benefit_04.2025_Herbert_Zimmermann_Martin_Stalder_Ueli_Bachmann_suva Stalder STM HR CF909866.jpg

STOPP sagen – so geht das im KMU

Wie kommt man bei der Arbeitssicherheit vom Reden ins Handeln? Bei Stalder STM Montagen aus dem Luzerner Entlebuch ist klar: Sicherheit ist Chefsache.

Text: Stefan Joss; Fotos: Herbert Zimmermann
01.12.2025
ca. 3 min

Inhalt

Kurz und bündig

Martin Stalder hat als Geschäftsführer von Stalder STM Montagen die Arbeitssicherheit fest im Blick: 

  • Die Mitarbeitenden tragen die wichtigsten Sicherheitsregeln stets auf sich.
  • Stalder überprüft, ob die Regeln eingehalten werden.
  • Seine Mitarbeitenden dürfen jederzeit STOPP sagen, wenn sie sich unsicher fühlen.

Lesen Sie hier, warum der Patron bei der Sicherheit kompromisslos, bei allem anderen hilfsbereit ist. Und wie er selbst mit Risiken umgeht. 

In Kriens entsteht im Herbst 2025 gerade das höchste Wohnhaus der Schweiz. In 110 Metern über Boden sieht man weit herum: auf den Pilatus, die Rigi, auf das nahe gelegene Luzern. 

Wenn Martin Stalder die Baustelle betritt und mit einem seiner 80 Mitarbeitenden spricht, wird schnell klar: Für ihn hat Sicherheit oberste Priorität. Seine Firma Stalder STM Montagen baut hier Fenster und Glastüren ein. Im Dialog ist der Entlebucher hart und energiegeladen in der Sache, menschlich im Ton.

«Ich liebe Regeln und Strukturen», sagt er. Vor gut zehn Jahren fiel einem Mitarbeitenden eine schwere Glasplatte auf Kopf und Schulter. Ohne Helm wäre er wohl gestorben. Stalder sagte sich: «Die früheren Diskussionen übers Helmtragen sind ab jetzt vorbei. Wir haben bei uns Regeln. Diese werden eingehalten.» 

Einfache Regeln

So konsequent wie beim Helmtragen geht Stalder auch bei anderen Sicherheitsfragen vor. Alle Mitarbeitenden tragen während der Arbeit ein Plastikkärtchen bei sich. Darauf finden sie sechs einfache Regeln und die Aufforderung, unsichere Zustände sofort zu melden, statt weiterzuarbeiten. Die insgesamt 10 Ausrufezeichen im kurzen Text machen klar: dieses Thema ist ihm wichtig!

benefit_04.2025_Herbert_Zimmermann_sicherheitskarte-DE_Stalder_STM_Fassaden.jpg

Alle Mitarbeitenden der Stalder STM Montagen tragen eine Plastikkarte für das Portemonnaie auf sich. 

«Wir hatten noch nie einen Todesfall – dafür bin ich rüüdig dankbar», erklärt der Vater von zwei Kindern. Damit das so bleibt, schult er seine Angestellten regelmässig. 

Kompromisslos und hilfsbereit

Wer die Regeln übertritt, erhält eine Verwarnung, beim dritten Mal droht die Kündigung. Bei der Sicherheit gebe es für ihn nur einen Weg, sagt Stalder bestimmt. «Über alles andere kann man mit mir diskutieren.» So seien schon mehrere Mitarbeitende mit privaten Herausforderungen zu ihm gekommen. Mit seiner Firma habe er schon finanziell schwierige Situationen seiner Mitarbeitenden überbrückt, sie juristisch beraten oder für sie anspruchsvolle Korrespondenz aufgesetzt. Stalder lächelt: «Wir fordern viel, sind aber auch für unsere Mitarbeitenden da.»

benefit_04.2025_Herbert_Zimmermann_Martin_Stalder_Cover-2504.jpg

Geschäftsführer Martin Stalder in Kriens vor dem höchsten Wohnhaus der Schweiz. 

Kontrollierter Umgang mit Risiken

Und wie geht der Patron privat mit Risiken um? «Ich gehe mit Freunden hin und wieder auf eine Rennstrecke und fahre Autorennen», sagt Martin Stalder, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. 

