Fairplay gewinnt

Text: Regula Müller; Grafik: tnt-graphics,

Jede dritte Fussballverletzung ist auf ein Foul zurückzuführen. Daraus resultieren schwere Verletzungen. Mit den fünf Fairplay-Regeln lässt sich Fussball sicherer machen.

Bevor ich dem Gegner erlaube, ein Tor zu schiessen, muss ich ihn mit allen Mitteln daran hindern – und wenn ich das nicht mit fairen Mitteln tun kann, dann muss ich es eben mit einem Foul tun.» Dieser Satz schrieb Paul Breitner, deutscher Fussballweltmeister von 1974, in einem seiner Bücher in den 80er-Jahren. 40 Jahre später sieht es in diesem Sport nicht viel besser aus. Ein Drittel aller Fussballunfälle im Schweizer Klubfussball passieren wegen eines Foulspiels. Dies belegen die Zahlen des Sozialforschungsinstituts Lamprecht und Stamm.
Es ginge auch anders. Davon ist Christian Fassnacht, Profifussballer bei den Berner Young Boys, überzeugt: «Fairplay bedeutet für mich, den Gegner und den Schiedsrichter zu respektieren. Auch wenn ich dadurch Entscheide provoziere, die dem Gegner einen Vorteil verschaffen.» Diese Erkenntnis hat sich im Breitensport noch längst nicht durchgesetzt: Im Suva-Fussballtest geben fast die Hälfte der Befragten an, ihre Gesundheit für einen Sieg aufs Spiel zu setzen. Anders sieht das Lara Dickenmann, Schweizer Rekord-Nationalspielerin und Champions-League-Siegerin: «Für mich ist Fairplay die Grundlage des Sports und des Fussballs. Ohne Fairplay kann kein Spiel ausgetragen werden.»

Wichtige Einflüsse

Trainer und Trainerinnen sind zentrale Figuren, wenn es um fairen Fussball geht. Über drei Viertel geben an, dass sie ihre eigenen Spielerinnen und Spieler zur Brust nehmen, wenn diese unfair spielen. Das bestätigt auch der Nachwuchstrainer beim FC Basel und Klublegende beim FC Thun, Dennis Hediger: «Ein Tor oder ein Sieg kann nie mehr wert sein als Fairplay. Es ist mir als Nachwuchstrainer wichtig, dass meine Jungs diesen Grundsatz verstehen.» Fairplay sei eine Kompetenz, die nicht nur im Fussball, sondern auch im Leben wichtig sei. «Am schönsten ist es natürlich, wenn mit Fairplay ein Sieg erreicht wird.»
Auch Schiedsrichtende spielen eine zentrale Rolle bei der Unfallprävention. Pro Jahr verteilen sie rund 125 000 gelbe und rote Karten – jede zweite wegen gesundheitsgefährdenden Vergehen. Das kommt nicht überall gut an: In 2 von 100 Spielen kam es bei den Junioren-A-Spielen zu Vergehen gegen die Unparteiischen. Die Profis agieren deutlich besonnener: Auf 100 Spiele kommen nur gerade 0,3 Vorfälle gegen den Schiedsrichtenden.

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Verletzungsrisiko steigt

Die Entwicklung auf Schweizer Fussballplätzen ist alarmierend: Das Verletzungsrisiko hat zwischen 2008 und 2015 um fast einen Viertel massiv zugenommen. Unter anderem hat das auch mit der
höheren Intensität im Spiel zu tun. Zwischen 2004 und 2015 stieg die Zahl der Kontaktverletzungen von 4,7 auf 5,6 Verletzungen pro 1000 Spielstunden. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Zahl der Unfälle ohne Gegnerkontakt während des Trainings: von 1,8 auf 2,2 Verletzungen pro 1000 Spielstunden. Alter und Geschlecht spielen beim Unfallgeschehen ebenfalls eine Rolle: So sind über 30-Jährige doppelt so häufig von Unfällen betroffen wie A/B-Junioren. 93 Prozent der Verunfallten sind Männer.

Hohe Kosten durch Verletzungen

Der unbedingte Wille zum Sieg hat aber einen hohen volkswirtschaftlichen Preis: 45 000 unfallversicherte Arbeitnehmende verletzen sich in der Schweiz jährlich beim Kicken. Das entspricht der Einwohnerzahl des Kantons Nidwalden. Durch Fussballverletzungen entstehen der Suva jährlich laufende Kosten von rund 198 Mio. Franken. Im Schnitt kostet ein Unfall gegen 3500 Franken. Besonders gefährlich sind Tacklings und Kollisionen, deren Folgen am häufigsten ärztlich behandelt werden müssen. Überdurchschnittlich langwierig ist die Behandlung von Knieverletzungen, die häufig eine Heilungszeit von über einem Monat verursachen. Zur körperlichen Verletzung kommt die psychische Belastung, betont Dennis Hediger: «Verletzungen gehören beim Sport dazu. Wenn diese aber durch unfaires Verhalten zugefügt wurden, ist eine Reha viel schwieriger zu ertragen.» Christian Fassnacht ergänzt: «Eine Verletzung ist für mich als Sportler das Schlimmste. Das will ich unbedingt vermeiden. Deswegen gilt es für mich, den Gegner zu respektieren und im Zweikampf kein Verletzungsrisiko in Kauf zu nehmen.»
Auch für Amateurspieler und -spielerinnen können Fussballverletzungen teilweise schwerwiegende Konsequenzen haben. Pro Jahr erleiden 34 Verunfallte sogar eine dauerhafte Invalidität. 

Einschneidend für den Betrieb

Arbeitgebende spüren die Folgen all dieser Unfälle sehr direkt. Fussballverletzungen führen im Jahr zu bis zu 500 000 Ausfalltagen. Das kostet den Betrieb im Schnitt 6000 bis 10 000 Franken. Nach einem Unfall fehlt der Angestellte im Durchschnitt zwei Wochen.
Die Unternehmen müssen aber nicht nur die unfallbedingten Ausfälle mit zusätzlichem Personaleinsatz stemmen, sondern erleiden auch wirtschaftliche Einbussen: Ersatzpersonal muss eingearbeitet oder Aufträge können nicht rechtzeitig ausgeführt werden. Mit Prävention im Betrieb können fussballbegeisterte Mitarbeitende für das Verletzungsrisiko beim Fussballspielen sensibilisiert werden, um Verletzungen und Ausfällen vorzubeugen.

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