Sonnencreme: Der Experte gibt Tipps und entschärft Mythen

Regula Müller,

Christian Surber ist Pharmazeut und forscht seit 35 Jahren für die dermatologische Universitätsklinik in Basel. Der Experte gibt Tipps, wie man Sonnencremes am besten anwendet.

Napo in: Schütze deine Haut!Sonnencreme

Die Kraft der Sonne nimmt jetzt wieder zu, die meisten Menschen freuen sich darüber. Aber den wenigsten macht das Auftragen von Sonnenschutzmitteln Spass. Was raten Sie?
Es ist besonders wichtig, dass jeder für sich rausfindet, welches Sonnenschutzprodukt er sich am liebsten auf die Haut auftragen möchte. Manche finden Lotionen angenehmer zum Eincremen, andere haben lieber Cremes oder Gele. Ich rate dazu, sich zuerst einige Muster zu holen und auszuprobieren. Das beste Sonnenschutzprodukt ist jenes, das der Konsument gerne auf die Haut aufträgt.

Gibt es Produkte, auf die Sie verzichten würden?
Von Sprays rate ich ab. Beim Aufsprühen geht ein grosser Anteil an die Umwelt verloren. Die Kosten-Nutzen-Analyse stimmt für mich bei den Sprays nicht.


Surber Christian

Welchen Sonnenschutzfaktor soll ich wählen?
Generell gilt, dass man sich beim draussen Arbeiten, Sport im Freien oder im Urlaub mit einem Sonnenschutzfaktor (SPF) von mindesten 30 eincremen sollte. Je heller die Haut, je höher über dem Meeresspiegel, je näher am Äquator und je sommerlicher die Jahreszeit, desto höher sollte der SPF sein. 

Was bedeutet SPF genau?
SPF ist die Abkürzung für Sun Protection Factor. Der Faktor ist das Verhältnis zwischen der Zeit bis zu einer ersten Rötung der Haut, die mit Sonnenschutzmittel geschützt ist und der Zeit bis zur ersten Rötung der Haut, die nicht geschützt ist. Ein Produkt mit SPF 50 schützt doppelt so stark wie ein Produkt mit SPF 25. Als Beispiel: Bei einem Produkt mit SPF 25 dringen knapp 4 % des Sonnenlichts in die Haut ein. Bei einem Produkt mit SPF 50 nur noch rund 2 %.

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Worauf sollte ich sonst noch achten?
Der SPF kennzeichnet den Schutz vor UV-B-Strahlung, die für den Sonnenbrand verantwortlich ist. Der UV-A-Schutz ist aber ebenso wichtig. Er vermindert den Hautalterungsprozess. Produkte mit ausreichendem UV-A-Schutz sind durch ein schwarzes Logo (Kreis, in dem UVA steht) gekennzeichnet.

Und wasserfest sollte das Schutzmittel doch sicher auch sein?
Ich finde das Prädikat «wasserfest» etwas irreführend. Die Laborbedingungen, unter denen die Wasserfestigkeit getestet wird, sind wenig realistisch. Es muss mit einbezogen werden, dass man sich nach dem Baden abtrocknet, sich beim Arbeiten beispielsweise mit einem Schweisstuch abwischt und so der Sonnenschutz verloren geht. Um den gewählten Sonnenschutz aufrecht zu erhalten, muss man sich mehrmals eincremen und das ausreichend.

Wie cremt man sich denn richtig ein?
Ich empfehle, dass man sich 30 Minuten vor der Sonnenexposition zweimal eincremt – mit einer kleinen Pause dazwischen. So stellt man sicher, dass eine genügend dicke Schicht auf der Haut aufgetragen wird. Pro Quadratzentimeter sollten zwei Milligramm Sonnencreme verteilt werden. Das sind auf einem Körper eines erwachsenen Mannes gut und gerne 30 Gramm. Ausserdem kommen Stellen, die beim ersten Mal vergessen gingen, beim zweiten Mal zum Zug.

Wirkt denn die Sonnencreme erst nach einer halben Stunde?
Sobald man das Sonnenschutzmittel aufträgt, wirkt es. Es macht aber Sinn, dass die Creme etwas antrocknen kann, bevor man an die Sonne geht. Sie kann so weniger rasch abgerieben werden. Frische Farbe an einer Wand färbt anfänglich ja auch ab; nach dem Trocknen aber nicht mehr.

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UV-Strahlung

Der beste Schutz vor UV im Hochsommer ist eine Kopfbedeckung mit Stirnblende und Nackenschutz sowie entsprechende Kleider. 

Hier   erfahren Sie mehr zum Thema Sonnenschutz.

Das   sind die häufigsten Fragen rund um den Sonnenschutz.

Was sagen Sie zum Argument, dass zu viel Sonnenschutz die Bildung von Vitamin D in der Haut verhindert?
Nein, das stimmt nicht. Kein Sonnenschutzmittel blockiert den Strahleneintritt in die Haut komplett. Die Vitamin-D-Defizite in der Bevölkerung sind nicht auf Sonnenschutzprodukte zurückzuführen, sondern aufs Alter. Denn mit steigendem Alter nimmt die natürliche Produktion ab.

Sind Nanopartikel in Sonnenschutzprodukten gefährlich?
Meiner Meinung nach nicht. Das Eindringen der Nanopartikel in die Haut ist nicht möglich, da die Teilchen zu gross sind. Die Hornhaut, die oberste Schicht unserer Haut, ist so aufgebaut, dass die Teilchen nicht eindringen können. Ausserdem sind die Nanopartikel nach dem Antrocknen des Sonnenschutzprodukts in einem dickflüssigen Film auf der Haut gefangen. Sonnenschutzprodukte mit Nanopartikel sind daher ungefährlich. Ich behaupte sogar, sie sind sicherer als Sonnenschutzmittel die lösliche Filter enthalten. Denn die in Sonnenschutzmitteln enthaltenen Nanopartikel sind um ein Vielfaches grösser als die Moleküle der Sonnenschutzfilter in anderen Produkten.

Dann bin ich mit einem Sonnenschutzmittel mit SPF 50+ mit dem Label UV-A top geschützt vor der Sonne, wenn ich mich regelmässig und mit genügend Mittel eincreme?
Den besten Schutz erzielt man mit Kleidung sowie durch Aufsuchen von Schatten. Darüber hinaus sollte man im Sommer während der Mittagszeit – zwischen 11 und 15 Uhr – wo die Strahlenintensität am grössten ist, den Aufenthalt im Freien vermeiden. Das Eincremen mit Sonnenschutzmittel ist die am wenigsten effektive Schutzmethode und sollte als Ergänzung zu den beiden anderen Methoden verstanden werden.