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STOPP sagen – so geht das im Grosskonzern

Wie kommt man bei der Arbeitssicherheit vom Reden ins Handeln? Bei der BKW funktioniert es mit gezielten, vielschichtigen Massnahmen.

Text: Stefan Joss; Fotos: Herbert Zimmermann
02.12.2025
ca. 4 min

Inhalt

Kurz und bündig

Reto Wenger vom BKW-Geschäftsfeld Power Grid setzt auf einen bunten Blumenstrauss an Massnahmen, damit die Mitarbeitenden sich getrauen, STOPP zu sagen: 

  • 2025 publizierte Power Grid zwei kreative Filme zum Thema.
  • In Teamgesprächen bringen Mitarbeitende ihre Ideen ein, wie man mit gefährlichen Situationen umgehen soll.
  • Die Geschäftsleitung packte 2025 Pickel und Schaufel und zeigte dadurch Ihr Interesse an der Arbeitssicherheit

Lesen Sie hier die ganze Geschichte. 

Am Standort Wilderswil des Energiekonzerns steht Mitarbeiter Yves Hirschi vor einer Werkbank, die Hände in die Taschen seiner orangen Arbeitshose gesteckt. Die Kamera läuft, Hirschi führt ein Selbstgespräch: «Aber ich muss doch etwas sagen. Komm schon, sag jetzt was.» 

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Yves Hirschi fragt sich: «Wie sage ich es ihm?»

Reto Wenger, Sicherheitsbeauftragter (SiBe) des Geschäftsfelds Power Grid, erklärt: «Wir drehen hier den zweiten Präventionsfilm zum Thema. Der erste animierte dazu, dass unsere Mitarbeitenden aktiver etwas sagen, wenn Gefahr droht. Der zweite zeigt das Wie auf.»

Ansetzen bei der Kultur

«2022 war ein einschneidendes Jahr für die BKW», erzählt Wenger, der seit 2014 die Sicherheit bei Power Grid verantwortet. Damals kamen in der BKW Gruppe zwei Mitarbeitende bei der Arbeit auf tragische Weise ums Leben. Etwa gleichzeitig startete der neue Gruppen-CEO Robert Itschner. Von seinem ersten Tag an setzte dieser die Sicherheit oben auf die Agenda. «Daraus schöpfte ich als SiBe Energie, um das Thema neu anzugehen.» 

Für Wenger war klar: Die BKW braucht nicht noch mehr Regeln. Er wollte bei der Kultur ansetzen: Was versteht man im Unternehmen unter Sicherheit? Wie kommunizieren die Mitarbeitenden untereinander? Der SiBe präzisiert: «Das Thema STOPP sagen kam bereits 2010 bei der BKW auf. Mir ist aber aufgefallen, dass darunter alle etwas anderes verstanden.» 

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Reto Wenger, Sicherheitsbeauftragter (SiBe) des BKW-Geschäftsfelds Power Grid

Eine Ampel zur Orientierung

Der engagierte BKW-Power-Grid-SiBe hat ein Ampelsystem entwickelt. Es soll bei Gefahr helfen, sich rasch für das richtige Vorgehen zu entscheiden.

  • Grün: Soll ich die Gefahr zeitnah selbständig beheben, aber nicht zwingend Meldung machen?
  • Gelb: Soll ich die Situation korrigieren und Meldung machen?
  • Oder Rot: Muss die Arbeit sofort unterbrochen werden, damit niemand zu Schaden kommt?

«Dieses Schema kommt im ersten Präventionsfilm vor und wird bei uns noch breitflächig ausgerollt werden», erklärt Reto Wenger. 

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Teamgespräche und GL in Action

Wenger ging das Thema Sicherheit systematisch an: Er plante eine mehrjährige Kampagne und orientierte sich dabei an der Präventionskultur der Suva. Diese startete 2023 und läuft auch 2026 noch weiter.

Wengers Massnahmen für mehr Sicherheit sind durchdacht: nebst Kommunikation (Intranetnews und Filme) erarbeiten zum Beispiel Teams konkrete Lösungen zu gefährlichen Situationen. Spielerische Umfragen liefern wertvolle Daten und die Geschäftsleitung griff 2025 zu Pickel und Schaufel.

