«Sicherheit ist Teamwork»

Nadia Gendre,

Jean-Pierre Egger trainierte die Alinghi-Crew, heute berät er Firmen. Was Spitzensport und Arbeitssicherheit gemeinsam haben, verrät er im Interview.

«benefit» 1_20 Rubrik «Meine Sicht» Jean-Pierre Egger, Coach, Trainer, Alinghi, Günthör

Sie begleiten Firmen bei der Erarbeitung einer Sicherheitskultur. Wo fangen Sie an?
In einer ersten Etappe gilt es, den Zweck und das Ziel zu definieren. Doch bevor wir loslegen, analysieren wir den aktuellen Stand des Unternehmens. Die Anzahl der Unfälle, Abwesenheitstage und Statistiken über häufig verletzte Körperteile liefern Indikatoren dafür, wo wir ansetzen können. Denn um einen Fortschritt in Sachen Sicherheit zu beobachten, benötigen wir Mess- und Vergleichswerte.

Wie stellen Sie ein Siegerteam zusammen?
Im Sport funktioniert es so: Sobald das Ziel bekannt ist, stellt man ein Team zusammen, das über die erforderlichen technischen Fähigkeiten und Arbeitsweisen verfügt. Dieses Team ist der Treibstoff, um ein Projekt zum Ziel zu bringen. Die Mischung aus körperlichen, emotionalen und mentalen Stärken muss stimmen. Je positiver der Teamspirit, desto besser die Leistung. Ähnlich ist es in einem Unternehmen. Es lohnt sich, seine Mitarbeitenden auf Gesundheits- und Sicherheitsthemen zu sensibilisieren und sie so fit zu halten.

Wie kann man die Teamleistung steigern?
Bei Alinghi beispielsweise wusste jeder, was er zu tun hat, und kannte die Rolle seiner Kollegen. Vertrauen ist das A und O. Um zu gewinnen, muss man auf die Stärken fokussieren, nicht auf die Schwächen. Genau so sehe ich es auch im Bereich der Sicherheit. Es hilft nach einem Unfall nicht, wenn man nach dem Schuldigen sucht. Besser ist es, zu eruieren, was man hätte besser machen können. Ab und zu sind Fehler nötig, damit man sich selber infrage stellen kann.

Gesundheit für Mitarbeitenden

Fitte Mitarbeitende   sind an ihrem Arbeitsplatz zufriedener und leistungsfähiger. Wenn Unternehmen erfolgreich sein wollen, sollten sie ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen. Denn sie vertreten nicht nur ihre Werte, sie stellen auch die wertvollste Ressource dar.

Das Etablieren der Sicherheitskultur braucht Durchhaltewillen. Wie bleibt das Team motiviert?
Für mich sind die Werte ausschlaggebend, die wir zu Beginn des Projekts festlegen. Sie beeinflussen massgeblich die Vorgehensweise und die Einstellung, mit denen wir das Ziel erreichen wollen. Werte schweissen das Team zusammen und führen es zum Erfolg.

Um eine Sicherheitskultur zu entwickeln, müssen Unternehmen Gewohnheiten ändern und die Komfortzone verlassen. Welchen Rat geben Sie?
Nur wer Unsicherheiten aushält, kommt voran. Neue Maschinen, neue Regeln – damit muss man sich erst einmal vertraut machen. Doch nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Der Coach muss alle Vermittlungskanäle (auditiv, visuell oder taktil) nutzen, um den Mitarbeitenden die Botschaften verständlich zu machen. Nur dann besteht die Chance, dass vertraute Gewohnheiten aufgegeben werden. Wenn eine Botschaft nicht ankommt, muss man den Grund dafür finden. Ein Trainer muss sein Team gut kennen, wenn er es zum Sieg führen will. Daher ist die Rolle des Sicherheitsbeauftragten oder des Chefs so wichtig.