Schädel-Hirn-Trauma: «Viele Engel halfen mir zurück ins Leben»

Regula Müller,

Mit 20 Jahren verunfallte Nico Kapp bei einem Autounfall. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zwang ihn zu vielen Jahren der Rehabilitation.

Vor dem Start des Medizinstudiums jobbte Nico Kapp (25) als Flugbegleiter bei der Swiss. Mit seinen 20 Jahren wohnte er währenddessen noch bei seinen Eltern in Deutschland und pendelte mit dem Auto zwischen Zürich und Freiburg hin und her. «Ich kam an diesem Tag von einem privaten Gesangsauftritt», erinnert sich Kapp. «Leicht gestresst wollte ich schnellstmöglich nach Zürich zum Briefing für einen Flug nach Singapur gelangen.» Bei einem Überholmanöver knallte ein entgegenkommendes Fahrzeug in seine Fahrerseite. 

Viele Brüche und ein Schädel-Hirn-Trauma

Beim Unfall verletzten sich seine Mitfahrerinnen nur leicht und auch der Fahrer im anderen Auto blieb weitestgehend unverletzt. Kapp hingegen riss sich die Milz, brach sich das Schlüsselbein, eine Rippe und drei Halswirbel. Auch das Becken war dreifach gebrochen. Weit schlimmer aber war sein Schädel-Hirn-Trauma. «Die Ärztinnen und Ärzte machten meinen Eltern keine Hoffnungen. Ich würde – wenn überhaupt – als Pflegefall aus dem Koma erwachen.» Drei Monate später sollte sich diese Befürchtung nicht bewahrheiten. Nach einiger Zeit im Wachkoma kam der Übertritt zum wachen Zustand. «Ich konnte aber weder aufsitzen noch reden oder essen.» 

Viele Monate Rehabilitation

Zum gleichen Zeitpunkt realisierten Kapps Eltern, dass ihr Sohn durch seine Arbeitgeberin, der Swiss, bei der Suva versichert ist. Bald darauf kam der Kontakt zum Case Manger, Josef Anderrüti, zustande. Ihm ist die Zeit nach dem Unfall noch sehr präsent: «Ich kann mich gut an das erste Gespräch zu Beginn der Rehabilitation mit den Ärztinnen und Therapeuten sowie den Eltern von Nico erinnern. Die Eltern waren sehr betroffen und aufgelöst. Denn die Zukunft ihres Sohnes war zu diesem Zeitpunkt offen in alle Richtungen.» Für die Rehabilitation wurde Kapp in das REHAB Basel, Klinik für Neurorehabilitation und Paraplegiologie, überwiesen.

Der Traum vom Medizinstudium ist geplatzt. Aber verunfallten Menschen kann ich auch bei der Suva helfen.

Nico Kapp (25)

Zurück ins Leben

«Gemeinsam mit den Eltern haben wir nach einer Arbeitstätigkeit im geschützten Rahmen gesucht», so Anderrüti weiter. Bald darauf zeichnete sich allerdings einen positiven Genesungsverlauf ab. Kapp ist überzeugt: «Ich wollte mit aller Kraft ein selbstständiges Leben zurückbekommen. Dieser unbedingte Wille half, dass ich täglich Fortschritte machte.» Dieser Eindruck teilt Anderrüti und ergänzt: «Wenn der Wille Berge versetzen kann, so hat er dies in seinem Fall tatsächlich getan.» 
Hilfreich für die Rehabilitation war wohl auch, der trainierte Körper von Kapp. Vor dem Unfall war er aktiver Turniertänzer. Sein ehemaliger Trainer war es auch, der ihm nach dem Unfall kostenlosen Unterricht erteilte – selbst als er noch im Rollstuhl sass. «Neben den Therapien in der Reha, hat mir das sehr geholfen», sagt Kapp. «Überhaupt hatte ich viele Engel, die mich in meinen schwersten Zeiten unterstützten.» Kapps Mutter beispielsweise besuchte ihn täglich in der Reha – die ganzen neun Monate. Es folgten 14 Monate ambulante Therapien in der Tagesklinik in Basel. Während diesen durfte Kapp in der Wohnung seines damaligen Partners leben. «Ich bin so dankbar, dass ich diese Eltern, diese Familie und dieses Umfeld habe.» 

Wiedereingliederung bei der Suva

Dasselbe empfindet Kapp für die Suva. Mangels einer Erstausbildung hatte er keinen Anspruch auf eine Umschulung durch die Invalidenversicherung (IV). Dennoch übernahm die Sozialversicherung das Aufbautraining im Bürobereich, welches Kapp in einer Institution in Basel absolvieren konnte. Dieses Training verlief vielversprechend. «Nico äusserte immer wieder den Wunsch, eine Ausbildung bei der Suva absolvieren zu wollen», so Anderrüti. «Da machte ich ihm die 18-monatige Ausbildung zum Versicherungsassistenten schmackhaft.» Kapp hat diese Chance gepackt, die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ab dem 1.2.2022 bekommt er einen unbefristeten Vertrag bei der Suva Agentur in Basel. «Ich wollte der Suva unbedingt etwas zurückgeben, nachdem sie so viel für mich tat», begründet Kapp seinen Weg. «Der Traum vom Medizinstudium ist geplatzt. Aber verunfallten Menschen kann ich auch bei der Suva helfen.»

Unser Einsatz für die Rückkehr von Verunfallten

Die Suva vereint Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Nach einem Unfall begleitet und unterstützt die Suva die Betroffenen auf ihrem Weg zur Rehabilitation  . Verunfallte haben bessere Chancen auf Heilung und Wiedereingliederung, wenn sie frühzeitig und kompetent betreut werden. Nicht nur von uns, sondern auch von ihrem gesamten Umfeld.