Darum sind Knieverletzungen so häufig

Jörg Rothweiler,

Die Skisaison läuft – und Chirurgen haben wieder Hochsaison. Besonders häufig sind Knieverletzungen wie Meniskus- oder Bänderverletzungen. Schützen Sie ihre Knie – beim Sport, aber auch bei der Arbeit.

Das Kniegelenk ermöglicht es uns, die Beine zu strecken und zu beugen, dank ihm können wir gehen, laufen, sitzen, kauern, knien, uns niederlegen, wieder aufstehen, kriechen, die Beine überschlagen oder im Schneidersitz verweilen. Dabei belasten wir die Kniegelenke nahezu 24 Stunden am Tag, selbst beim Sitzen oder Ruhen, mit dem bis zum Sechsfachen unseres Körpergewichts. Selbst das grösste Gelenk des Menschen kann dabei Schaden nehmen, wie ein Blick in die Schweizer Unfallstatistik beweist.

Das Knie ist verletzlich

Diese zählt jährlich rund 71 500 Knieverletzungen. 53 500 bei Freizeitunfällen, 18 000 bei Berufsunfällen. Gesamtkosten für die Unfallversicherer: rund 600 Millionen Franken pro Jahr. Besonders häufig sind Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen inklusive Muskel-, Sehnenund Meniskusverletzungen, gefolgt von oberflächlichen Verletzungen und Prellungen, offenen Wunden und Brüchen.

Besonders gefährlich fürs Knie sind der Wintersport und Ballspiele, vor allem Fussball. Am häufigsten Schaden nimmt das vordere Kreuzband (48 % aller Bänderschäden), aber auch das Innenband und die Menisken reagieren empfindlich auf Schläge, abrupte Lastwechsel und schnelle Drehbewegungen des Unterschenkels relativ zur Oberschenkelachse.

Tipps für gesunde Knie

Im Alltag

  1. Übergewicht reduzieren
  2. Beim Sport geprüfte Knieprotektoren tragen
  3. Sich vor dem Sport gut aufwärmen, Knie warm und trocken halten, nicht zu viel riskieren
  4. Ganzjährig knieschonenden Ausgleichssport (z. B. Radfahren, Wandern, Schwimmen) betreiben
  5. Gutes Schuhwerk tragen, um Stürze zu vermeiden


Im Berufsleben

  1. Sicher arbeiten, aufmerksam sein, Stolperfallen eliminieren und Hilfsmittel einsetzen
  2. Knieschoner anwenden - adäquat zur Art des Untergrunds 
  3. Kniende Tätigkeiten möglichst vermeiden
  4. Zwischen Knien, Sitzen und Kauern abwechseln; regelmässig aufstehen, gehen.
  5. Beim Transport von Lasten Trage- und Hebehilfen verwenden und zu zweit arbeiten

Risikofaktor Carving-Ski

Daher stieg die Zahl schwerer Knieverletzungen seit Erfindung der modernen Carving-Skier deutlich. Zwar «drehen» und beschleunigen diese begeisternd leicht. Doch sie müssen auch jederzeit konzentriert «gefahren», mit Muskelkraft auf Kurs gehalten werden. Kalte Muskeln am Morgen, beginnende Müdigkeit und nachlassende Konzentration am Nachmittag oder schlicht eine kleine Unaufmerksamkeit genügen, damit einer der Skier unkontrolliert ausbricht. Weil Oberschenkel und Oberkörper träge «am Ort» verharren, werden Bänder und Menisken maximal belastet oder überlastet – und nehmen Schaden.

Daher gilt: Aufwärmen und eine gute Vorbereitung sind ebenso Pflicht wie der Schutz der Knie gegen Überlastung, Schläge, Stösse sowie Verdrehen oder Verrenken. Beim Skifahren, beim Ballspiel – aber auch im Alltag sowie im Berufsleben.

Gesunde Knie beim Wintersport

Vor Saisonstart

  1. Regelmässige (Ski)Gymnastik übers ganze Jahr
  2. Beinmuskulatur und Gleichgewicht trainieren
  3. Ausrüstung checken (Bindung prüfen lassen)


Am Skitag

  1. Knie schützen (Protektoren), warm einpacken
  2. Vor der ersten Fahrt gründlich aufwärmen mit dem Flow  
  3. Snowboarder: Beim Fahren mit nur einem Bein in der Bindung (z.B. am Lift) besonders vorsichtig sein
  4. Regelmässig Pausen machen
  5. Aufhören, wenn Kondition nachlässt

Risikofaktor Berufsleben

Unzählige Knieschäden passieren beim Weg- oder Abgleiten – auf nassem oder gefrorenem Untergrund, auf Treppen oder auch beim Tragen von Lasten. Und wer viel im Knien, Kauern oder Hocken arbeiten muss – etwa Bodenleger-, Dachdecker-, Installations-, Gartenbau- oder Gebäudereinigungs-Fachkräfte –, hat ein besonders hohes Risiko. Knien belastet die Kniegelenke, zudem drohen auf harten, rauen Böden, oft gespickt mit spitzen Gegenständen oder verunreinigt durch toxische, ätzende oder anderweitig gefährliche Substanzen, Druck- und Schürfstellen, Schnitt- oder Stichwunden sowie Infektionen. Stundenlanges Knien, über Jahrzehnte hinweg, kann chronische Schleimbeutelentzündungen verursachen. Es bestehen zudem Hinweise, dass solche Belastungen das Kniegelenk selber schädigen können.

Gute Knieschoner

  • Sind normiert, zertifiziert und eindeutig sowie klar ersichtlich gekennzeichnet.
  • Drücken nicht, sind angenehm und bequem zu tragen sowie leicht an- und abziehbar.
  • Geben dem Knie guten Seitenhalt und doch genügend Bewegungsfreiheit.
  • Sind belüftet und gewähren eine ausreichende Feuchtigkeitsregulierung.
  • Bestehen aus weichem, dauerelastischem Material, das gut dämpft, aber auch vor Verletzungen durch scharfe und spitze Gegenstände schützt.
  • Sind gegen Kälte und Wasser isoliert und undurchlässig für chemische Stoffe.

Hinweise zur Wahl der richtigen Knieschoner