Dieter Höfler

Wiedereingliederung: So kehrt der Pechvogel zurück an den Arbeitsplatz

Simone Isermann,

Kurz hintereinander zog sich Dieter Höfler eine Knieverletzung und schwere Verbrennungen zu. Heute arbeitet er wieder zu 100 Prozent. Dank seiner Arbeitgeberin, der Suva und sich selbst.

Dieter Höfler, Wiedereingliederung
Dieter Höfler arbeitet nach seiner Wiedereingliederung jetzt im Büro der Kiesfabrik.

Radio-Wunschkonzert für Verunfallte und Erkrankte

Kennen Sie jemanden, der einen Unfall hatte und aktuell nicht seiner Arbeit nachgehen kann? Zeigen Sie Ihrem Arbeitskollegen oder Ihrer Mitarbeiterin, dass Sie an ihn oder sie denken. Widmen Sie noch bis am 13. Dezember einen Song mit persönlicher Grussbotschaft im Suva Radio-Wunschkonzert  .
Denn: Je mehr Unterstützung ein Verunfallter von seinem Umfeld erhält, desto grösser sind seine Chancen auf Heilung und Wiedereingliederung.

Ein Unglück kommt selten allein. Wenn es ein passendes Beispiel für dieses Sprichwort gibt, so ist es die Geschichte von Dieter Höfler. Die Pechsträhne des heute 45-Jährigen begann an einem Freitag im April 2016. Nach Feierabend wollte der passionierte Heimwerker in seinem Garten einen neuen Holzspalter in Betrieb nehmen. Aufgrund eines Missgeschicks krachte die Maschine zu Boden und streifte Höfler dabei so blöd, dass er auf dem Boden aufschlug, wodurch ein Stück von Höflers Kniescheibe wegbrach. Ab ins Spital. 

Nach dem Unfall kam eine Infektion im Knie dazu

Rund drei Monate nach seiner Operation nahm der Deutsche seine Arbeit als Leiter des Kieswerks Wil ZH der Toggenburger AG wieder auf. Doch die Freude über die Rückkehr war von kurzer Dauer. «Nach einigen Wochen plagten mich auf einmal heftige Schmerzen im Bein.» Einige Arzttermine später war klar: Höfler hatte sich eine Infektion zugezogen – möglicherweise bei der Operation im Frühling. Die daraus resultierende Entzündung wiegte so schwer, dass sein Kniegelenk nie richtig verheilte. Nach verschiedenen erfolglosen Eingriffen sahen die Ärzte nur eine Option: Höfler liess sich im November 2017 einen Spenderknochen ins Knie schrauben. Kaum vom Spital nachhause gekommen, wartete jedoch schon das nächste Unglück. 

Nach dem ersten Unfall folgte der zweite  

An einem frostigen Wintertag stellte Höfler fest, dass sich in seiner Holzheizung im Keller Rauch entwickelte. Um der Sache auf den Grund zu gehen, öffnete er die Tür zur Heizung – mit verheerenden Folgen. «Kaum war die Tür offen, schoss mir eine gewaltige Stichflamme entgegen.» Höfler, dessen Jogginghose sofort Feuer fing, warf instinktiv die Krücken zur Seite und hechtete raus ins Freie. Obwohl er sich Sekunden später im Schnee abkühlen konnte, zog er sich an den Händen und Beinen schwere Verbrennungen des ersten bis dritten Grades zu. Schon wieder hiess es: Ab ins Spital.  

Die Wiedereingliederung   ist ein Schlüsselanliegen der Suva. Verunfallte, Arbeitgeber, die Familie Freunde sowie Ärzte können eine Wiedereingliederung positiv beeinflussen. Mit dem Case Management betreut die Suva Personen, die wegen eines Unfalls nicht an den bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren können.

