Ausfalltage: Der Kennzahlenvergleich zeigte den Handlungsbedarf

Caspar Türler,

Felix Arnold von der Schneebeli AG erschrak beim Vergleich seiner Ausfallzahlen mit dem Branchendurchschnitt. Wie gelang es ihm, Kosten und Prämien dauerhaft zu senken?

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Können und Genauigkeit sind beim Metallbau ebenso wichtig wie Sicherheit und Unfallprävention. Fast jeder Arbeitsplatz ist mit einer Hebe-/Senkvorrichtung ausgestattet. Damit lassen sich schweren Elemente auf dem Produktionsweg mühelos und sicher transportieren. Auch dies trägt zur Absenzenreduktion bei.

Der Sitz der Schneebeli Metallbau AG in zürcherischen Dietlikon wirkt wie aus einem Guss. Genau wie die hochsicheren Schleusen und Türen, auf die sich der Betrieb spezialisiert hat. Während die Produktion bereits vor knapp 50 Jahren von Zürich hierher verlegt wurde, zog die Verwaltung erst vor Kurzem in den nahtlosen anschliessenden Neubau. «Das war eine grosse Verbesserung für die Prozesse und die Arbeitssicherheit, die mir schon immer am Herzen lagen», erzählt Felix Arnold. Dass er vor der Schneebeli Metallbau AG diesbezügliche Erfahrungen als SiBe und Geschäftsleiter gesammelt hatte, kam dem heutigen ‘Leiter Administration’ zugute. Für ihn ist diese Bezeichnung in Ordnung – auch wenn er für Finanzen, HR, Informatik und Qualitätsmanagement zuständig ist.

Ein Millimeter vorbei am Super-GAU

Dass Felix Arnold viele Qualitäten und vernetztes Denken mitbrachte, zeigte er schon kurz nach seinem Eintritt. Als er die Jahresordner des Familienbetriebs mit 70 Mitarbeitenden studierte, machten ihn die Absenzenzahlen stutzig. «Ich war schon etwas schockiert über die rund 4000 Absenzenstunden pro Ordner. Das waren zusammenzwei Personenjahre Abwesenheit. Jeder Mitarbeitende fehlte im Schnitt 12 bis 13 Tage – doch beim Bundesamt für Statistik wurden im Schnitt 8.5 Absenzentage für unsere Branche angegeben.»

Als Felix Arnold in die Details ging, standen ihm abermals die Haare zu Berge – offensichtlich gab es Nachholbedarf bei der Arbeitssicherheit. Er fand einige Unfallmeldungen wie ‘Splitter im Auge, trotz Tragen einer Schutzbrille’ die für ihn nicht aufgingen. «Erstens ist das im Metallbau der worst case – quasi ein Millimeter vorbei am Super-GAU – und zweitens musste ich annehmen, dass die Schutzbrillen aus Bequemlichkeit oder Unachtsamkeit nicht immer getragen worden waren.» Eigentlich paradox – hochsichere Produkte und nicht ganz so sichere Arbeitsverhältnisse.

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Können und Genauigkeit sind beim Metallbau ebenso wichtig wie Sicherheit und Unfallprävention. Fast jeder Arbeitsplatz ist mit einer Hebe-/Senkvorrichtung ausgestattet. Damit lassen sich schweren Elemente auf dem Produktionsweg mühelos und sicher transportieren. Auch dies trägt zur Absenzenreduktion bei.

Branchenkennzahlen als Auslöser

Mit diesen Erkenntnissen konnte Arnold die Geschäftsleitung für das Thema Unfall- und Absenzenprävention sensibilisieren. Es war Zeit, zu handeln und mehr in die Sicherheit zu investieren. Als Erstes mussten die Schutzbrillen konsequent verwendet werden. Damit Personen mit Sehschwächen nicht zwei Brillen übereinander tragen mussten, erwirkte Arnold bei der GL voll bezahlte, korrekturgeschliffene Schutzbrillen – was bei den Betroffenen Anklang fand und die Akzeptanz förderte.