Geht bei diesem Hobby die Kompromisslosigkeit der Baustelle nicht verloren? «Ganz und gar nicht», antwortet Stalder. Rennen zu fahren stelle ein erhöhtes, aber kalkulierbares Risiko dar. Diesem würde er und seine Kollegen mit gezielten Massnahmen begegnen: Dreipunktgurte, Helm, Feuerlöscher im Auto und – ganz wichtig – Fahren ausschliesslich auf einer Rennstrecke; nicht wie ein Wilder auf einer Passstrasse. Das sei vergleichbar mit der Arbeit auf der Baustelle, fasst Stalder zusammen. «Da gibt es auch kalkulierbare Risiken. Diesen begegnen wir mit Schutzausrüstung, Regeln und dem richtigen Verhalten.»

Massnahmen der Stalder STM Montagen 

Martin Stalder setzt bei der Sicherheit auf der Baustelle auf diese Massnahmen:

 

1_Stopp_sagen.ai

1. STOPP sagen bis zum Geschäftsführer

Darum geht es
Fühlt sich eine Person auf der Baustelle nicht sicher, darf sie gegenüber dem/der Vorgesetzten STOPP sagen. Wird das ignoriert, kann sie zuerst mit dem Montageleiter sprechen und
falls nötig Martin Stalder kontaktieren.

Ziele
Sicherheit auf Baustellen erhöhen. Sensibilisieren, dass STOPP sagen explizit erwünscht ist.

Details
Sämtlichen Mitarbeitenden wird dieser Eskalationsprozess immer wieder in Erinnerung gerufen.

2_Ausbildung.ai

2. Ausbildung 

Darum geht es
Sämtliche Mitarbeitende werden jährlich auf für sie relevante allgemeine Sicherheitsvorschriften geschult, z. B. Schutzbrillen, Handschuhe, Helm, Anschlagen von Lasten, persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz etc.

Ziele
Grundausbildung sicherstellen. Das Thema Sicherheit in den Köpfen der Mitarbeitenden verankern.

Details
Bevor neue Mitarbeitende ihre Arbeit auf der Baustelle aufnehmen, erhalten sie eine 3,5 Stunden dauernde Schulung. Alle haben Zugang zu einer Liste, die zeigt, wer aufgrund der absolvierten Schulung zum Beispiel eine Hebebühne bedienen darf.

3_Baustellenkontrolle.ai

3. Baustellenkontrolle auf fünf Ebenen

Darum geht es
Stalder STM Montagen hat definiert, welche Rolle was auf einer Baustelle kontrollieren muss. 

Ziele
Strukturiertes Aufteilen der Verantwortung. Dadurch weniger Unfälle.

Details
Der Monteur steht auf der ersten Ebene: Er kennt die wichtigsten Regeln und ist verpflichtet, unsichere Zustände zu melden, genauso wie der Chefmonteur auf Ebene 2. Auf der 3. Ebene arbeitet der Montageleiter mit Checklisten zur allgemeinen Ordnung, zu Verkehrswegen, Gerüsten, Fluchtwegen etc. Der Sicherheitsbeauftragte checkt monatlich jede Baustelle und prüft dabei zusätzlich auch Themen wie Lärm oder Stress. Auf Ebene 5 steht Martin Stalder, der ebenfalls immer wieder Baustellen besucht.

Möchten Sie erfahren, die BKW Power Grid ihren Mitarbeitenden hilft, STOPP zu sagen? Hier finden Sie den Artikel «STOPP sagen – so geht das im Grosskonzern»

STOPP sagen als Teil der Präventionskultur

Was braucht es, damit Mitarbeitende sich getrauen, bei Gefahr STOPP zu sagen? Etwas aus jeder Dimension der Präventionskultur: Vorgesetzte müssen das STOPP sagen aktiv unterstützen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten (Organisation), regelmässige Schulungen (Lernen), ein offener Dialog (Kommunikation), Vorbilder (Führung) und ein sicherheitsbewusstes Handeln jedes Einzelnen (Verantwortung).

Grundlage der Präventionskultur
Präventionskultur

Grundlage der Präventionskultur

Die Arbeitswelt ist komplexer geworden. Eine wirksame Prävention gelingt nur dann, wenn alle sie mittragen. Die 6 Dimensionen der Präventionskultur umfassen alle Bereiche eines Unternehmens.
Mehr zu den 6 Dimensionen

Finden Sie diese Seite hilfreich?