Schwere Verbrennungen und mehrere Hauttransplantationen

In einer auf Verbrennungen spezialisierten Klinik in Ludwigshafen musste sich Höfler über die Weihnachtstage mehreren Hauttransplantationen unterziehen lassen. Nach Abschluss der Operationen wurde der Schmerz jedoch nicht kleiner – im Gegenteil. «Ich musste mir jeden zweiten Tag unter Vollnarkose die Verbände an den Beinen und Armen wechseln lassen», berichtet Höfler. «Ohne Betäubung wäre dies nicht auszuhalten gewesen.» Schmerzhaft war für den Unglücksraben aber nicht nur die körperliche Verarbeitung des jüngsten Ereignisses. «Noch Wochen nach dem Unfall sah ich immer wieder die Flamme und meinen brennenden Körper vor mir.» Er sei froh gewesen um die psychologische Betreuung. 

Die Hoffnung auf eine Wiedereingliederung stieg in der Reha 

Am 25. Januar 2018 wendete sich das Blatt für Dieter Höfler endlich zum Guten. «Der Eintritt in die Suva-Rehaklinik in Bellikon war das Beste, was mir passieren konnte.» Trainingseinheiten für das Knie, Therapien für die Verbrennungen, Besprechungen betreffend seiner Wiedereingliederung in den Beruf: «Meine Tage waren von früh bis spät ausgebucht. Ich spürte, wie ich jeden Tag Fortschritte machte.» Motivationsprobleme hatte Höfler keine – ganz im Gegenteil. «Mein grosses Ziel war es, spätestens am 27. Februar daheim zu sein.» Obwohl die Ärzte und Therapeutinnen diesen Wunsch als unrealistisch deklarierten, schaffte er es – und feierte somit seinen Geburtstag zuhause mit der Familie.  

Arbeitgeberin holt ihn zurück an den Arbeitsplatz 

Grossen Support erfuhr Dieter Höfler von seiner Frau und seinen Kindern, aber auch von seiner Arbeitgeberin. «Für uns war deshalb stets klar, dass wir unser Möglichstes tun würden, um 'Didi' zurückzuholen», betont Doris Spühler, Leiterin Personaldienst der Toggenburger AG. Unterstützt wurden das Familienunternehmen und der Verunfallte dabei von der Suva. «Die zuständige Case Managerin übernahm eine wichtige Drehscheibenfunktion und kümmerte sich unkompliziert um sämtliche organisatorische Belange», sagt Spühler.  

Wir unterstützen Betriebe bei der Wiedereingliederung von Verunfallten  . Auch finanziell. 

Wiedereingliederung gelingt: vom Werkleiter zum Maschinist 

«Ich vermisste meine Arbeit sehr und bin froh, dass heute fast wieder alles beim Alten ist», sagt Dieter Höfler. «Fast» deshalb, weil er seit seiner Rückkehr in einer neuen Funktion für die Toggenburger AG tätig ist. Die körperlich anspruchsvolle Arbeit des Werkmeisters kann er nicht mehr ausüben. Als Werkmaschinist hat er neu einen Arbeitsplatz im Büro des Kieswerks. In diese Funktion ist er unter anderem dafür verantwortlich, dass zur richtigen Zeit die richtige Menge Kies verladen und ausgeliefert wird. «Natürlich fehlt mir mein alter Job manchmal – aber in erster Linie bin ich froh, dass ich wieder hier sein darf.» Seit 17 Jahren arbeitet er nun schon für die Toggenburger AG. 

Nach dem Unfall geht es bergauf 

Gesundheitlich geht es Dieter Höfler heute wieder gut. Zwar ist das Knie nach wie vor sehr sensibel, und auch seine Haut ist infolge der Verbrennungen heute viel empfindlicher. «Doch damit kann ich gut umgehen.» Er sei dankbar, dass nach den vergangenen schwierigen Jahren doch noch alles eine positive Wende genommen hat. «Eigentlich bin ich ein Glückspilz.» Und das soll nun auch so bleiben. Er betont: «Ins Krankenhaus will ich nicht so schnell wieder!» 

Zusammenarbeitsvereinbarung für eine rasche Rückkehr an den Arbeitsplatz

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Ärzteschaft und Sozialversicherungen fördert die raschere Rückkehr verunfallter Personen an den Arbeitsplatz. Zusammenarbeitsvereinbarungen regeln dafür den partnerschaftlichen Umgang zwischen den Beteiligten. So können Sie mithelfen  .