10 Open Air Survival Tipps

Caspar Türler,

Sommerzeit ist Open-Air-Zeit, die Freude auf Live-Musik im Getümmel gross. Da wird schon nichts passieren? Mit diesen Tipps bleibt der Festival-Sommer mit Sicherheit in guter Erinnerung.

Jede Exkursion verdient eine gute Vorbereitung. Selbst wenn die Exkursion «nur» ein Open Air ist - auch dies kann tückisch sein. Wir haben Expertinnen und Experten – vom Akustiker bis zum Festival-Profi – befragt, wie man solche Grossanlässe am besten «überlebt». Damit Du die Tage und Nächte unter freiem Himmel reuelos geniessen kannst.  

1. Wann, wohin, mit wem?

Es gibt Festivals für jeden Geschmack und jedes Budget. Vergleiche die Daten, Line-Ups, Kosten, deine Anreise- und Übernachtungsmöglichkeiten und frag im Kollegenkreis oder auf Plattformen, wer Lust hat, mitzukommen. Zu zweit oder mehr macht der Besuch nicht nur mehr Spass. Man kann sich auch helfen und abwechseln beim Zelte Aufbauen, Schlange stehen vor den Ständen, zusammen grillen oder chillen. In der Gruppe bist Du auch sicherer – vorausgesetzt, ihr schaut zueinander.

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2. Pfeif nicht aufs Gehör!

An Open Airs wird der Sound satt aufgedreht – aber nur im Rahmen des Erlaubten. Seit Juni 2019 gelten erweiterte Auflagen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Veranstalter von Konzerten, Open Airs und Festivals mit einer Lautstärke von über 93 dB (Dezibel) im Stundendurchschnitt sind verpflichtet, Gehörschutz gratis abzugeben. Meist sind dies günstige, grellfarbene Schaumstoffpfropfen. Sie dämmen stark und eignen sich durch ihre Charakteristik eher zu Gehörschutz bei Lärm in industrieller Umgebung (oder zum ungestört schlafen) als zum Musikgenuss. Mit den gelben Pfropfen hört man eine breiige, dumpfe Geräuschkulisse, aber immer noch besser wie gar kein Gehörschutz.

Wer Musik liebt und gesundheitsbewusst ist, ersteht am besten einen Gehörschutz mit linearer Dämmcharakteristik was zu einem klangneutralem Verhalten führt. Dank seiner gleichmässigen Schalldämmung von SNR 16 dB (im Mittel) über alle Frequenzen verfälscht er die Musik nur wenig und bietet, bei korrekter Anwendung, genügend Schutz vor hohen Schallpegeln. Ausser natürlich direkt vor den Lautsprechern.

Statt aus Vollschaumstoff besteht der klangneutrale Pfropfen aus drei vorgeformten, konischen Gummi-Lamellen, die anhand des Stöpselgriffs problemlos ins Ohr gedrückt und herausgezogen werden können. Die Suva empfiehlt ihn nicht nur Konzertgängern, sondern auch Musikern. Für Kinder eignen sich spezielle Gehörschutzkapseln (bekannt als Pamir oder Peltor), die der Kinderkopfgrösse angepasst sind. Alle erwähnten Artikel sind auf der Plattform sapros.ch unter Gehörschutz für Konzertbesucher erhältlich. 

Gute Musik hat nichts mit Lautstärke zu tun

Verschiedene Experten, vom Akustiker über die Tontechnikerin bis zum Produzenten erklären, wie knackiger Sound entsteht - auch auf kleinen Bühnen.

Wann ist es zu laut?

Faustregel: Wenn Du Dich mit jemandem, der 1m von Dir entfernt ist, nicht mehr normal unterhalten kannst. 

Alarmsignale des Gehörs:

Wenn Du nach einem Konzert das Gefühl von «Watte in den Ohren» hast oder vorübergehend noch Pfeifgeräusche hörst, sind das Indizien für eine Überbelastung des Gehörs. Verschwinden diese Symptome nicht innert 24 Stunden, solltest Du unbedingt einen Ohrenarzt aufsuchen!
Weitere Informationen: Gehörschutzmittel für Musiker und Besucher von Musikveranstaltungen  .

 

3. Wertsachen (ver-)sichern

Für Portemonnaie, Handy, Selfiestick, Ladekabel, Sonnen- und Wetterschutz sowie Getränke und Snacks ist ein kleiner Rucksack/Turn-Stoffsack oder ein grosser Hüftbeutel ideal. Im Gedränge schnallst Du sie einfach vor den Bauch, damit Du alles im Blick hast. Erstelle zuhause eine Sicherungskopie der wichtigsten Handy-Daten, Musik, Kontakte und Fotos für den Fall, dass Dir dein Mobiltelefon kaputtgeht oder abhandenkommt. Wer keine Diebstahl- oder Hausratsdeckung hat, kann für die Festival-Saison bei vielen Versicherern eine Police abschliessen, die je nach dem auch Schäden durch Naturereignisse miteinschliesst.

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4. Sonne, Regen und Schlamm

An einem Open Air bist Du, wie der Name sagt, dem Wetter ausgeliefert, solange Du nicht unter einem Dach oder Zelt stehst. Um Dir weder Sonnenbrand noch Erkältung zu holen, hast Du am besten eine zusammenfaltbare, leichte Jacke, Sonnencrème mit hohem Schutzfaktor und eine Kopfbedeckung dabei. Dazu im Zelt Ersatzkleider, am besten in Plastiksäcke verpackt – aus Erfahrung sucht die Nässe das Trockene! Erstaunlich: auch bei bewölktem Himmel kann die Haut sich röten.

