Bouldern: Trendsport mit Schattenseiten

Regula Müller,

Unfälle bei der Trendsportart Bouldern haben sich in den letzten fünf Jahren von 300 auf über 1000 mehr als verdreifacht. Vor allem 24- bis 35-Jährige verletzen sich. Die Versicherungen können unter Umständen Leistungen kürzen.

Tipps für sicheres Bouldern

In den Jahren zwischen 2015 und 2019 haben sich die Boulder-Unfälle in den Hallen mehr als verdreifacht. 2015 verzeichneten die Unfallversicherer lediglich rund 300 Unfälle, im Jahr 2019 waren es bereits deutlich über 1000 – Tendenz steigend. Dies begründet sich einerseits durch die wachsende Popularität dieser Sportart, andererseits, dass Bouldern ein Freizeitsport ist, der ohne grosse sportliche Voraussetzungen ausgeführt werden kann.
Die Hälfte der Unfälle beim Bouldern in der Kletterhalle gehen auf das Konto von Personen im Alter von 25 bis 34 Jahren. Bei 60 Prozent der verunfallten Personen handelt es sich um Männer. Dies liegt daran, dass diese häufiger bouldern.

Das bedeutet Bouldern

Unter Bouldern versteht man das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden. Die Trendsportart erfreut sich insbesondere im Indoor-Bereich einer immer höheren Beliebtheit.

Untere Extremitäten am häufigsten verletzt

Sie stürzen, fallen oder rutschen von der Kletterwand. Dabei verletzen sie sich am häufigsten an den unteren Extremitäten (Unterschenkel, Knöchel, Fuss). An zweiter Stelle folgen Verletzungen an den Händen, Handgelenken oder Fingern. Diese ereignen sich oft aufgrund von Überlastung der Körperteile beim Klettern selbst.
Mehr als ein Drittel der Unfälle beim Bouldern in Hallen geschieht am Feierabend zwischen 17 und 20 Uhr. Vermutlich wird zu dieser Zeit am meisten gebouldert - zumindest an Arbeitstagen.
Fast zwei Drittel der Unfälle beim Bouldern in Hallen geschehen an Arbeitstagen, da vor allem am Feierabend. Die Unfälle an freien Tagen geschehen hauptsächlich zwischen 11 und 17 Uhr.

Überschreiten der Absprunghöhe kann zu Leistungskürzungen führen

Jährlich geschehen rund 632 Unfälle beim Bouldern. Ein Unfall kostet durchschnittlich 5100 Schweizer Franken. Da Bouldern ohne Absicherung durch Seil und Klettergurt erfolgt, ist die Absprunghöhe für die Schwere einer Verletzung oft mitentscheidend. Wenn man sich nicht an die vorgegebene Absprunghöhe der Hallenbetreiber hält und/oder die Landung ungenügend absichert, kann die Versicherung den Unfall als Wagnis einstufen. Dies kann zu Kürzungen der Geldleistungen führen.

5 Tipps fürs sichere Bouldern

Aufwärmen: Intensives Aufwärmen schützt Muskeln, Bänder und Sehnen. Wählen Sie dafür einen geeigneten geschützten Platz in der Kletterhalle.

Sturzraum freihalten: Halten Sie sich nicht unter anderen bereits Bouldernden auf. Lassen Sie sich keine Gegenstände im Sturzraum liegen. Bouldern Sie nicht zu eng nebeneinander und übereinander.

Spotten: Lassen Sie sich das richtige Spotten (Abfangen der Stürzenden) zeigen. Spotten Sie nur bei Bedarf. Beachten Sie dabei die Gewichtsunterschiede.

Abklettern oder Abspringen: Bevorzugen Sie das Abklettern vor dem Abspringen. Benutzen Sie gekennzeichnete Ausstiege. Lernen Sie Abspringen und richtig Landen mit geschlossenen Füssen, falls nötig mit Abrollen.

Auf Kinder achten: Die Matte ist kein Spielplatz. Nehmen Sie deine Aufsichtspflicht Kindern gegenüber wahr. Definieren Sie die individuelle Höhe für Ihre Kids.

Weitere Infos zum Bouldern  gibt es bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung.