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«Verletzte fehlen in drei Teams»

Adrian Knup hat für die Schweiz WM-Tore geschossen. Wegen Verletzungen durch viele harte Fouls musste er seine Karriere früh beenden. Damit andere nicht dasselbe Schicksal ereilt, kämpft er heute an zwei Fronten für mehr Fairplay und Prävention.

Mämä Sykora
08.06.2026
ca. 6 min

Inhalt

Kurz und bündig

1994 hat Adrian Knup an der WM in den USA zwei Tore gegen Rumänien geschossen. Vier Jahre später beendete er mit 29 Jahren seine Karriere. Zu viele Fouls, zu viele Verletzungen, ein Körper am Limit. 

  • Der Fussball der 90er-Jahre war härter als heute. Besonders für Stürmer, die oft Ziel von Fouls und Einschüchterung waren.
  • Erfolgsdruck und mangelndes Wissen über Prävention führten dazu, dass viele Spieler über ihre körperlichen Grenzen gingen.
  • Heute ist der Fussball fairer und sicherer.

Die Geschichte von Adrian Knup und wie er sich jetzt für Fairplay und Prävention im Fussball einsetzt, kannst Du auf dieser Seite lesen.

Als am 22. Juni 1994 Schweizer Fussballgeschichte geschrieben wird, ist Adrian Knup mittendrin. Die Schweiz, nach 28 Jahren endlich wieder an einer WM-Endrunde dabei, zündet im Pontiac Silverdome in Detroit gegen das hochlobte Rumänien um Weltstar Gheorghe Hagi ein wahres Feuerwerk. 4:1 gewinnt das Team von Roy Hodgson. Knup – schon in der Qualifikation bester Schweizer Torschütze – steuert zwei Kopftore bei. Der Sieg löst in der Heimat eine nie dagewesene Fussballeuphorie aus.

Früher Rücktritt trotz grosser Erfolge

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Nur vier Jahre später, im Alter von 29 Jahren, erklärt Adrian Knup – wegen seiner Trefferquote «Torminator» genannt – überraschend seinen sofortigen Rücktritt. Den Stürmer, mittlerweile zurück beim FC Basel, plagen immer wieder Verletzungen. Die Achillessehne, der Oberschenkel, die Leiste. «Der Profifussball forderte seinen Tribut», sagt er heute, «Ich konnte nicht mehr das leisten, was ich von mir selber erwartete.» Den Entscheid bereute er nie. Der 57-Jährige lebt heute beschwerdefrei. Und im Gegensatz zu manchen ehemaligen Teamkollegen kann er weiterhin Joggen, Tennisspielen und Skifahren. Auf dem Fussballplatz ist er jedoch nicht mehr anzutreffen.

Leistungsdaten (Auswahl)
Besonders erfolgreich war Knup in der deutschen Bundesliga:

  • Bundesliga (Deutschland): 94 Spiele, 31 Tore.
  • DFB Supercup: Sieger mit VFB Stuttgart 1992
  • Nationalliga A (Schweiz): 214 Spiele, 62 Tore
  • grösster Vereinserfolg: Schweizer Cupsieger 1992 mit dem FC Luzern, türkischer Meister mit Galatasaray 1997
  • persönliche Ehrung: Schweizer Fussballer des Jahres 1991

Erfolgreiches Sturmduo
Adrian Knup bildete zusammen mit Stéphane Chapuisat das legendäre Sturmduo der Ära Roy Hodgson.

  • Länderspiele: 48
  • Tore: 26
  • Highlight: Teilnahme an der WM 1994 in den USA. Dort erzielte er beim 4:1-Sieg gegen Rumänien zwei Treffer.
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Raues Spiel ohne Rücksicht

Es war kein Zufall, dass Adrian Knup und andere Stürmer seiner Zeit ihre Laufbahn früh beenden mussten. Zum Beispiel der holländische Superstar Marco Van Basten. Damals ging es wesentlich rauer zur Sache als heute. Leidtragende waren meist die Offensivspieler. Knup erinnert sich: «Die Verteidiger gaben oft gleich nach Anpfiff den Tarif durch. Schon in den ersten Sekunden hat es geknallt, um uns Stürmer einzuschüchtern. Mit Stollenschuhen auf den Fuss stehen, Ellbogen ins Gesicht, solche Sachen.» 

