Reden ist Gold: Gemeinsam für eine rasche Wiedereingliederung

Simone Isermann,

Kurt Jäggi, Leiter Human Resources der Glutz AG in Solothurn, spricht im Interview über die Erfolgsfaktoren eines erfolgreichen Wiedereinstieg in die Arbeit nach einem Unfall oder einer längeren Krankheit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mission der Suva ist die Verhinderung und Verminderung von Unfällen und Berufskrankheiten. Der Mensch steht dabei immer im Zentrum.
  • Als Familienunternehmen hat die betriebliche Wiedereingliederung von verunfallten oder erkrankten Arbeitnehmenden für die Glutz AG einen hohen Stellwert.
  • Für eine erfolgreiche und möglichst rasche Reintegration in den Alltag und ins Arbeitsleben ist ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten wichtig.
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Kurt Jäggi, Leiter Human Resources der Glutz AG  

Studien sprechen eine klare Sprache: Nach einer sechsmonatigen Arbeitsunfähigkeit sinken die Wiedereingliederungschancen von verunfallten oder erkrankten Mitarbeitenden um die Hälfte. Deshalb ist es entscheidend, dass die Betroffenen möglichst rasch wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Für eine erfolgreiche Reintegration müssen alle Beteiligten, insbesondere Ärzte, Arbeitgeber und Sozialversicherer eng zusammenarbeiten. Um einen koordinierten und konstruktiven Austausch zu schaffen, gibt es in verschiedenen Schweizer Kantonen eine «Zusammenarbeitsvereinbarung», die verbindlich ist.

Auf Initiative der Suva verpflichten sich alle Akteure, die rasche und gesicherte Wiedereingliederung von Erkrankten oder Verunfallten in den Arbeitsprozess zu fördern.

Kurt Jäggi ist seit rund 25 Jahren als Leiter Human Resources bei der Glutz AG tätig und ist ebenso lange im Vorstand des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung und seine Firma und ihre Angestellten profitierten auch schon von dieser Zusammenarbeitsvereinbarung.

So können Sie mithelfen:

Für Arbeitgeber und Ärzte: Modulfilme «Zusammenarbeitsvereinbarung für eine rasche Rückkehr an den Arbeitsplatz  » 

Herr Jäggi, ein erfolgreicher Wiedereinstieg am Arbeitsplatz nach einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit ist oft schwierig. Welches sind die grössten Hürden?
In einem produzierenden Industrieunternehmen gibt es leider auch immer wieder Unfälle. Eine Wiedereingliederung nach einem Betriebs- oder Nichtbetriebsunfall ist immer wieder eine Herausforderung. Sie beginnt bereits viel früher als mit der Wiederaufnahme der Arbeit. Es ist wichtig, dass ein regelmässiger Kontakt mit den Personen stattfindet, welche längere Arbeitsunfähigkeiten haben. Dabei sind auch die direkten Vorgesetzten in der Pflicht. Auf diese Weise zeigt man gegenüber den Mitarbeitenden eine Wertschätzung, was ein Wiedereinstieg deutlich einfacher macht.

Bei einer Arbeitsunfähigkeit sitzen Betroffene, Arbeitgebende, Ärztinnen und Ärzte sowie Versicherer in einem Boot. Wer lenkt, wer hält Kurs?
Da es für alle Beteiligten wichtig ist, Personen nicht unnötig lange in der Arbeitsunfähigkeit zu halten, ist das Zusammenspiel entscheidend. Aber die Arbeitgebenden müssen sicher eine gewisse Leader-Rolle übernehmen und aktiv mit den erwähnten Personen in Kontakt treten. Es gilt dabei aufzuzeigen, in welchem Umfeld die Betroffenen sich an ihrem Arbeitsplatz befinden, um so gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Dies natürlich, ohne Druck auf die Betroffenen auszuüben.

Haben Sie ein konkretes Beispiel, an dem aufgezeigt werden kann, dass die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten Früchte trägt?
Wir hatten einen Unfall an einer Einlegepresse. Eine Person hat dabei einen Teil des Fingers verloren. Es war für sie ein Schock, auch mit dem Gedanken zu leben, dass der Finger nie mehr aussehen wird wie vorher.

Wie haben Sie reagiert?
Wie immer bei solchen Ereignissen begleiten wir die Betroffenen sehr regelmässig, sei es durch die Vorgesetzten oder durch das HR. Noch während der Heilungsphase haben wir im Geschäft die Wiedereingliederung besprochen. Dabei hat die verunfallte Person gesagt, dass sie aus Angst vor dieser Maschine nicht mehr am selben Arbeitsplatz eingesetzt werden möchte.

Hier bekommen Sie Tipps und Hilfe

Wiedereingliederung und berufliche Reintegration

Das ist verständlich. Wie konnten Sie diese Situation entschärfen?
Wir haben daraufhin Rücksprache mit der Suva und den Ärzten genommen, um einen möglichen neuen Arbeitsplatz zu definieren. Dabei stellte sich rasch heraus, dass die Beeinträchtigungen zur Ausführung einer Tätigkeit nicht gravierend sein werden. Daraufhin konnten wir der Person in einer anderen Abteilung einen Montagearbeitsplatz zur Verfügung stellen. Dies hat dann zur gewünschten Entspannung der Situation geführt.

Die Entspannung war sicher spürbar. Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend, dass die Rückkehr in den Arbeitsalltag gelang?
Ich sehe zwei Punkte. Erstens: Der Vorgesetzte hat rasch das HR über die grundsätzliche Situation informiert. Somit konnte in Absprache mit allen Beteiligten der Wiedereingliederungsprozess aufgenommen werden. Zweitens: Alle Beteiligten haben sich an einen Tisch gesetzt und gemeinsam die Wiedereingliederung besprochen, ohne dass Druck auf die verunfallte Person ausgeübt wurde.

Wäre das ohne die Zusammenarbeit der Beteiligten auch so möglich gewesen?
Nicht in diesem Tempo. Ohne diese Zusammenarbeit hätte es im schlimmsten Fall zu einer Invalidität führen können, was nicht wünschenswert gewesen wäre.

Was hat sich konkret in der Zusammenarbeit zwischen Ihnen, den Versicherungen, den Patienten und den Ärztinnen und Ärzten, die früher oft im Brennpunkt standen, geändert?
Früher war die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und den Arbeitgebenden oft angespannt. Die Ärzte hatten das Gefühl, dass die Arbeitgebenden die Mitarbeitenden möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz holen wollten. Umgekehrt ärgerten sich die Arbeitgebenden, dass sich die Ärzte immer auf ihr Arztgeheimnis beriefen und so jeglichen Austausch verhinderten. Nun hat sich in vielen Fällen diese Situation entspannt und es werden konstruktive Lösungen gesucht, ohne dass das Arztgeheimnis verletzt wird.

Als Personalverantwortlicher sind Sie ganz nah am Geschehen. Was empfehlen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen?
Wir haben in der Region Solothurn einen regen Austausch zwischen den HR-Verantwortlichen, wo wir uns natürlich auch über solche Themen unterhalten. Der entscheidende Punkt die Kommunikation mit den beteiligten Stellen. Je schneller man reagiert, desto grösser ist die Chance für eine erfolgreiche Wiedereingliederung am Arbeitsplatz.

 

Das Interview wurde von Simone Leitner Fischer, Wirtschaftsflash Solothurn, geführt.

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