Edith Müller Loretz, wie verhindern wir Unfälle in Zukunft?

Erika Rogger,

Die Unfallprävention der Suva ist im Umbruch. Welche Rolle Freizeitunfälle und die Digitalisierung dabei spielen, lesen Sie im Interview mit der Präventionschefin der Suva.

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Edith Müller Loretz ist seit April 2019 in der Geschäftsleitung der Suva. Sie leitet das Departement Gesundheitsschutz. Bereits seit 22 Jahren arbeitet sie für die Suva in der Unfallprävention. 

Edith Müller, das Risiko im Beruf zu verunfallen nimmt seit 1986 stetig ab, es ist seither um 45 Prozent gesunken. Hingegen blieb das Risiko in der Freizeit zu verunfallen konstant hoch. Was heisst das für die Präventionsarbeit?
Wir haben den grossen Vorteil, dass wir unsere Kundinnen und Kunden direkt im Betrieb ansprechen können. Wenn wir es schaffen, die Sicherheitskultur aus den Betrieben auch auf die Freizeit zu übertragen, können viele Unfälle vermieden werden.

Wie wird die Präventionsarbeit der Suva in Zukunft aussehen? Was erwarten Sie persönlich von der künftigen Prävention?
Dass wir den Menschen stärker ins Zentrum der Präventionsarbeit stellen – so haben wir es in unserer Präventionsstrategie bereits definiert. Damit steigen auch die Chancen, dass wir die Prävention von Berufs- und Freizeitunfällen enger verknüpfen, Synergien nutzen und so die Präventionswirkung stärken können. Wir suchen die Lösungen zusammen mit unseren Kunden. Und: Wir wollen die relevanten Themen in der richtigen Dosis und Ansprache platzieren.

Eine Eigenheit der Arbeitssicherheit sind die Betriebskontrollen. Wie wird die Suva in Zukunft ihre Aufgabe als Durchführungsorgan wahrnehmen?
Prävention umfasst ganz klar mehr als nur Kontrollen. Die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) sieht vor, dass wir informieren und beraten. Die Suva will die Beratung stärken. Wir wollen weg vom rein regelorientierten Ansatz hin zu einem Ansatz, der eigenständiges Denken und Handeln fördert. Auf diese Weise schaffen wir mit der Präventionsarbeit einen nachhaltigen Kundennutzen.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Wie verändert sich die Präventionsarbeit?
Einerseits gelingt es mit der Digitalisierung, Gefahren zu reduzieren, weil für gefährliche, körperlich anstrengende und repetitive Arbeiten Maschinen genutzt werden. Andererseits bringt die Interaktion von Mensch und Maschine neue Risiken mit sich. Die künstliche Intelligenz bietet auch Chancen, z.B. ermöglicht sie in Zukunft gefährliche Situationen vorauszusehen und rechtzeitig davor zu warnen. Schon heute nutzen wir digitale Instrumente, um Botschaften gezielt zu platzieren und Kundenkontakte zu vereinfachen. Mit Hilfe von Apps beispielsweise gelingt es, Skifahrerinnen und Skifahrer gezielt zu erreichen. 

Die Suva unterstützt die Betriebe in der Arbeitssicherheit mit diversen Angeboten, zum Bespiel mit Präventionsmodulen. Was sind Präventionsmodule?
Viele Unfälle könnten durch angemessenes Verhalten verhindert werden. Mit dem Angebot «Präventionsmodule» unterstützt die Suva die Arbeitgeber mit einfach einsetzbaren Lehr- und Lernmodulen darin, die Unfälle mit den häufigsten Unfallursachen gezielt zu reduzieren. Prävention soll ein Erlebnis bieten und abwechslungsreich sein, damit sie auch Wirkung zeigt. Die Präventionsmodule der Suva umfassen darum neben Videos, Praxis-Tipps und Dokumentationen beispielsweise auch Parcours, Wissens-Wettbewerbe und Workshops. Es stehen Module zu Themen wie beispielsweise «Stolpern und Stürzen», «Fussball», «Schneesport», «Sicher Velo fahren» sowie «Bewegung und Gesundheit» zur Auswahl. Wer in seinem Betrieb Präventionsaktionen durchführen, zudem Unfälle verhüten und Kosten einsparen möchte, dem können die Präventionsmodule der Suva ans Herz gelegt werden. Wir arbeiten zurzeit an einem neuen digitalen Service, der bereits für einige Branchen zur Verfügung steht, um unseren Kunden individualisierte Präventionspläne anbieten zu können. 

Weitere Informationen und Links zum Thema Prävention:

Hier finden Sie alle Präventionsmodule der Suva:

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