Aussen hart, innen geschützt

Luk von Bergen,

Der Schädel wirkt wie ein natürlicher Schutzhelm, der das Gehirn vor gröberen Verletzungen bewahrt.

Aufgeschlagen, angeschlagen, abgekriegt: Jährlich kommt es in der Schweiz zu über 90 000 Kopfverletzungen. Dass dabei viele Betroffene bloss mit einigen Schrammen und dem Schrecken davonkommen, hat mit Schutzmassnahmen wie dem Schutzhelm zu tun – und mit der Zusammensetzung des Schädels. «Einerseits wird das Gehirn durch den Liquor, die Hirnflüssigkeit, geschützt, die bei Erschütterungen wie eine Art Stossdämpfer wirkt. Andererseits bietet die harte Knochenschale des Schädels einen gewissen Schutz bei Alltagseinwirkungen wie Stürzen», sagt Holger Schmidt, Leiter Fachgruppe Neurologie bei der Suva. Ab wann der Schädel als natürlicher Schutzhelm an seine Grenzen stösst, ist unterschiedlich: «Wie schwer eine Verletzung ist, hängt unter anderem vom Impuls, der Dauer der Krafteinwirkung und dem Einwirkungswinkel ab.» Der Schädel ist zudem nicht überall gleich stabil. Die schwächsten Knochen befinden sich im Schläfenbein, das frontale Stirnbein ist der robusteste Teil des Schädels. Einen Dickschädel zu haben, ist also nicht nur negativ behaftet, sondern überlebenswichtig.

«benefit» 2-18, Schadenfall, Holger Schmidt, Gehirnerschütterung, Leiter Fachgruppe Neurologie

Holger Schmidt, Leiter Fachgruppe Neurologie der Suva

Wenn es «ans Eingemachte» geht

Das Gehirn ist von Natur aus geschützt, quasi «eingemacht» in Knochen und Flüssigkeit. Äussere Beulen, Rissquetschwunden oder Verletzungen der Knochenhaut sind zwar schmerzhaft, verheilen aber relativ schnell und hinterlassen im schlimmsten Fall eine Narbe. Besonders delikat sind Kopfverletzungen dann, wenn das Hirn involviert ist. Dabei müsse man auch leichte traumatische Hirnverletzungen – im Volksmund «Gehirnerschütterungen» – ernst nehmen, sagt Holger Schmidt. «Es handelt sich dabei um eine vorübergehende Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Je nach Graduierung der Verletzung braucht der Patient mindestens zehn Tage körperliche Ruhe.» Mittelschwere traumatische Hirnverletzungen sind zusätzlich mit Gehirnblutungen verbunden. «Je nach Ort und Stärke der Blutung kann man den Patienten konservativ behandeln und beobachten, wie sich die Blutung entwickelt – oder dann eben neurochirurgisch eingreifen.» Verhältnismässig selten, aber umso folgenreicher sind schwerste traumatische Hirnverletzungen, bei denen zum Beispiel eine Gehirnquetschung vorliegt. Die Betroffenen sind in solchen Fällen lang anhaltend bewusstlos, haben Blutungen in der Schädelhöhle, erhöhten Hirndruck und oftmals irreparable Folgeschäden – sofern sie überhaupt überleben.

Kopf einschalten und schützen

Geht es um den Kopf, sind Unaufmerksamkeiten am Arbeitsplatz unbedingt zu vermeiden. Die Suva weist in ihren Kampagnen seit Jahren darauf hin, einen Schutzhelm zu tragen  oder die Lasten korrekt zu sichern. Trotzdem erfasst die Berufsunfallversicherung (BUV) jährlich 12 000 Kopfverletzungen mit dem Hergang «getroffen werden», in der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) sind es fast doppelt so viele. Bei über einem Drittel davon sind Einzelgegenstände, Werkstücke, Lasten oder Mobiliar beteiligt. Am zweitmeisten (2400 Fälle) sind Tiere involviert oder andere Menschen – oftmals im Lehrlings- oder Firmensport. Auch Raufereien und Streitereien gehören in diese Kategorie, während in den restlichen Fällen Werkzeuge, Hilfsgeräte oder Maschinen beteiligt sind. Klar: Es lässt sich wohl nicht ganz jeder Brummschädel vermeiden. Aber die Zahlen erschüttern allemal, wenn man bedenkt, dass der grösste Teil der Verletzungen, bei denen der Kopf durch irgendwen oder irgendetwas getroffen wurde, allein durch korrektes Verhalten am Arbeitsplatz oder bei Spiel und Sport verhindert werden könnte.

Interview mit Heinz Graf, Fachstelle für Persönliche Schutzausrüstung

«Beim Kopfschutz sollte man nicht sparen»

Ein Helm hat in erster Linie die Funktion, den Kopf zu schützen. Welche Anforderungen sollte er ebenfalls erfüllen?


Es kommt darauf an, in welchem Zusammenhang der Helm gebraucht wird. Wer zum Beispiel oft an der Wärme arbeitet, sollte ein Modell mit Belüftungsschlitzen und auswechselbarem Schweissband wählen. 

«benefit» 2-18, Schadenfall, Heinz Graf, Experte PSA, Experte für persönliche Schutzausrüstung, Schutzhelm, Helm

Wer Höhenarbeiten am Seil verrichtet, braucht ein Modell mit Kinnriemen. Wichtig ist, dass der Helm vor den Gefährdungen am Arbeitsplatz schützt und benutzerfreundlich ist.


Welche Rolle spielt dabei der Preis?


Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, dass man genormte und geprüfte Helme kauft, die den nötigen Schutz von Grund auf gewährleisten. Der weitverbreitete Industrieschutzhelm (Bauhelm) nach Norm EN 397 beispielsweise, ist bereits ab etwa 7 Franken erhältlich, andere Helme kosten bis zu 50 Franken, je nach Zusatzfunktionen. Beim Helmkauf sollte man nicht den Preis in den Vordergrund stellen, sondern Funktion und Benutzerfreundlichkeit.

Ein Helm muss ergonomisch genau passen, sodass es sich damit angenehm arbeiten lässt.

Heinz Graf

Wie merke ich, dass ich den Schutzhelm ersetzen muss?


Je nach Modell kann ein Schutzhelm vier bis zehn Jahre getragen werden. Es ist wichtig, die Angaben des Herstellers zu beachten. Je nach Arbeit, Hitze, Kälte und Abnutzung, kann das Material schneller altern, was auf Kosten des Schutzes geht. Es gibt auch Helme mit UV-Indikator, die sich im Laufe der Zeit verfärben und damit anzeigen, dass sie ihre Lebensdauer überschritten haben. Wir empfehlen, das Datum der «Inbetriebnahme» im Schutzhelm zu notieren und ihn regelmässig auf seine Funktionstüchtigkeit zu prüfen.