Sonne am Himmel. Sonne, Hitze, Ozon

«Outdoorworker haben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko»

Marcel Hauri,

Der Nackenschutz der Suva für Bauarbeiter wird kritisiert. Martin Gschwind, zuständig für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, nimmt Stellung.

Herr Gschwind, warum muss die Suva jetzt auch noch vorschreiben, wie sich Outdoorworker gegen die Sonne zu schützen haben?

Im internationalen Vergleich weist die Schweiz eine der höchsten Hautkrebsraten auf. Täglich erkranken etwa drei Personen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit neu an Hautkrebs. Das können und wollen wir gemeinsam mit den betroffenen Branchen ändern.

Warum sind sie denn so sicher, dass der Hautkrebs während der Arbeitstätigkeit entsteht?

Zahlreiche ältere und neuere Studien belegen  , dass Outdoorworker ein erhöhtes Risiko haben, an weissem Hautkrebs zu erkranken. In einigen Berufen wird überwiegend im Freien gearbeitet – die meiste schädigende Sonneneinwirkung erfolgt in diesen Berufen am Arbeitsplatz.

Gewisse Betriebe stören sich an den zusätzlichen Vorschriften und pochen auf Eigenverantwortung.

Heute braucht es beides. Eigenverantwortung vom Arbeitnehmer der sich gegen die Sonne schützt aber gleichzeitig ist auch der Arbeitgeber in der Pflicht. Es ist sein gesetzlicher Auftrag, die notwendigen Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen, um die Arbeitnehmer vor Berufskrankheiten zu schützen.

Hautkrebs? Nein danke!

Schützen Sie sich vor UV-Strahlung

Updates vom 4. und 18. Juli

Unsere Ankündigung, ab 2019 in den beiden Monaten mit der grössten UV-Belastung (Juni/Juli) das Tragen des Nackenschutzes mit Stirnblende zu kontrollieren, führte zu Diskussionen in den betroffenen Branchen. Wir haben Gespräche mit dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) geführt und uns auf Folgendes verständigt: Der SBV trägt die von der Suva lancierte Kampagne «Sonne» aktiv mit. Die Suva ihrerseits wird auf die Einführung eines Obligatoriums für Nackenschutz und Stirnblende ab 1. Januar 2019 verzichten. Es soll der gesamte Strauss an Schutzmassnahmen aufgezeigt werden und nicht eine einzelne Massnahme wie Nackenschutz mit Stirnblende obligatorisch erklärt werden.
Mit dem Verband Gebäudehülle Schweiz (GH) wurde vereinbart, für den wirksamen Schutz vor UV gemeinsam konkrete und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten.

Mitgliederinformation SBV  
Mitgliederinformation GH  

Unternehmer geben Sonnencreme gratis ab – sie nehmen ihre Pflicht sehr wohl wahr.

Viele Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeitenden tatsächlich bereits heute Sonnencreme zur Verfügung, was sehr erfreulich ist. Gleichzeitig sehen wir immer noch oft Arbeitnehmende mit nacktem Oberkörper bei der Arbeit. Und wir haben bei Befragungen festgestellt, dass etliche Arbeitnehmende das Thema teilweise nicht ernst nehmen und sich deshalb auch bei langen Arbeitszeiten im Freien nicht genügend gegen die Sonne schützen. Obwohl sie die Risiken kennen! Wichtig ist, dass die notwendigen Massnahmen getroffen werden. 
Gesicht, Kopf, Nacken und Ohren sind punkto Hautkrebs besonders gefährdet. Deshalb müssen sie im Juni und Juli zusätzlich geschützt werden: durch Beschattung des Arbeitsplatzes, durch Arbeit ausserhalb der Zeiten mit der höchsten UV-Belastung oder, wenn dies nicht möglich ist, mit Nackenschutz und Stirnblende, beispielsweise am Bauhelm.

Der Nackenschutz mit Stirnblende wird von den Verantwortlichen als praxisfern angekreidet.

Das ist ein wichtiges Thema. Wir haben zuerst ausländische Produkte getestet. Das Problem bei diesen Produkten war tatsächlich, dass die Sicht und Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren. Wir haben die Bedenken aufgenommen und den Sonnenschutz zusammen mit einem Hersteller optimiert. Es gibt jetzt Produkte mit transparenter Stirnblende ohne Sichteinschränkung zur Seite, welche trotzdem einen guten Schutz bieten. 
Der neue Nackenschutz mit Stirnblende wird in der Praxis weiter erprobt und bekannt gemacht. Dabei unterstützt uns auch der Baumeisterverband.

Kampagne UV Sonnenschutz Hut

Hut mit Nackenschutz

Kampagne UV Sonnenschutz Nackenschutz Helm

Der Nackenschutz «Sunity» kann mit üblichen Industrie-Schutzhelmen kombiniert werden. Der sehr leichte Stoff bedeckt Nacken und Ohren. Zusätzlich schützt eine transparente Stirnblende vor UV-Strahlung.

Wo kann man den Sonnenschutz bestellen?

Es gibt verschieden Anbieter von geeigneten Sonnenschutz-Produkten. Das von der Suva in der Entwicklung begleitete Produkt „Sunity“ mit transparenter Stirnblende kann unter sunity.ch  bestellt werden. Weitere Produkte finden sich zum Beispiel unter uv-bau.ch  .

Was bringt der Hut oder ein Helm mit Stirnblende und Nackenschutz? – Wir haben es vor Ort getestet.

Grundsätzlich schützen diese Produkte genau dort, wo der weisse Hautkrebs häufig auftritt: im Gesicht, an den Ohren und im Nacken.

Wir wollten von Arbeitern aber auch wissen, ob sie einen Hut mit Stirnblende und Nackenschutz gegen gefährliche UV-Strahlung tragen würden. Am Anfang waren Zweifel, dass es nützlich ist. Einige meinten, es sieht komisch aus und es sei heiss unter dem Hut.

Nach einer Probezeit mit dem Hut haben wir bei den gleichen Personen nachgefragt. Sie sagten, es bringt tatsächlich was. Der Hut mit Stirnblende und Nackenschutz schützt vor der Sonne. Der Nacken ist nicht der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt und bleibt somit kühler.

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