Stich mit Folgen

Regula Müller,

Von Zecken übertragene Krankheiten haben in den letzten Jahren zugenommen. Zeckenstiche können schwere Folgen haben und führen in der Schweiz jährlich zu rund 10 000 Arztbesuchen.

Die Zecke ist ein Spinnentier und kommt in der ganzen Schweiz vor. Sie ist besonders im Frühling und im Herbst aktiv. Sie steigt von der Bodenschicht auf Pflanzen bis eineinhalb Meter über den Boden. Vor allem im Unterholz und an Wald- und Wegrändern ist die Zecke zu finden. Sie befällt vorbeistreifende Tiere und Menschen und sucht sich eine geeignete Körperstelle zum Stechen. Sie ist dann fest mit der Haut verbunden und saugt über mehrere Tage Blut. Dabei kann sie die Erreger einer Borreliose oder einer Hirnhautentzündung (FSME) übertragen.

Die Borreliose

Je nach Gegend sind 5 bis 50 Prozent der Zecken vom Erreger der Borreliose befallen. Überträgt die Zecke die Bakterien, finden sich im Blut Antikörper. Häufig verläuft die Infektion unbemerkt. Führt der Infekt aber zu Beschwerden, so bilden sich in vielen Fällen zuerst Hautrötungen rund um die Einstichstelle. Es kann zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Bei schwereren Verläufen kommt es zu Schmerzen, Gefühlsstörungen und Lähmungen an Armen und Beinen sowie im Kopfbereich. Selten sind neben dem Nervensystem auch die Gelenke von Beschwerden betroffen. Die Krankheit lässt sich mit Antibiotika behandeln.

Die FSME

FSME ist die Abkürzung für Frühsommermeningoenzephalitis und bedeutet eine Entzündung von Hirnhaut und Hirn. Ein Virus verursacht diese Erkrankung. Die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Risikogebiet ein. 0,5 bis 5 Prozent der Zecken tragen das Virus in sich.
Überträgt die Zecke das Virus, kann es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommen. Zu Beginn treten Fieber und Kopfschmerzen auf. Bei 5 bis 15 Prozent der Erkrankten kommt es nach einigen weiteren, häufig beschwerdefreien Tagen zu Entzündungen des Nervensystems mit starken Kopfschmerzen, manchmal Lähmungen und Bewusstseinsstörungen. Es sind bleibende Schäden und auch Todesfälle möglich. Die FSME lässt sich mit Antibiotika nicht behandeln, aber mit einer Schutzimpfung verhüten.

6 Tipps zum Schutz vor Zecken

  1. Orte mit Zecken meiden
  2. Körperbedeckende Kleidung tragen
  3. Zeckenschutzmittel verwenden
  4. Körper und Kleider nach Zecken absuchen. Nach Zeckenstich: Zecke rasch entfernen. Zecke direkt über der Haut mit Pinzette oder Zeckenzange fassen und senkrecht herausziehen.
  5. Sich gegen FSME impfen lassen
  6. Bei Krankheitsanzeichen den Arzt aufsuchen

 

Hier   finden Sie Informationsbroschüren und eine Zeckenlandkarte des Bundes.

Impfen

Das BAG empfiehlt die Impfung gegen FSME für alle Erwachsenen sowie Kinder ab sechs Jahren, die in einem Risikogebiet (alle Kantone ausser Genf und Tessin) wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten. Die Situation von Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren muss individuell geprüft werden. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, die sich nicht in den Lebensräumen der Zecken bewegen (vor allem Wälder, Hecken sowie Weiden mit hohem Gras oder Büschen, unterhalb von 2000 Metern über Meer). Nach der Grundimpfung (drei Injektionen) ist eine Auffrischimpfung nach zehn Jahren empfohlen. Ist die Impfung aus beruflichen Gründen nötig (Waldarbeiter, Förster und Landwirte), muss der Arbeitgebende die Kosten übernehmen.

Schützen

Vor Zeckenstichen ist vor allem im Frühling und im Herbst Vorsicht geboten. Um sich zu schützen, sollte man folgende Orte meiden: Wald und Wegränder, Gestrüpp und Unterholz, Gräser und Farne. Geschlossene und körperbedeckende Kleider beugen Stichen vor. Auf hellen Kleidern sind Zecken besser zu erkennen und können entfernt werden, bevor sie auf die Haut gelangen. Ein Zeckenschutzmittel auf Haut und Kleidern bietet zusätzlichen Schutz gegen Stiche.

Entfernen

Kommt es dennoch zu einem Zeckenstich, muss die Zecke möglichst schnell entfernt werden. Das kann vor einer Erkrankung schützen. Je länger eine Zecke Blut saugt, desto grösser ist das Risiko, dass ein Krankheitserreger übertragen wird. Nach einem Aufenthalt an Orten mit möglichem Zeckenkontakt müssen am selben Tag der ganze Körper und die Kleider nach Zecken abgesucht werden. Besonders häufig stechen Zecken in den Kniekehlen, Leisten und Achselhöhlen, bei Kindern auch im Bereich des Kopfhaars.
Wenn nach einem Zeckenstich Anzeichen auftreten, die an eine Borreliose oder eine FSME denken lassen, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Wer bezahlt bei einem Zeckenstich?

Das Gesetz umschreibt den Unfallbegriff als plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. Ein Zeckenstich erfüllt die verlangten Kriterien und wird deshalb von den Unfallversicherern als Unfall eingestuft (Hautverletzung mit Infektionsrisiko). Die Kosten werden somit durch den Unfallversicherer getragen.