Handwerker mit Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz an einer Absturzkante auf einem Dach.

Ausbildung für das Arbeiten mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz

  • Die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSA gegen Absturz, PSAgA) darf nur dann eingesetzt werden, wenn ein Kollektivschutz technisch nicht möglich ist.
  • Der Einsatz der PSA gegen Absturz (Arbeiten im Anseilschutz) gilt als «Arbeit mit besonderen Gefahren». Deshalb ist eine Ausbildung notwendig.
  • Der Ausbildungsnachweis ist auf Verlangen vorzuweisen.
  • Jugendliche dürfen keine Arbeiten ausführen, bei denen eine Absturzsicherung nötig ist.

Grundsätze

  • Der Kollektivschutz – Fassadengerüste, Seitenschutz, Auffangnetze usw. – hat absoluten Vorrang. Setzen Sie die PSA gegen Absturz nur ein, wenn ein Kollektivschutz technisch nicht möglich ist.
  • Arbeiten mit der PSA gegen Absturz werden ausschliesslich durch nachweislich ausgebildetes Personal ausgeführt (VUV Art. 5 und 8).
  • Betriebe, die Arbeiten mit Anseilschutz durchführen, müssen eine ins Seil abgestürzte Person innert 10 bis 20 Minuten mit Mitteln vor Ort retten können.
  • Jugendlichen unter 18 Jahren ist es nicht erlaubt, Arbeiten im Anseilschutz auszuführen. Ausgenommen sind Jugendliche in Berufsausbildung mit definierter Ausnahme in der betreffenden Bildungsverordnung.

Erforderliche Ausbildung

Grundausbildung mit praxisorientierten Anwendungen für Arbeiten mit PSA gegen Absturz (Mindestdauer: 1 Tag)

Nachweislich qualifizierte Ausbildungsperson mit vertieften Fach- und Sachkenntnissen, die in der Lage ist, Rettungen in Übungs- und Realsituationen sicher auszuführen.

Die aufgeführten Lerninhalte und Kompetenzen sind Bestandteil einer minimalen Grundausbildung zum Arbeiten mit PSA gegen Absturz (PSAgA). Im Zentrum der Ausbildung steht die praktische Befähigung zum sicheren Einsatz von PSAgA unter Berücksichtigung der gegebenen Rand- und Einsatzbedingungen. Erfahrungsgemäss dauert eine Grundausbildung im Minimum etwa einen Tag (8 Lektionen). Die Ausbildung und deren Inhalte sind zu dokumentieren.

Mitarbeitende, die bereits Erfahrung im Arbeiten mit dem Anseilschutz haben, sind auf ihre Fachkompetenz zu prüfen und ergänzend zu schulen.

Lerninhalte

Theorie:

  • Gesetzliche Grundlagen Schweiz; UVG, BauAV, VUV (TOP-Prinzip, Kollektivschutzmassnahmen, Verwendung und Wartung gemäss Herstellerangaben, Rettungskonzept, keine Alleinarbeit)
  • Ausrüstung: relevante PSAgA (Schutzhelm mit Kinnband, Auffanggurt/Komplettgurt, Verbindungsmittel, Karabiner, Höhensicherungsgerät (HSG) usw.)
  • PSAgA korrekt anziehen und anpassen
  • Regeln zu Lagerung und Kontrolle der PSAgA vor dem Einsatz
  • Bedeutung von Produktnormen; PSAgA, Anschlageinrichtungen, EN-Normen, CE-Kennzeichnung
  • Sturzmechanismen (Pendelsturzgefahr, Sturz aus Arbeitshaltung, Sturzraum)
  • STOPP! bei Gefahr (Inhalt der lebenswichtigen Regeln zum Arbeiten mit Anseilschutz)

Praxis:

  • Hängeversuch zu «Hängetrauma» (Hänge-Intoxikation)
  • Systempriorisierung (1. Rückhalte-, 2. Positionierungs-, 3. Auffangsystem) mit Berücksichtigung der Bedürfnisse der Teilnehmer
  • Sturzphysik mit praktischen Versuchen zu: Fangstoss, Schlaffseil und Pendelsturz
  • Situations- und Sicherheitsparcours: richtig/falsch-Situationen, Arbeitsvorbereitung, Gefährdungsermittlung, Anschlageinrichtungen
  • Steigschutzsysteme, permanente und/oder temporäre Systeme
  • Einfache Rettung nach unten
  • Zusätzliche mögliche Arbeitssituationen:
    - Arbeiten in der Tiefe mit PSAgA
    - Arbeiten auf Bäumen mit Arbeitsplatzpositionierung
    - Arbeiten auf Leitern
    - Arbeiten in Arbeitskörben usw.
Kompetenzen 

Theorie:

  • Wissen, wann Massnahmen gegen Absturz erforderlich sind.
  • Die lebenswichtigen Regeln zum Arbeiten mit Anseilschutz kennen - Stopp bei Gefahr!
  • Spezifische Gefahren beim Arbeiten mit der PSAgA kennen
  • Mögliche Kräfte bei einem Sturz in die PSAgA auf Körper und Einrichtungen kennen.

Das Erlernte wird mit einer Lernzielkontrolle überprüft.

Praxis:

  • Geeignete und ungeeignete Grundausrüstung unterscheiden (Sichtkontrolle vor dem Einsatz).
  • Geeignete und ungeeignete Anschlageinrichtungen unterscheiden.
  • Standardausrüstung korrekt und vollständig anziehen und verwenden.
  • Steigschutzsysteme korrekt verwenden.
  • Einfache Rettung nach unten mit vorbereiteten Mitteln ausführen.
  • Einfache Arbeiten mit PSAgA vorbereiten und ausführen.

Für das Sichern von Personen in Arbeitskörben (zum Beispiel Hubarbeitsbühne, Befahranlage) genügt eine Instruktion in der Verwendung von Auffanggurt und definiertem Verbindungsmittel, sofern der Korb nicht verlassen werden muss (Rückhaltesystem). Personen, die Hubarbeitsbühnen bedienen, müssen in deren sicheren Verwendung ausgebildet sein.

Ausbildungsnachweis Arbeiten mit PSAgA

Ein Ausbildungsnachweis muss auf Verlangen verfügbar sein. Darin festgehalten sind Ausbildungsbezeichnung, -Inhalt und -Dauer, Datum, Ausbildungsstätte und Ausbildner.

Weiterbildungen und Wiederholungskurse

  • Rettung von abgestürzten Personen
  • Planung von Anschlageinrichtungen/projektspezifischen Systemen
  • Erstellen von projektspezifischen Sicherheits­ und Rettungskonzepten
  • Sachkundiger «Kontrolle PSA gegen Absturz»

Auskunft

  • Suva, Bau
  • Rösslimattstrasse 39
    6005 Luzern

Rechtsgrundlagen (Gesetze, Verordnungen) und technisches Regelwerk

  • Verordnung über die Unfallverhütung Art. 5  Persönliche Schutzausrüstungen
  • Verordnung über die Unfallverhütung Art. 8  Vorkehren bei Arbeiten mit besonderen Gefahren