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Nach Speedflying-Absturz zurück zur RhB

Er stürzte 200 Meter in die Tiefe und fand zurück ins Leben. Heute steht Nicola Beeli wieder im Beruf und hat sein Ziel vor Augen: die Rückkehr in seine alte Position. Rückschläge nimmt er sportlich.

Text: Stefan Joss; Fotos: Samuel Trümpy
26.08.2026
ca. 5 min

Inhalt

Kurz und bündig

Die Geschichte von Nicola Beeli zeigt, wie anspruchsvoll der Weg nach einem schweren Unfall sein kann – und wie man ihn trotzdem mit Zuversicht geht.

  • Beim Speedflying stürzt er 200 Meter in die Tiefe und schlägt mehrmals an einer Felswand auf.
  • Nach der Rehabilitation startet seine Wiedereingliederung bei der Rhätischen Bahn.
  • Trotz eines Rückschlags hält er an seinem Ziel fest: seine frühere Position bei der RhB.

Lesen Sie hier, wie Nicola Beeli Schritt für Schritt wieder im Berufsleben Fuss fasst.

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200 Meter in die Tiefe und zurück ins Leben

Nicola Beeli steht in Landquart vor dem kürzlich eröffneten Verwaltungsgebäude der Rhätischen Bahn. In der Frühlingssonne leuchten nicht nur die silberne Gebäudehülle und seine orange Sicherheitsjacke mit den reflektierenden Streifen. Auch der 32-jährige St. Galler selbst strahlt über das ganze Gesicht. Ein fester Händedruck, eine einladende Geste hin zur Tür. Dann gehen wir am Lift vorbei und steigen die Treppe hoch in den vierten Stock. Der junge Ingenieur nimmt jede Stufe mit Energie; zügig und doch achtsam. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass Beeli im Sommer 2023 nach einem Bedienfehler beim Speedflying in eine Felswand krachte. Er stürzte insgesamt 200 Meter hinunter und schlug dabei immer wieder an der Wand auf. 

Wenn Ehrgeiz zur Gefahr wird

«Am Unglückstag habe ich die Dinge wohl auf die Spitze getrieben», erzählt er. Bis zum Unfall habe es in seinem Leben nur eine Richtung gegeben, nämlich aufwärts. Wenn er in den ersten 20 Jahren etwas gelernt hat, dann das: «Mit genügend Einsatz kann ich im Leben alles erreichen.» So machte er nach der Lehre als Elektroinstallateur die Berufsmatura, studierte Elektrotechnik und liess sich bei der Rhätischen Bahn als Ingenieur anstellen. Auch privat fand er das Glück. Er lernte die Lehrerin Franziska kennen und sie zogen zusammen. 

Von ganz unten wieder aufbauen

«Als wir vom Unfall erfuhren, wussten wir nicht, wie schlimm die Verletzungen sind und ob Nicola seiner Tätigkeit bei der RhB je wieder nachgehen kann», erinnert sich Astrid Schmid, HR-Beraterin bei der RhB. Ihr erstes Zusammentreffen mit Nicola Beeli im St. Galler Rehazentrum Zihlschlacht verblüffte sie. Extrem motiviert sei er gewesen, aufmerksam und positiv. Das habe sie berührt. «Es war ein so schönes Gefühl, zu sehen, dass Nicola dieses Ziel fest vor Augen hatte. Er wollte einfach zurück zur RhB.»

Training im Verborgenen

Tatsächlich blieb Nicola Beelis Wille ungebrochen. «Ich hatte das Bedürfnis zu joggen, wurde aber von den Pflegenden angehalten, ruhig ums Haus zu laufen.» Beeli hielt sich an die Vorgabe auf dem Wegstück, das von den Pflegenden durch die Glasfront sichtbar war. Sobald er ausser Sicht war, joggte er. Runde für Runde, Abend für Abend. 

Ein Netzwerk, das mitzieht

Sonia Stutzmann ist Case Managerin bei der Suva in Chur. Auch sie besuchte Nicola Beeli in der Reha und fand einen hochmotivierten jungen Mann vor. «Seit unserem ersten Kontakt ist er sehr positiv eingestellt und ehrgeizig. Er wollte zurück und ich finde es schön, dass die RhB ihm diese Chance gegeben hat», sagt die Bündnerin. 

«Ich erhielt viel Unterstützung, von allen Seiten», erinnert sich Beeli. Seine Eltern hätten sich liebevoll um ihn gekümmert. Und seine Freundin hat ihn nicht nur unterstützt, sondern auch regelmässig gefordert. «Sie gab mir Aufträge, zum Beispiel, Dinge für den Haushalt einzukaufen. So zeigte sie mir, dass sie mich als gleichwertigen Partner sah, nicht als Hilfsbedürftigen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.»

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Nicola Beeli (32), Unfallopfer

«Ich war es gewohnt, durch Einsatz jedes Ziel erreichen zu können. Seit dem Unfall hat sich der Einsatz erhöht.»

Zurück an den Arbeitsplatz

Ende April 2024 startet Beeli bei der RhB einen Arbeitsversuch. Zum ersten Mal steht er wieder in Landquart im Büro. Ohne Druck und Vorgaben. Ungefähr alle sechs Wochen treffen sich IV, Suva und RhB mit ihm und schauen, wo er in der Arbeitsintegration steht. Die Entwicklung zeigt kontinuierlich nach oben: Von wenigen Stunden im April 2024 steigert sich Beeli auf 100 Prozent per 1. September 2025. 

Nach Rückschlag erneut auf dem Weg

«Doch dann häuften sich bei mir die Fehler», erinnert sich Beeli. Sein Kopf kann mit der Komplexität der Arbeit noch nicht umgehen. Per 1. Januar 2026 reduziert die RhB den Druck mit einem neuen Arbeitsvertrag. Nicola Beeli ist seither an vier Tagen in der Woche präsent, muss aber nur 30 Prozent leisten. «Früher gab man mir ein Problem und ich fand die Lösung und auch den Weg zur Lösung ohne Hilfe. Aktuell gibt mir mein Chef die Meilensteine vor», so Beeli. 

Dieser Rückschritt habe ihn zuerst getroffen, sagt Nicola Beeli an diesem Frühlingsmorgen in Landquart. Mit standhaftem Blick fügt er an, sein Credo hingegen habe sich nicht geändert. Er will zurück in seine alte Position, wenn möglich mit einem 80-Prozentpensum. «Früher habe ich gesagt, ich kann mit hohem Einsatz alles erreichen im Leben. Seit dem Unfall hat sich der Einsatz erhöht.» 

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