Rene Demierre

Einmal Suva, immer Suva

Während 45 Jahren prägte René Demierre die Informatik der Suva. Von Papierdossiers über Grossrechner bis hin zur Künstlichen Intelligenz hat er alle Entwicklungen hautnah miterlebt – und dabei stets sein Wissen und seine Begeisterung für Technik und Menschen eingebracht.

Inhalt

Als René Demierre am 1. August 1979 seine Lehre als kaufmännischer Angestellter in der Kreisagentur Luzern begann, war die Suva eine andere Welt: Die Hierarchien waren streng, das «Du» unüblich, die Arbeitsprozesse komplett analog. «Jeder Unfall wurde in einer Papiermappe dokumentiert. Lehrlinge waren dafür zuständig, die Korrespondenz in die richtigen Dossiers einzuordnen, den Standort im Fichensystem zu aktualisieren und die Mappen an die richtige Stelle zu bringen», erinnert sich René, als wir ihn in der Rösslimatt zum Gespräch treffen.

Besonders spannend war für den jungen Mann damals das Rechenzentrum im Erdgeschoss des Trakts B in der Fluhmatt. Dort standen riesige IBM-Grossrechner, die mit Lochkarten und Magnetbändern gefüttert wurden. «Es blinkte und piepste überall, die Kettendrucker machten einen Höllenlärm – das faszinierte mich.»

Nach seiner Lehre arbeitete René im Dreischichtbetrieb als Operator, was ihm ermöglichte, nebst der Arbeit auch seine sportlichen Leidenschaften auszuleben. Am Nachmittag trainierte er für Triathlons, während er morgens oder abends im Rechenzentrum im Einsatz stand. Nach einigen Jahren zog es ihn aus der Suva hinaus an weitere Stationen: Für kurze Zeit arbeitete er bei einer Bank, danach reiste er um die Welt. Doch nach zwei Jahren kehrte René schliesslich wieder zur Suva zurück.

Zurück im Rechenzentrum, erlebte René hautnah mit, wie die Computerwelt Fahrt aufnahm. Als die PCs in den 1990er-Jahren ihren Weg in die Suva fanden, begann auch René damit zu arbeiten. «Die Geräte waren riesig, mit 20 MB Festplatte schon Highend. Wir installierten DOS über Disketten, schulten unsere Kollegen und fuhren mit VW-Bussen voller Rechner in die Agenturen.» Seine Zweisprachigkeit erwies sich als Vorteil, denn oft war er für die Westschweizer Standorte zuständig. «Wir haben nicht nur die Geräte installiert, sondern die Menschen auch an die neue Technik herangeführt.» Mit der Eröffnung des Standorts Rösslimatt 1992 beschleunigte sich die Entwicklung: Modernere Betriebssysteme hielten Einzug, schwere PCs wurden zunehmend durch Notebooks ersetzt.

Rene Demiere_1992

Mentor für die nächste Generation

Neben seiner Arbeit war René während vier Jahrzehnten Leichtathletiktrainer. «Da war es naheliegend, auch im Job mit Jugendlichen zu arbeiten.» 20 Jahre lang hat René die IT-Lernenden mit seinem Allrounder-Wissen über die Suva geprägt und den Jugendlichen einen guten Start in die Geschäftswelt ermöglicht. Dreimal im Jahr versammelte er diese in der Rösslimatt, um sie über neue Projekte und Tools zu instruieren. «Diese Treffen waren wertvoll, weil man nicht nur Wissen weitergab, sondern auch den Teamgeist stärkte.» Mit der Pandemie wechselte die Schulung in die digitale Welt – und die MS-Teams-Sitzungen lösten die Treffen ab.

Was René in all den Jahren motiviert hat? Die Kombination aus Technik und Menschen. «Mich hat immer fasziniert, wie sich Geräte und Systeme entwickeln – und gleichzeitig, wie man die Mitarbeitenden dabei begleiten kann.» Er erlebte, wie aus einer Welt ohne Computer ein Arbeitsumfeld mit modernsten Technologien wurde. «Heute ist alles schneller, digitaler, vernetzter – aber der Kern bleibt: Man muss Freude an der Veränderung haben.» Wer René begegnet, merkt rasch: Er sprudelt vor Anekdoten. Zur Vorbereitung auf das Gespräch hat er nicht nur mehrere Seiten voller Erinnerungen niedergeschrieben, sondern auch zahlreiche Fotos aus seinem Berufsleben hervorgekramt. Es sind Zeitzeugnisse, die den Wandel der Arbeitswelt greifbar machen.

Rene Demierre

«Wichtig ist, dass wir uns weiterbilden und offen für Neues bleiben – egal ob jung oder alt.»

René Demierre

Auf zu neuen Horizonten

Renés aktuelles Projekt ist der Rollout neuer Lenovo-Notebooks in allen Agenturen, der bis Ende 2025 abgeschlossen sein soll. Es wird wohl sein letztes grosses Projekt: Im Mai 2026 verabschiedet sich René Demierre in die Pension. «Die Suva wird mir fehlen. Aber langweilig wird mir sicher nicht.» Seine Pläne für die Zeit danach sind vielfältig: Sport, Vereinsarbeit, eine grosse Weltreise, vielleicht auch Golf oder eine Harley Davidson. Und natürlich bleibt die Technik ein Thema – zu Hause beschäftigt er sich bereits intensiv mit Künstlicher Intelligenz. «Sie wird unsere Arbeitswelt massiv verändern», ist René überzeugt. «Wichtig ist, dass wir uns weiterbilden und offen für Neues bleiben – egal ob jung oder alt». Wenn René zurückblickt, sieht er eine Reise durch die Geschichte der Suva – und zugleich durch die Geschichte seines eigenen Lebens. Von Papierdossiers zu KI, von Schreibmaschinen zu Cloudlösungen, von Lehrlingsarbeiten zu Mentorenschaft. Und obwohl für René nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ist und bleibt für ihn klar: «Einmal Suva, immer Suva!»

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