Regeln sind wichtig – aber der Mensch steht im Zentrum

Sicherheitsregeln bilden eine wichtige Grundlage für eine sichere Arbeitsumgebung. «Doch es sind die Menschen, die unsere Arbeiten ausführen. Ihr Verhalten wird geprägt durch persönliche Eigenschaften, Werte und Erfahrungen», ist Wenger überzeugt. Deshalb brauche es mehr als nur Vorschriften, es brauche eine vertrauensvolle Arbeitskultur. Eine offene Kommunikation, die von der Führung bis zu den Mitarbeitenden gelebt werde, schaffe Raum für gegenseitiges Verständnis und stärkt das Sicherheitsbewusstsein. «Nur in einem Umfeld, in dem sich Menschen ernst genommen und unterstützt fühlen, können Regeln wirksam umgesetzt und damit Risiken nachhaltig reduziert werden.»

Die gute Fee

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Julia Schwandt spielt die gute Fee im zweiten BKW-Film.

Die offene Kommunikation ist auch im zweiten Präventionsfilm zentral. Dort spielt Projektassistentin Juliane Schwandt eine Fee. Im Glitzerkostüm zeigt sie Yves Hirschi, wie man ein Feedback zielführend aufbauen kann: Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch. 

Und was ist ihr persönlicher Wunsch als Arbeitnehmerin? «Dass unsere Mitarbeitenden im richtigen Moment STOPP sagen – nicht erst nach dem Unfall. Alle sollen am Abend gesund nach Hause kommen.» 

Massnahmen der BKW

Reto Wenger setzt bei der Sicherheit auf diese Massnahmen:

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1. Teamgespräche

Darum geht es
Ein Team tauscht sich über ein konkretes Thema aus, zum Beispiel über die Stromschlaggefahr im Niederspannungsbereich. Gemeinsam leitet es konkrete Massnahmen ab. Die Führungskraft moderiert.

Ziele
Fördern der Präventionskultur durch einen offenen Austausch und ein gemeinsames Erarbeiten. Voneinander lernen. Die Vorbildfunktion der Führungskraft stärken.

Details
Fragen können sein: Welche Erfahrungen habt ihr mit Stromschlägen? Welche Vorgaben kennt ihr? Welches sind Gründe für einen Stromschlag? Was ist dein persönlicher Beitrag, was der Beitrag des Teams, um Stromschläge zu vermeiden?

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2. Die GL packt an

Darum geht es
Im Jahr 2025 arbeitete die Geschäftsleitung bei 30 Grad mit Netzelektrikern mit, nahm Schaltungen vor, ersetzte Tragwerke und vertiefte dabei ihr Verständnis für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

Ziele
Verständnis der GL für ausführende Tätigkeiten fördern. Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden er höhen. Vorbildfunktion der Führung glaubwürdig aufzeigen.

Details
BKW-intern wurde die Aktion auf allen Ebenen sehr geschätzt.

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3. Safety Challenge

Darum geht es
Umfrage zum Ist-Zustand bei der BKW bezüglich verschiedener Themen, mit attraktiven Wettbewerbspreisen. Themen: Gefahren in Bürosituationen erkennen, Stand der Präventionskultur bei der BKW, Handeln in gefährlichen Alltagssituationen.

Ziele
Messen, in welchen Einheiten welche Risiken vorhanden sind. Bedarf erkennen. Sensibilisieren.

Details
Eine mögliche Frage könnte sein: Ein Kollege stolpert über ein Kabel, verletzt sich aber kaum. Was sagst du dazu? A: Glück gehabt. B: machen wir kein Theater. C: Wir sprechen mit allen darüber und organisieren eine Schulung. D: Wir tauschen uns zum Thema Sicherheit konstant aus.

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4. Kommunikative Massnahmen

Darum geht es
Intranetnews, Newsletter, Videos

Ziele
Das Thema Arbeitssicherheit sichtbar halten. Informieren, woran gearbeitet wurde. Sensibilisieren.

Learnings
Das Kommunizieren von Erkenntnissen funktioniert besser als das reine Informieren. Das erste Video zum Thema STOPP sagen kam BKW-intern und -extern sehr gut an.

STOPP sagen als Teil der Präventionskultur

Was braucht es, damit Mitarbeitende sich getrauen, bei Gefahr STOPP zu sagen? Etwas aus jeder Dimension der Präventionskultur: Vorgesetzte müssen das STOPP sagen aktiv unterstützen: Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten (Organisation), regelmässige Schulungen (Lernen), ein offener Dialog (Kommunikation), Vorbilder (Führung) und ein sicherheitsbewusstes Handeln jedes Einzelnen (Verantwortung). 

Innovative BKW-Filme

Die BKW erhielt für ihren Film «STOPP sagen. Für ein sicheres Arbeitsumfeld heute und morgen» im Sommer 2025 viel Lob. Seit November ist der zweite Film mit dem Titel «Dein Plan – Für ein sicheres Arbeitsumfeld heute & morgen!» verfügbar: https://www.youtube.com/@bkwpowergrid

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