Das einfachste Mittel, um abzukühlen, ist, in den Schatten zu stehen und viel zu trinken. Wenn das nicht geht – zum Beispiel in der Masse vor der Bühne – benutze einen Wassersprüher, wie Du ihn für Zimmerpflanzen kennst, um Kopf und Haut zu netzen.

Anders gesagt: für UV-Schäden muss es nicht heiss sein.
Mehr dazu in unserem Flyer «Sonnenschutz: das Wichtigste in Kürze»  sowie die Seite «Sonne, Hitze, UV-Strahlen und Ozon»  .

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5. Bequem gehen und stehen

Das richtige Schuhwerk ist am Open Air entscheidend. Natürlich verlockt der Sommer zum Tragen von Badelatschen, Flipflops, Espadrilles oder Sandalen. Aber im Schweizer Sommer ist Regen praktisch unvermeidlich. Dann werden abgelaufene Grasstellen und Vertiefungen im Gelände zur Rutschpartie bzw. zu Schlammlöchern.
Besser trägst Du Turnschuhe oder leichte Trekkingschuhe, die Halt geben und gegen Verletzungen durch Scherben, Zeltheringe etc. schützen. Wenn deine Schuhe durchnässt sind, hilft zerknülltes Zeitungspaper, sie zu entfeuchten. Auf Nummer sicher gehst Du mit Gummistiefeln. Für Manche stellt sich das richtige OpenAir Feeling erst beim Waten durch den Matsch ein!

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6. Clever essen und trinken

Auch beim Musikhören ist die körperliche Regeneration wichtig. Gegen den Durst helfen isotonische Durstlöscher übrigens besonders gut – ebenso gegen einen Kater! Besonders, wenn Du lange in der Masse vor der Bühne hüpfst, ist die Gefahr gross, ohne Getränk einen Schwächeanfall durch zu wenig Flüssigkeit zu erleiden – pack eine Flasche und zwei Energieriegel ein.

7. Hygiene und Parasiten

Eine Packung feuchte Erfrischungstücher, Desinfizier-Flüssigkeit sowie Papiertaschentücher / Toilettenpapier sollten neben Duschmittel und Zahnputzzeug mit ins Necessaire – für alle Fälle. Dazu Tabletten gegen Kopfschmerzen, Pflaster und Salbe für kleine Verletzungen. Da Du draussen bist, ist auch ein Mückenspray empfehlenswert. Wenn Du zudem durchs hohe Gras gelaufen oder unter Bäumen gestanden bist, suche Dich nach Zecken ab und entferne sie schnellstmöglich (mit einer spitzen Pinzette). Schau dabei darauf, dass der Kopf nicht in der Bisswunde stecken bleibt. Weitere Informationen gibt’s in der Suva Zeckenbroschüre  .
Gegen andere «ungebetene Festivalbesucher» helfen im Notfall Signalpfeifen und Pfeffersprays. Letztere fallen zwar nicht unters Waffengesetz, jedoch unter das Chemikalienrecht und können deshalb nur von Personen über 18 Jahren gekauft werden.

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8. My tent is my castle

Falls Du übernachten willst: dein Zelt sollte leicht, gross genug, einfach zu montieren und natürlich wasserdicht sein. Stelle es vor Ort auf einen ebenen oder leicht abfallenden Untergrund, jedoch nie in eine Mulde, wo sich Regenwasser und Schlamm sammelt und auch nicht neben den Toi-Tois oder Gehwegen – Besucher könnten über deine Spannseile stolpern.
Profis positionieren den Zelteingang gegen Osten – weil Wind und Regen meist aus Westen kommen. Iso-Matte, Schlafsack und Taschenlampe (oder Handy-LED) verstehen sich von selbst. Per Bluetooth-Boombox sorgst Du für deinen eigenen Sound am Festival. Und mit Grill, Klappstühlen, Tisch und Zelt-Pavillon kannst Du dein Camp beliebig erweitern.

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9. Information & Strom

Informiere Dich vor und während des Festivals, was wo läuft. Sag deinen Kolleginnen und Kollegen, wo Du hingehst, auch deinen Angehörigen zuhause. Behalte dein Handy auf Empfang, lade es, wenn nötig, an einer öffentlichen Station oder mit einer mitgebrachten Powerbank. Ideal sind Solar-Ladegeräte. Sie kosten ca. 30 CHF, sind kaum grösser als ein Mobiltelefon und haben bis zu 10’000mAh Akku-Kapazität – genug, um zwei Handys zu laden, je nach Gerät sogar gleichzeitig. An grösseren Open-Airs stehen auch Ladestationen zur Verfügung. So stellst Du sicher, dass Du im Notfall telefonieren und Hilfe holen kannst.

10. Unfallsicherheit und Solidarität

Unfallprävention beginnt bei Dir selbst. Schau auf Dich – aber auch auf die anderen. Kollabiert Dein Nachbar fast vor Hitze? Ist jemand verletzt oder bestohlen worden? Hilf und hole Hilfe. Dazu solltest Du immer wissen, wo der nächste Sanitätsposten und die Festivalleitung sind. Es versteht sich von selbst, dass vor der Bühne das stärkste Gedränge herrscht – wenn es Dir unangenehm wird, geh weiter nach hinten. Bei Wolkenbruch suchst Du am besten einen Unterstand, bis der Regen vorbei ist. Halte Dich zudem über Social Media auf dem Laufenden und beachte die Durchsagen der Festivalorganisation. Wenn Du keinen Wetterschutz findest, ist auch dein Auto ein guter Fluchtort. Durch Einschalten der Warnblinkanlage signalisierst Solidarität – nämlich, dass Du noch freie Sitzplätze für andere Festivalbesucher hast. Nasse Autositze trocknen schnell – Open Air Erlebnisse bleiben in Erinnerung.