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11. April 2022 | von Esther Galliker

Burn-out: Eine Berufskrankheit?

Viele Menschen leiden an einem Burn-out – doch was ist ein Burn-out überhaupt und wer bezahlt für Arbeitsausfälle aufgrund eines Burn-outs? Anja Zyska, Abteilungsleiterin Arbeitsmedizin bei der Suva, gibt Auskunft.

Inhalt

Kurz und bündig

  • Ein Burn-out ist ein anhaltender Erschöpfungszustand, der zu teils langdauernden Arbeitsausfällen führen kann.
  • Ein Burn-out gilt gesetzlich nicht als Berufskrankheit, da es meist verschiedene auch ausserberufliche Ursachen hat.
  • Die Suva bezahlt keine Leistungen für Burn-outs, da diese nicht als Berufskrankheit gelten.
  • Die Suva bietet aber diverse Präventionsworkshops zur Stressbewältigung und zum betrieblichen Gesundheitsmanagement an.
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Anja Zyska ist Abteilungsleiterin Arbeitsmedizin bei der Suva. Im Interview zeigt sie auf, warum ein Burn-out nicht als Berufskrankheit gilt und deshalb nicht gedeckt ist von der Unfallversicherung. Die Suva engagiert sich aber bei der Prävention von Stress am Arbeitsplatz und bietet Unterstützung für Betriebe, die ein aktives Gesundheitsmanagement für Ihre Mitarbeitenden etablieren wollen.

Was ist ein Burn-out?

Ein Burn-out ist ein Syndrom, das sich durch Energieverlust und emotionale Erschöpfung auszeichnet. Häufig ist es verbunden mit hohem Engagement, Stress und dem Willen, die eigene Leistungsfähigkeit um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Charakteristisch ist auch eine zunehmende mentale Distanz zur Arbeit, begleitet von negativen Gefühlen und Zynismus. Das führt dazu, dass man schlussendlich weniger leistungsfähig ist.  
Die Ursachen von Burn-outs liegen meistens gleichzeitig imBurn-out beruflichen sowie auch im privaten Umfeld.

Ist ein Burn-out eine Berufskrankheit?

Nein. Ein Burn-out wird versicherungstechnisch und arbeitsmedizinisch nicht als Berufskrankheit angesehen. Man bezeichnet es als eine «berufsassoziierte Gesundheitsstörung».

Was sind «berufsassoziierte Gesundheitsstörungen»?

Berufsassoziierte Gesundheitsstörungen sind gesundheitliche Probleme bei Berufstätigen, die nicht ausschliesslich und mehrheitlich durch die Arbeit, sondern durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. 
Ich mache Ihnen ein Beispiel: Ich habe Nackenschmerzen. Ist das jetzt auf meine alte Matratze zuhause oder meine schlechte Körperhaltung zurückzuführen, auf die Arbeitsplatzbedingungen oder darauf, dass ich während der Arbeit oft unter Zeitdruck stehe und angespannt bin? Die Ursache kann nicht eindeutig festgestellt werden und verschiedene berufliche sowie nicht-berufliche Ursachen sind gleichzeitig für die Nackenschmerzen verantwortlich.

Wann spricht man von einer Berufskrankheit?

Alle Berufskrankheiten sind in einer gesetzlich festgelegten Liste

  aufgeführt. Bei Erkrankungen, die auf der Liste der Berufskrankheiten stehen, muss der berufliche Anteil der Erkrankungsursachen 50 Prozent ausmachen. Eine Krankheit, die nicht auf dieser Liste steht, z.B. eine Depression, kann unter Umständen auch als Berufskrankheit anerkannt werden. Sie muss dann aber zu über 75 Prozent durch den Beruf verursacht sein.
Wenn eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, ist die Suva (bzw. der Unfallversicherer) verpflichtet, Versicherungsleistungen für diese Erkrankung zu übernehmen. 

Warum wird ein Burn-out nicht als Berufskrankheit anerkannt? 

Die Suva hält sich an ihren gesetzlichen Auftrag und kann nur Leistungen ausrichten, für welche eine gesetzliche Grundlage besteht. Nur Krankheiten, die ausschliesslich oder vorwiegend auf berufliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, können von der Unfallversicherung als Berufskrankheit übernommen werden. Da das bei einem Burn-out nicht der Fall ist, gilt es nicht als Berufskrankheit.

Tut die Suva trotzdem etwas, um berufsassoziierten Gesundheitsstörungen vorzubeugen?

Die Suva informiert und berät Unternehmen zum Thema «Psychosoziale Belastungen», dazu gehören beispielsweise Schlafprobleme oder Müdigkeit sowie auch Stress. Müdigkeit und Stress wirken sich auf das Unfallrisiko aus. Deshalb zeigt die Suva Unternehmen, wie sich diese Risikofaktoren positiv beeinflussen lassen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Seite «Psychische Faktoren, menschliches Verhalten».

Weitere Informationen zum Thema Burn-out und Stress:

Informationsbroschüre des SECO: Erschöpfung frühzeitig erkennen – Burn-out vorbeugen

.

Im Anti-Stress-Workshop der Suva lernen Mitarbeitende, Spannungen abbauen.

Im Workshop Ressourcen und Stress – lernen Führungspersonen, wie sie bei sich selber und ihren Mitarbeitenden Stress erkennen und Ressourcen stärken.

In den Lehrgängen und Kursen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement – BGM der Suva, lernen Mitarbeitende von Betrieben, ein professionelles Gesundheitsmanagement aufzubauen.

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