«Wir tun unser Möglichstes für unsere Kunden»

Interview: Marcel Hauri,

Was tut die Suva, um die Betriebe zu entlasten? Was ändert sich? Und was bleibt gleich? Felix Weber nimmt Stellung.

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Felix Weber, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Suva

Es sind ausserordentliche Zeiten. Der Bundesrat hat die einschneidendsten Massnahmen für die Schweizer Bevölkerung seit dem 2. Weltkrieg beschlossen. Die Betriebe stehen vor sehr grossen Herausforderungen. Wie geht die Suva mit dieser Situation um? Und was heisst das jetzt für die Betriebe und ihre Versicherten? Felix Weber, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Suva, nimmt Stellung.

Herr Weber, das Coronavirus trifft die Schweiz und ihre Wirtschaft mit voller Wucht. Was tut die Suva, um die Betriebe zu entlasten?
Felix Weber: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suva tun ihr Möglichstes, um adäquat auf die Krise zu reagieren. So erheben wir bereits seit Mitte März keine Verzugszinsen für verspätete Zahlungen mehr. Und wir verzichten auf den Versand von Mahnungen und leiten keine Betreibungen ein. Das gilt vorerst bis zum 30. Juni. Der Bundesrat hat inzwischen auch einen Rechtsstillstand verfügt und umfassende Liquiditätshilfen für Unternehmen zur Verfügung gestellt. Diese Massnahmen begrüssen wir sehr. Das gibt allen Beteiligten Zeit, sich auf das zu konzentrieren was wichtig ist: Die Einhaltung der Vorgaben des Bundes.

 

Gerade diese Vorgaben sind in den Betrieben zum Teil schwierig umzusetzen.
Es sitzen alle im gleichen Boot. Die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist das Gebot der Stunde. Das SECO hat für Betriebe in der Schweiz klare Vorgaben gemacht  . Der Bundesrat hat uns den Auftrag erteilt, die Kantone bei der Kontrolle dieser arbeitsrechtlichen Vorgaben zu unterstützen. Verstösst ein Betrieb gegen diese Regeln oder will er diese nicht umsetzen, wird der Kanton entsprechende Massnahmen ergreifen.

 

Unternehmen müssen somit weiter mit Kontrollen und Betriebsbesuchen der Sicherheitsexperten der Suva rechnen?
Ja. Wir halten uns aber an die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Unsere Sicherheitsexperten halten die Hygienevorschriften und Abstandsregeln ein. Haben wir Kenntnis von groben Verstössen gegen Vorgaben der Arbeitssicherheit oder des Gesundheitsschutzes, werden wir wie gewohnt handeln.

Corona-Pandemie

Wichtige Informationen finden Sie unter www.suva.ch/covid-19    

Das Gesundheitssystem der Schweiz steht vor einer grossen Belastungsprobe. Die Suva mit ihren Versicherten ist ja auch ein Kunde dieses Systems. Was ist hier geplant?
Damit sich Spitäler und Praxen auf die Behandlung von Coronavirus-Patienten und auf Notfallbehandlungen konzentrieren können werden Wahleingriffe, geplante Therapien und Operationen verschoben. Zudem verringern wir das Berichtswesen auf das Minimum. Es werden nur noch ärztliche Berichte eingefordert, die zur Prüfung der Leistungspflicht zwingend erforderlich sind.

 

Wir erlebten soeben den grösste Börsencrash seit der Finanzkrise 2008. Hat das Auswirkungen auf die Suva und ihre Kundinnen und Kunden?
Natürlich gibt es entsprechende Kursverluste auf den Wertpapieren. Die finanzielle Position der Suva ist aber weiterhin sehr solide. In der hundertjährigen Geschichte der Suva gab es bereits etliche Ereignisse mit ähnlichen finanziellen Auswirkungen. In diesem Sinne sind zur Zeit keine Auswirkungen auf die Versicherten absehbar. Mehr Sorgen machen wir uns über das extrem tiefe Zinsniveau,welches langfristig alle Sozialwerke belasten dürfte.

 

Viele Versicherte bleiben jetzt zu Hause. Werden die Prämien sinken?
Wir rechnen aktuell in gewissen Branchen mit weniger Unfällen. Was klar ist: Wo nicht gearbeitet wird, gibt es auch keine Berufsunfälle. Auch die verkürzte Skisaison und der Verzicht auf Ballsportarten wird ins Gewicht fallen. Weil die Suva nicht gewinnorientiert ist, werden wir die Prämien entsprechend den sinkenden Unfallkosten anpassen, sobald diese Effekte quantifizierbar werden und finanziell relevant sind. In welchem Ausmass und in welchen Branchen das sein wird, das ist allerdings noch völlig offen.