Lernende vor Unfällen schützen

Text: Regula Müller; Illustration: tnt-graphics,

25 000 Lernende verunfallen jährlich in der Schweiz bei der Arbeit. Um diese Zahl zu senken, brauchen Lernende die Unterstützung durch die Berufsbildenden und den Mut, Stopp zu sagen.

Als ich näher kam, sah ich die Leintücher mit den zwei leblosen Körpern darunter.» So erinnert sich Thomas Schwegler, Geschäftsführer eines KMU, an den Tag, den er niemals vergessen wird. Ein Mitarbeiter und ein Lernender kamen bei einer Arbeit ums Leben, die im Betrieb zum Alltag gehört. «Ich konnte mir vor diesem Unfall nie vorstellen, jemals in eine solche Situation zu geraten. Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass jemand da gewesen wäre, der Stopp gesagt hätte.»

Hohes Risiko

Jährlich wird jeder achte Lernende Opfer eines Berufsunfalls. Zwei verlieren pro Jahr gar ihr Leben. Das Risiko, zu verunfallen, ist für Lernende fast doppelt so hoch wie das der übrigen angestellten Personen. Verschiedene Gründe tragen dazu bei: Lernende sind neu im Beruf und neu im Betrieb. Sie sind ungeübter und oft auch unvorsichtiger. Sie überschätzen ihre Fähigkeiten und trauen sich nicht, nachzufragen. Ausserdem verhalten sich vorgesetzte Personen nicht immer vorbildlich und instruieren zu wenig. Umso mehr sind diese in der Verantwortung.

Stopp-Ausweis als Symbol

Eine zentrale Rolle während der Lehrzeit spielen die Berufsbildner oder die Berufsbildnerinnen. Sie sind wichtige Vertrauenspersonen und die Schlüsselfiguren für Sicherheitsfragen. Als Grundlage für eine sichere Lehrzeit dient der Stopp-Ausweis. Zu Beginn der Lehrzeit wird dieser zusammen mit den Lernenden ausgefüllt. Er steht symbolisch für das Recht und die Pflicht, bei Gefahr Stopp zu sagen. Die Lernenden müssen dann Stopp sagen, wenn eine lebenswichtige Regel verletzt wird, der Arbeitsauftrag unklar ist oder sie sich unsicher oder überfordert fühlen.

Tipps zum Stopp-Sagen

Es ist nicht immer einfach, Stopp zu sagen und bei Gefahr die Arbeit zu unterbrechen. Lernende brauchen dazu viel Mut und Selbstvertrauen. Helfen kann, wenn junge Berufsleute sich mit den Oberstiften oder Kolleginnen und Kollegen aus der Berufsschule austauschen. Tipps von Gleichaltrigen zum Thema Stopp-Sagen ermutigen dazu, dies in der Praxis tatsächlich anzuwenden. Vorgesetzte Personen sollten bereits im Vorfeld zusammen mit den Lernenden erarbeiten, wie diese reagieren könnten, wenn jemand negativ auf das Stopp-Sagen reagiert. Wenn Berufsbildende ihre Lernenden immer wieder darin bestärken, Fragen zu stellen, stärkt dies das Selbstbewusstsein der jungen Berufsleute. Schliesslich sind diese noch in Ausbildung und dürfen Unsicherheiten ansprechen.

«Ich habe nur noch zwei Leintücher, mit leblosen Körpern darunter gesehen»

Geschäftsführer Thomas Schwegler zu dem Tag, den er niemals vergessen wird.

Für eine sichere Lehrzeit

Lehrhefte «10 Schritte für eine sichere Lehrzeit»:
Für Lernende: suva.ch/88273.d  
Für verantwortliche Personen: suva.ch/88286.d  
Weitere Schulungsunterlagen wie Plakate und Filme: suva.ch/lehrzeit