Zweikampfstärke, Härte, eiserner Wille

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Deutschland war in Knups Ära das Mass aller Dinge, wurde Welt- und Europameister und bestritt mehrere Finalspiele. Die deutschen Tugenden – Zweikampfstärke, Härte, eiserner Wille – galten als Erfolgsrezept. Deshalb waren deutsche Trainer auch in der Schweiz begehrt. 1992, nach zwei Toren zum Cupsieg mit dem FC Luzern, wechselte Adrian Knup in die Bundesliga zum VfB Stuttgart. «Das war von der Intensität her ein ganz anderes Level. Ich bin ja vom Naturell ein gutmütiger Mensch. Dort musste ich mir ein dickes Fell zulegen, um zu bestehen.»

Leiden als Teil des Systems

Christoph Daum, Knups Trainer bei Stuttgart, stellte klar: «Wenn du Erfolg haben willst, musst du leiden können.» Später bei Karlsruhe spielte Knup unter Winnie Schäfer, der verkündete: «Ich brauche keine Schönspieler. Ich brauche Kerle, die kämpfen.» Dass in diesem Umfeld kein Spieler Schwäche zeigen wollte, wundert nicht. «Wir sind sicher nicht zum Trainer gegangen, wenn wir körperliche Beschwerden hatten. Höchstens zum Physio, wenn der mal Zeit hatte. Wir wussten auch noch viel zu wenig über die Langzeitfolgen von Verletzungen. Die Prävention beschränkte sich auf gemeinsames Dehnen beim Aufwärmen.» Viele seien deshalb über ihre Grenzen gegangen, das sei ein Raubbau am eigenen Körper gewesen.

Der Körper sagt Stopp

Die Folgen all dieser Tacklings und Fouls spürte Adrian Knup deutlich, als er zum FC Basel zurückkehrte. Verständnis für seine wiederholten verletzungsbedingte Ausfälle konnte er nicht erwarten. FCB-Trainer Heinz Hermann meinte damals: «Ich erwarte von ihm, dass er endlich auf die Zähne beisst. Es ist Zeit, dass er das bringt, was wir von ihm erwarten.» Doch die Profilegende wollte nicht mehr «auf die Zähne beissen». Er hörte auf seinen Körper und trat zurück.

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Endlich mehr Schutz statt Härte

Wie sich der Fussball seither entwickelt hat, gefällt Adrian Knup sehr. «Die Regeln werden heute viel konsequenter durchgesetzt. Getreckte Beine, Fouls von hinten, grobes Einsteigen; dafür gibt's mittlerweile Rote Karten. Dadurch sind die Spieler viel besser geschützt.» Knup, der später beim FC Basel im Nachwuchs tätig war und danach als sportlicher Leiter der U21 beim SFV, hat einen weiteren Wandel festgestellt: «Es herrscht ein respektvollerer Umgang auf dem Platz. Die Spiele verlaufen wesentlich fairer. Auch die Trainer und Trainerinnen setzen heute mehr auf taktische und spielerische Lösungen statt auf Aggressivität und Einschüchterung.» Das vorgelebte Fairplay, da ist sich Knup sicher, färbe auf Kinder und Hobbykicker ab, die sich an den Profis orientieren.

Engagement für Fairplay und Prävention

Zudem werde der Prävention heute deutlich mehr Bedeutung beigemessen. Ein Thema, das Adrian Knup besonders am Herzen liegt. Mittlerweile ist er bei der Merian-Iselin-Klinik in Basel als Koordinator Sport & Prävention tätig. Neben anderen Aufgaben begleitet er dort Patienten und Patientinnen zurück auf ihrem Weg in den Sport. Zusätzlich bildet er Fussballtrainer und -trainerinnen aus und sensibilisiert sie für die Prävention: «Dank den Suva-Statistiken kennen wir heute die gefährdeten Körperbereiche: Knie, Oberschenkel und Hüfte. Wir zeigen den angehenden Trainern und Trainerinnen Übungen, wie sie diese Bereiche im Training gezielt stärken.» Damit trägt Adrian Knup dazu bei, dass heute weniger Fussballer und Fussballerinnen ihre Karriere frühzeitig beenden müssen. Und gleichzeitig auch, dass weniger verletzungsbedingt ausfallen. Das sei gerade im Amateurfussball wichtig: «Verletzte fehlen ja gleich in drei Teams: in ihrer Mannschaft, im Job und in der Familie.»

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