«Viele nutzen nun auch privat einen Velohelm»

Daniel Schriber,

Warum sich die Helmpflicht für Velofahrer auf dem Werksgelände auch positiv auf Nichtberufsunfälle auswirkt, erklärt René Stoffel, Leiter Arbeitssicherheit bei der Lonza in Visp.

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Nur mit Helm: René Stoffel auf dem Firmengelände in Visp.

Die Lonza AG gehört zu den führenden Zulieferern für Pharma-, Biotech- und Spezialchemiemärkte. Das Unternehmen beschäftigt 2900 Mitarbeitende am Standort Visp, der flächenmässig so gross ist wie 126 Fussballfelder. Viele der Angestellten legen täglich grosse Distanzen zurück. Um sich auf dem weitläufigen Gelände fortzubewegen, stehen auf dem Werksareal rund 600 Firmenfahrräder zur Verfügung. Einige Mitarbeitende nehmen auch ihre eigenen Velos ins Werk.


René Stoffel, kam es in der Vergangenheit zu Velounfällen?


Neben Fahrrädern verkehren auch Autos, Lastwagen, Gabelstapler, Fussgänger und nicht zuletzt Züge auf dem Werksgelände. Das alles zusammen birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial. Tatsächlich kam es in der Vergangenheit zu Vorfällen. Aus diesem Grund haben wir uns schon seit Längerem Gedanken gemacht, wie der innerbetriebliche Verkehr sicherer gemacht werden kann.


Die Helmpflicht ist seit 1. Mai 2018 in Kraft. Wie haben die Mitarbeitenden darauf reagiert?


Natürlich gab es zu Beginn vereinzelt kritische Stimmen. Die ganz grosse Mehrheit aber reagierte positiv auf die Neuerung. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es uns gelang, die Mitarbeitenden mit einer umfassenden Kommunikation von Sinn und Zweck dieser Massnahme zu überzeugen.

Es gelang uns, die Mitarbeitenden mit einer umfassenden Kommunikation von Sinn und Zweck dieser Massnahme zu überzeugen.

René Stoffel, Leiter Arbeitssicherheit Lonza Visp

Es gibt doch sicher auch schwarze Schafe, die trotzdem ohne Helm unterwegs sind?


Praktisch gar keine. Wer am 1. Mai oder später keinen Helm trug, wurde und wird konsequent dazu aufgefordert, sein Fahrrad zu stossen. Glücklicherweise mussten von Anfang an nur ganz wenige Mitarbeitende an die neuen Regeln erinnert werden. Das gilt übrigens auch für die vielen Fremdfirmen, die auf unserem Gelände tätig sind.

6 Tipps für mehr Sicherheit beim Velofahren

 

Wer vorausschauend fährt, erkennt Gefahren rechtzeitig – und ist letztlich sicherer unterwegs. Folgende Punkte sollten Sie beim Velofahren unbedingt beachten:


  1. Versetzen Sie sich in andere Verkehrsteilnehmer und lassen Sie sich nicht ablenken.
  2. Fahren Sie bremsbereit und rechnen Sie stets mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern.
  3. Vorsicht bei seitlich parkierten Autos. Halten Sie mindestens 50 cm Abstand.
  4. Bahn- und Tramgleise sind heimtückisch. Überqueren Sie die Gleise möglichst recht­winklig.
  5. Warten Sie stets hinter dem Lastwagen oder Bus. Der Fahrer kann Sie im toten Winkel nicht sehen.
  6. Achtung Rutschgefahr bei nassem Laub oder Ölflecken.

Warum tragen einige Mitarbeitende normale Velohelme, andere aber einen Uvex-Schutzhelm?

 

Den wohl besten Kopfschutz gewährleistet ein Fahrradhelm. Das hätte jedoch zur Folge, dass die Mitarbeitenden, die mit dem Velo unterwegs sind, jeweils einen zweiten Helm – den auf dem Werksgelände obligatorischen Industrieschutzhelm – mitführen müssten. Eine solche Regelung wäre nur schwierig umsetzbar.

 

Wie haben Sie dieses Problem gelöst?

 

Nach gründlichen Abklärungen haben wir uns dazu entschieden, dass alle Fahrradfahrer innerhalb des Werks entweder einen privaten Fahrradhelm oder einen Helm mit Norm EN 12492 tragen müssen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Kinnband, das für den richtigen Schutz zwingend geschlossen sein muss. Wir sind überzeugt, dass wir hier eine sinnvolle und praktikable Lösung gefunden haben. Übrigens: Das Helmobligatorium fördert nicht nur die Sicherheit auf dem Firmengelände, sondern auch darüber hinaus.

 

Wie meinen Sie das?

 

Wir stellten erfreut fest, dass es nicht wenige Mitarbeiter gibt, die seit der Einführung des Helmobligatoriums auch privat einen Velohelm benutzen. Die Einführung der Helmpflicht hat somit auch Auswirkungen auf die Nichtberufsunfälle. Manche haben sich zum ersten Mal überhaupt einen Helm gekauft, andere benutzen ihren Velohelm, den sie zuvor länger nicht mehr getragen haben. So leistet die Regelung auch einen Beitrag zur NBU-Prävention.

Weiterführende Materialien


Von 18 149 Velounfällen pro Jahr sind 82 Prozent Selbstunfälle. Weitere Zahlen, Fakten und hilfreiche Materialien zum Thema «Velo» finden Sie auf dieser Seite  .


Achtung: Im Winter ist die Unfallgefahr für Velofahrer deutlich höher!