Doch damit war es noch lange nicht getan. Felix Arnold wandte sich an die Suva. Gemeinsam mit Sicherheits- und Absenzenspezialisten wurde ein Prozess für den Umgang mit Absenzen definiert und beschrieben. Darin wurde anschliessend das zehnköpfige Schneebeli-Management in einem Workshop ausgebildet. Der anschliessende Kennzahlenvergleich mit Branchenzahlen der Suva wirkte als starker Hebel in der Argumentation gegenüber der Führung: er zeigte den Handlungsbedarf und das Sparpotenzial. «Über die nächsten drei bis fünf Jahre konnten wir einen sechsstelligen Frankenbetrag an Kostenersparnis ausmachen, wenn wir mit der Absenzenreduktion und gezielten Sicherheitsmassnahmen dranbleiben würden», resümiert Felix Arnold.

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Absenzenkosten sind nur ein Teil des Ganzen

Arnolds Rechnung ist tatsächlich aufgegangen, aber nie abgeschlossen – bei der Prävention heisst es dranbleiben. «Die wichtigsten Ziele haben wir erreicht, zum Beispiel die Anzahl Augenverletzungen von 15 pro Jahr auf fünf reduziert – letztes Jahr waren es noch drei» sagt Felix Arnold nicht ohne Stolz. «Natürlich kann man nicht alles beeinflussen, und bei 70 Mitarbeitenden fällt schon eine Langzeitabsenz ins Gewicht,» gibt er zu bedenken.

Bei der zu erwartenden Kostenersparnis gebe es zudem Interpretationsspielraum, meint der HR- und Präventionsprofi. Je nachdem, wie ein Betrieb aufgestellt ist, wie gefährlich die Arbeit ist und was die Mitarbeitenden alles in der Freizeit erleben. Bei der NBU-Prävention ist Arnold selber noch nicht so weit, wie er möchte: «Ob die Suva Plakate mit den Tipps für Fussballer und Skifahrer etwas genutzt haben, weiss ich nicht. Sicher ist nur, dass unsere Metallbauer keine Fitnessabos brauchen. Wenn sie draussen auf Montage sind, bestehe ich auf dem Sonnenschutz und hoffe, dass sie auch im Privaten dran denken.»

Dominosteine stoppen

Doch genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als die Kosteneinsparungen ist für Felix Arnold die Reduktion der negativen Begleitumstände von Arbeitsausfällen. «Wenn sich Absenzen häufen, muss man eingreifen,» ist Felix Arnold überzeugt. Wie bei aufgestellten Dominos könne ein Stein den nächsten anstossen und sich schnell zu einem Reputationsschaden auswachsen. «Jeder Arbeitsausfall wird zwar mit dem Taggeld kompensiert. Doch bei mehreren muss man umplanen, hat höhere administrative Auslagen, Überstunden, Stress… bei Produktionsverzögerungen kann man weniger schnell liefern oder verliert im schlimmsten Fall Aufträge, und dann steigt zu allem Unglück auch noch die Versicherungsprämie!»

Erweitertes Sicherheitskonzept

Felix Arnold bekam zwar von Management das Bekenntnis zur Absenzenreduktion, im Alltag haperte es aber mit der Kommunikation. Da der Absenzenprozess noch nicht überall wie definiert und gewünscht umgesetzt wird, erkundigt er sich vermehrt selbst bei den Abteilungen. Wenn ein Mitarbeitender nicht erscheint, besteht er auf einem Anruf, nicht bloss einer Textnachricht. Zudem hat Felix Arnold die Betriebssanität von zwei auf sieben Personen aufgestockt.

«Dafür brauchte es allerdings zwei Anläufe bei der GL. Ich nahm das Arbeitsgesetz hervor, darin ist eine Verordnung und dort drin eine Empfehlung – als ich das vorlegte, durfte ich 5 weitere Personen ausbilden. Diese Investition wird sich bezahlt machen. Wenn wir bei einem Unfall schnelle und richtige Ersthilfe leisten können, ist das nicht mit Geld aufzuwiegen.»

 

Das braucht es für ein erfolgreiches Absenzenmanagement

Was kann ein Unternehmen tun, um Absenzen zu vermeiden? Wie kann der Arbeitgeber erkrankte und verunfallte Mitarbeitende unterstützen? Die wichtigsten Tipps für eine effiziente Untersuchung und Reduzierung von Absenzen.

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