Green oder Red Flags: Wie du einen sicheren Lehrbetrieb erkennst
Eine Lehre bedeutet Neues zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Schritt für Schritt selbstständiger zu werden. Damit du dabei sicher unterwegs bist, gibt es einfache Regeln und gute Lehrbetriebe, die dich unterstützen und begleiten.
Inhalt
Kurz und bündig
Hier die Grundregeln damit du deine Lehrzeit sicher und mit einem guten Gefühl meisterst:
- Trage deine Persönliche Schutzausrüstung (PSA): konsequent, überall dort, wo sie vorgeschrieben ist. Auch in der Freizeit.
- Halte dich immer an die lebenswichtigen Regeln (LWR) deiner Branche: Sie schützen dich vor schweren Unfällen.
- Sag STOPP: wenn du dich unsicher oder überfordert fühlst, eine Aufgabe nicht verstehst oder eine lebenswichtige Regel missachtet wird.
Wer STOPP sagt, übernimmt Verantwortung, für sich selbst und für andere.
Doch woran erkennst du, ob ein Betrieb Arbeitssicherheit wirklich ernst nimmt? Und welche Anzeichen sprechen dafür, dass du genauer hinschauen solltest?
Arbeitssicherheit ist mehr als Schutzausrüstung
Wenn von Arbeitssicherheit die Rede ist, denken viele zuerst an Helme, Warnwesten oder Schutzbrillen. Die gehören zwar dazu, aber Arbeitssicherheit bedeutet viel mehr. Sie umfasst alles, was dich vor Unfällen, Verletzungen und gesundheitlichen Belastungen schützt, körperlich und psychisch.
Arbeitssicherheit bedeutet:
- klare Anleitungen und Instruktionen
- genügend Zeit zum Lernen
- passende persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- respektvoller Umgang miteinander
- Betreuung durch erfahrene Fachpersonen
- ein Umfeld, in dem Fragen willkommen sind
Green Flags: Diese Zeichen sprechen für einen sicheren Lehrbetrieb
Du wirst sorgfältig eingeführt
Am ersten Arbeitstag erwartet niemand, dass du schon alles kannst. Gute Lehrbetriebe nehmen sich Zeit, erklären dir Arbeitsabläufe und zeigen dir den sicheren Umgang mit Maschinen, Werkzeugen oder Geräten.
Bevor du selbstständig arbeitest, weisst du, worauf du achten musst.
Aussagen wie diese sind klare Green Flags:
- «Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie es geht.»
- «Frag jederzeit nach, wenn du unsicher bist.»
- «Lieber einmal mehr fragen als einmal zu wenig.»
Sicherheit geht vor Tempo
Natürlich gehört Hektik manchmal zum Berufsalltag. Trotzdem darf niemand erwarten, dass du Sicherheitsregeln auslässt, um schneller fertig zu sein.
Ein guter Betrieb weiss: Lernen braucht Zeit. Du wirst nicht belächelt, wenn du Schutzkleidung trägst oder lieber noch einmal nachfragst.
Typische Green Flags sind:
- «Nimm dir die Zeit, die du brauchst.»
- «Wichtig ist, dass du die Aufgabe sicher ausführst.»
- «Mach lieber langsam, damit du Abends gesund nach Hause kommst.»
Du bist nie auf dich allein gestellt
Gerade am Anfang brauchst du Unterstützung. Gute Berufsbildnerinnen und Berufsbildner begleiten dich bei neuen Aufgaben und lassen dich nicht einfach ins kalte Wasser springen.
Besonders bei Maschinen, Werkzeugen, Geräten oder gefährlichen Arbeiten gilt: Erst erklären, dann gemeinsam üben und erst danach selbstständig arbeiten.
Zum Beispiel:
- «Komm, wir machen das zuerst zusammen.»
- «Ich begleite dich, bis du dich sicher fühlst.»
- «Wenn etwas unklar ist, bin ich für dich da.»
Fehler sind erlaubt
Jeder Mensch macht Fehler, besonders während der Ausbildung.
Sichere Betriebe nutzen Fehler, um daraus zu lernen. Wer Fehler macht, wird nicht angeschrien oder blossgestellt. Auch sogenannte Beinahe-Unfälle werden ernst genommen. Denn aus ihnen lässt sich viel lernen, bevor etwas passiert.
In einer positiven Fehlerkultur hörst du zum Beispiel:
- «Danke, dass du es angesprochen hast.»
- «Lass und schauen, wie wir es nächstes Mal besser machen.»
- «Fehler passieren, damit wir aus ihnen lernen.»
Respekt gehört zu einer guten Unternehmenskultur
Arbeitssicherheit endet nicht bei körperlichen Risiken. Auch das Miteinander spielt eine wichtige Rolle.
Wenn ihr im Team respektvoll miteinander umgeht, unterschiedliche Meinungen gehört werden und Fragen willkommen sind, entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle wohlfühlen und sicher lernen können.
