Gehirnerschütterung – alles andere als harmlos

Jean-Luc Alt, Beat Eggel,

Gewisse Sportarten erhöhen das Risiko von Gehirnerschütterungen. Falsch diagnostiziert oder schlecht behandelt kann so eine Verletzung das Leben eines Sportlers unerträglich machen.

Zu den Sportarten, bei denen es relativ häufig zu Gehirnerschütterungen kommt, zählen Kontakt- und Ballsportarten sowie Geschwindigkeitssport. Viele Menschen unterschätzen die Auswirkungen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas. Die Folgen einer Gehirnerschütterung können jedoch so gravierend sein, dass ein Sportler seinen Lieblingssport aufgeben muss. Wir haben mit zwei Ärzten der Clinique romande de réadaptation (CRR) in Sion über das Thema gesprochen.

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Dr. Yan Eggel, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation.

Herr Eggel, was sind die Anzeichen und Symptome einer Gehirnerschütterung?


Die klinischen Anzeichen, die bei einem Opfer einer Gehirnerschütterung beobachtet werden können, sind insbesondere: Verlust des Bewusstseins oder der Reaktionsfähigkeit, motorische Koordinationsstörungen, Verlust des Gleichgewichts, Orientierungslosigkeit oder Verwirrung und Gedächtnisverlust.

Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten. Eine Gehirnerschütterung kann sich jedoch auch durch andere Symptome manifestieren. So zum Beispiel durch Druckgefühle im Schädel, durch Hals- und Nackenschmerzen, durch Übelkeit sowie durch Erbrechen oder Schwindelgefühle. Nicht jeder, der eine Gehirnerschütterung hat, verliert das Bewusstsein.


Was sind die Folgen einer Gehirnerschütterung?


Eine Person mit einer Gehirnerschütterung kann zahlreiche und in ihrer Intensität variierende Anzeichen und Symptome haben. In den meisten Fällen dauern die Symptome nicht länger als zwei Wochen und bei Kindern bis zu einem Monat an. Bei etwa 10 Prozent der Menschen halten die Symptome noch länger an.

Die langfristigen Folgen von Gehirnerschütterungen, vor allem wiederholte Erschütterungen im Laufe des Lebens, sind leider immer noch wenig bekannt. Es wird vermutet, dass Gehirnerschütterungen die Entwicklung von chronischen posttraumatischen Enzephalopathien oder Depressionen begünstigen, aber dies ist in der medizinischen Literatur nicht eindeutig nachgewiesen.


Was gilt es bei Verdacht auf Gehirnerschütterung zu tun?


Zuallererst müssen die Warnzeichen erkannt werden, die eine sofortige medizinische Beurteilung und einen Transport in die Notaufnahme erfordern, um eine strukturelle Läsion auszuschliessen: Hals- und Nackenschmerzen, Verwirrung oder zunehmende Gereiztheit, wiederholtes Erbrechen, epileptische Anfälle oder Krämpfe, Schwäche, Kribbeln oder Brennen in den Armen oder Beinen, Verschlechterung des Bewusstseinszustands und so weiter.

Bei Verdacht ohne Warnsignale muss die Person sofort aus dem Sport oder aus der beruflichen Tätigkeit herausgenommen werden.Eine Ruhephase von 24 bis 48 Stunden ist notwendig und eine Beurteilung durch den Hausarzt sollte in diesem Zeitraum durchgeführt werden. Während der ersten 48 Stunden sollte die Person nicht allein gelassen werden, keinen Alkohol konsumieren und auch kein Fahrzeug führen, da sich die Symptome schnell ändern können.

Dr. Pierre-Etienne Fournier, Teamarzt Schweizer Nationalmannschaft, Arzt

Dr. Pierre-Étienne Fournier, Leiter Sportmedizin an der CRR und Arzt der Fussballnationalmannschaft.

Herr Fournier, was sind die Hauptursachen von Gehirnerschütterungen und welche Sportarten sind hiervon am stärksten betroffen?


Gehirnerschütterungen sind hauptsächlich das Ergebnis von Stürzen, Kollisionen oder Kontakt mit Gegnern. Die Sportarten, in denen die meisten Gehirnerschütterungen auftreten, sind jene mit Geschwindigkeit (Motorsport, Skifahren, Velo, Mountainbike), Kontaktsportarten (Eishockey, Fussball, Basketball, Handball) und Sportarten mit Sturzgefahr (Gymnastik, Eiskunstlauf).


Ist es möglich, sich bei der Ausübung der Sportart zu schützen, und wenn ja, wie?


Die wichtigste Art, um eine Gehirnerschütterung bei der Ausübung von Mannschaftssportarten zu vermeiden, bleibt die Achtung der Spielregeln (z.B. Ellenbogenschlag im Fussball), angemessene Ausrüstung (Grösse des Balls, Luftdruck) in Abhängigkeit vom Alter der Junioren im Fussball, richtige Technik (wie macht man einen Kopfball). Für andere Sportarten wie Eishockey, American Football oder Radsport, reduziert der Helm die Wucht des Aufpralls.


Welche Präventionsbotschaft möchten Sie den Athleten weitergeben?


Um eine Gehirnerschütterung zu vermeiden, muss man über eine der Sportart angemessene Ausrüstung verfügen und diese verwenden. Dies ist die Grundlage. Dann muss die Technik trainiert werden.

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung muss die Ausübung des Sports unterbrochen und der Athlet überwacht werden. Im Zweifelsfall muss eine ärztliche Konsultation erfolgen.