Mesothel ist eine zweischichtige Membran mit einer kleinen Menge an Flüssigkeit zwischen den Schichten; diese Flüssigkeit stellt die Beweglichkeit zwischen der Lunge und der Brustwand sicher. Bei einem bösartigen Mesotheliom wird das Brustfell dick und verdrängt das Lungengewebe; der Krebs verbreitet sich über den Blutkreislauf in den ganzen Körper.

Das müssen Sie beachten!

  • Eingeatmete Asbestfasern gefährden die Gesundheit.
  • In allen Gebäuden, die vor 1990 gebaut wurden, muss mit Asbest gerechnet werden.
  • Klären Sie bei Umbau- und Renovationsarbeiten frühzeitig eine Asbestgefährdung ab und ziehen Sie bei Bedarf einen Experten bei.
  • Befolgen Sie die lebenswichtigen Regeln  , um sich und andere zu schützen.

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