Sicherheit hilft dir, selbstständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
Red Flags: Warnsignale, die du ernst nehmen solltest
Nicht jeder Betrieb lebt Arbeitssicherheit gleich konsequent. Manche Aussagen oder Verhaltensweisen sollten dich deshalb hellhörig machen.
«Mach einfach.»
Sei vorsichtig, wenn dir niemand erklärt, wie eine Maschine funktioniert oder welche Risiken bestehen.
Besonders kritisch wird es, wenn du Aufgaben übernehmen sollst, für die du noch nicht genügend eingeführt wurdest.
Schutzmaterial? «Braucht's nicht.»
Ob Schutzbrille, Handschuhe, Gehörschutz oder Sicherheitsschuhe: Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist kein Extra, sondern gehört zu einem sicheren Arbeitsplatz dazu.
Fehlt Schutzmaterial regelmässig oder wird dessen Verwendung nicht ernst genommen, ist das ein Warnsignal.
Zeitdruck schlägt Sicherheit
Sätze wie: «Dafür haben wir jetzt keine Zeit» oder «Das machen wir immer so», sind problematisch.
Gerade unter Zeitdruck passieren Fehler. Vernachlässige Sicherheit deshalb nie zugunsten der Geschwindigkeit.
Du hast das Gefühl, dass Fragen unerwünscht sind
Wenn du dich nicht traust, Fragen zu stellen, weil du negative Reaktionen erwartest, bleiben Unsicherheiten oft unausgesprochen. Das erhöht dein Unfallrisiko.
In einem sicheren Lehrbetrieb sind Fragen ausdrücklich erwünscht. Dort ist klar: Wer nachfragt, versteht Aufgaben besser und arbeitet sicherer.
Unfälle werden heruntergespielt
- «Ist doch nur ein Kratzer.»
- «Stell dich nicht so an.»
Solche Aussagen zeigen, dass Verletzungen oder Beinahe-Unfälle nicht ernst genommen werden.
Gerade solche Ereignisse bieten die Chance, aus Erfahrungen zu lernen und ähnliche Situationen künftig zu vermeiden.
So erkennst du einen sicheren Lehrbetrieb
Eine Schnupperlehre ist nicht nur dafür da, damit der Betrieb dich kennenlernt.
Nutze die Schnupperlehre auch, um herauszufinden, ob der Betrieb zu dir passt.
Achte zum Beispiel auf folgende Situationen:
- Tragen Mitarbeitende die vorgeschriebene Schutzkleidung?
- Werden Sicherheitsregeln eingehalten?
- Erklärt dir jemand neue Aufgaben verständlich?
- Darfst du jederzeit Fragen stellen?
- Wie gehen Mitarbeitende miteinander um?
- Wird ruhig erklärt oder herrscht ständig Hektik?
Oft verrät dir die Atmosphäre im Betrieb mehr als jede Hochglanzbroschüre.
Deine Rechte in der Lehrzeit
Viele Lernende wissen nicht, dass sie besondere Rechte haben.
Du hast unter anderem das Recht auf:
- eine sorgfältige Einführung in deine Aufgaben.
- sichere Arbeitsbedingungen.
- geeignete Schutzausrüstung.
- Betreuung durch ausgebildete Fachpersonen.
- ausreichende Informationen über Gefahren am Arbeitsplatz.
Wenn dir eine Arbeit gefährlich erscheint oder du nicht weisst, wie du sie sicher ausführst, darfst und sollst du nachfragen.
Wenn dir niemand erklärt, wie etwas funktioniert, frag nach. Gute Berufsbildnerinnen und Berufsbildner nehmen sich Zeit und erklären dir die Aufgabe.
Was tun, wenn dir etwas komisch vorkommt?
Nicht jedes Problem bedeutet gleich, dass dein Lehrbetrieb schlecht ist. Oft lassen sich Missverständnisse schnell klären.
Wenn du jedoch wiederholt unsichere Situationen erlebst, sprich das an.
Du musst mit solchen Problemen nicht allein bleiben.
Sprich zuerst mit deiner Berufsbildnerin oder deinem Berufsbildner oder einer anderen Vertrauensperson im Betrieb. Wenn sich nichts verbessert oder du dich nicht ernst genommen fühlst, suche Unterstützung bei deiner Berufsfachschule oder dem kantonalen Berufsbildungsamt.
Sicherheit ist Teamarbeit
Dein Lehrbetrieb ist für gute Rahmenbedingungen verantwortlich. Du trägst massgeblich zu deiner Sicherheit bei, indem du aufmerksam bist, Fragen stellst und STOPP sagst, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt.
Gute Lehrbetriebe freuen sich über Lernende, die Verantwortung übernehmen und mitdenken. Genau so lernst du deinen Beruf Schritt für Schritt sicher, selbstständig und mit Freude.
Alles, was du zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz während deiner Lehrzeit wissen musst, findest du auf unserer Webseite:
Hast du Fragen zur Arbeitssicherheit?
Frage deinen Berufsbildner oder deine Berufsbildnerin oder die sicherheitsbeauftragte Person (SiBe) im Betrieb oder natürlich uns bei der Suva.
Schreibe einfach eine E-Mail an: lehrzeit@suva.ch