Burn-out – eine Berufskrankheit?

von Stefanie Egli,

«Ein Burn-out wird eindeutig durch die Arbeit ausgelöst.» Stimmt das? Claudia Pletscher, Chefin der Arbeitsmedizin bei der Suva, nimmt Stellung.

Stress am Arbeitsplatz

Dauerstress am Arbeitsplatz oder im privaten Bereich begünstigt Burn-outs. 

Frau Pletscher, was sind «berufsassoziierte Gesundheitsstörungen»?
Berufsassoziierte Gesundheitsstörungen sind gesundheitliche Probleme bei Berufstätigen, die durch Arbeitsbelastungen mitverursacht sein können, die aber die Kriterien einer Berufskrankheit oder eines Berufsunfalls nicht erfüllen. Sie werden in der Regel durch verschiedene Faktoren verursacht.

Ich mache Ihnen ein Beispiel: Ich habe Nackenschmerzen. Ist das jetzt auf meine schlechte Körperhaltung zurückzuführen oder darauf, dass ich während der Arbeit oft unter Zeitdruck stehe und angespannt bin?

Wann spricht man von einer Berufskrankheit?
Alle Berufskrankheiten und schädigenden Stoffe sind in einer Liste aufgeführt  . Es müssen gewisse Anforderungen erfüllt sein. Gesetzlich ist die Suva zu Leistungen verpflichtet, wenn eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird. Das ist der Fall, wenn die berufliche Tätigkeit mehr als 50 Prozent aller möglichen Ursachen ausmacht.

Wie kommt eine Krankheit auf diese Liste?
Die Suva muss prüfen, ob eine Krankheit nach den gesetzlichen Vorgaben als Berufskrankheit anerkannt werden kann. Dabei muss sie beurteilen können, welcher Faktor zu dieser Krankheit führt – was schwierig ist, wenn mehrere Ursachen bestehen.

Warum wird ein Burn-out nicht als Berufskrankheit anerkannt?
Bei Erkrankungen, die auf der Liste der Berufskrankheiten stehen, muss der berufliche Anteil 50 Prozent ausmachen. Bei anderen Erkrankungen liegt die Hürde bei 75 Prozent. Burn-out-Fälle sind multifaktoriell verursacht und haben fast immer auch eine private Ursache. Sie erfüllen deshalb die Voraussetzungen zur Anerkennung nicht.

Tut die Suva trotzdem etwas, um berufsassoziierten Gesundheitsstörungen vorzubeugen?
Schlafprobleme, Müdigkeit und psychosoziale Belastungen wirken sich auf das Unfallrisiko aus. Die Suva konzentriert sich auf die Prävention und die Verringerung des Unfallrisikos. Auf der Seite «Psychische Faktoren, menschliches Verhalten  » wird beispielsweise aufgezeigt, wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber Stress verringern können. Denn mit dem Stress-Pegel sinkt auch das Unfallrisiko. Die Suva beteiligt sich ausserdem an der Arbeitsgruppe «berufsbedingte psychische Gesundheitsschädigungen im UVG» des Bundesamt für Gesundheit BAG, an der zahlreiche Akteure des Gesundheitswesens teilnehmen.

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Claudia Pletscher ist Abteilungsleiterin Arbeitsmedizin bei der Suva.