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Arbeitsgerüste: Vorschriften und Verantwortlichkeiten

Gerüstbau ist eine komplexe Angelegenheit. Die Arbeit auf einem Gerüst ist herausfordernd und gefährlich. Alle Beteiligten stehen in der Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten sowie die geltenden Gesetze und Normen.

Inhalt

Kurz und bündig

Absturzunfälle enden oft tödlich oder mit schwersten Verletzungen. Damit die Sicherheit gewährleistet ist, müssen alle Beteiligten – Planer, Ersteller und Nutzer – Verantwortung übernehmen. Dazu gehören eine sorgfältige Planung, die Einhaltung von Herstellervorgaben sowie die tägliche Überprüfung der Arbeitsgerüste.

Einige wichtige Regeln im Überblick:

  • Ab einer Absturzhöhe von drei Metern müssen Sie ein Fassadengerüst erstellen.
  • Der oberste Holm des Gerüsts muss die höchste Absturzkante um mindestens 80 cm überragen.
  • Befindet sich der Seitenschutz näher als 60 cm bei der Absturzkante, muss der oberste Holm diese um 100 cm überragen.

Wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, entsteht ein Gerüst, das sowohl die Anforderungen erfüllt als auch Sicherheit bietet.

Gemeinsam für mehr Sicherheit

Ohne Gerüste wären Hochbauarbeiten heutzutage undenkbar. Das gilt sowohl für Neubauten als auch für Gebäudesanierungen. Gerüste erleichtern dabei nicht nur die Arbeit, sie sorgen für Sicherheit für die Beschäftigten und die Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite gibt es nur wenig Arbeitsorte mit höheren Risiken. Die grössten Schwachpunkte sind:

  • Ungenügende Planung
  • Fehlende Abstimmung der Arbeitsabläufe
  • Missachtung der Anleitungen
  • Nachträgliche Änderungen während der Bauarbeiten
  • Fehlende Kontrolle und Instandhaltung

Es braucht die Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Planung, Erstellung und Benutzung, um Anforderungen an die Sicherheit für die Angestellten zu erfüllen. Die Verantwortlichen sind wegen des Bauablaufs (Projektierung, Vergabe und Ausführung) mit unterschiedlichen Aufgaben und Pflichten beteiligt.

Nachfolgend finden Sie eine detailliertere Beschreibung der Aufgaben der jeweiligen Beteiligten sowie die relevanten rechtlichen Grundlagen. 

Aufgaben der Beteiligten

Diese Rolle übernehmen meist Fachleute für die Planung und Bauleitung. Sie planen das Gerüst und erstellen die Ausschreibung (Devis) entsprechend den vorgesehenen Arbeitsverfahren, Arbeitsgattungen und dem Bauablauf. Dazu gehört unter anderem:

  • Sie holen Offerten ein und erteilen Zuschläge.
  • Sie koordinieren die Gerüstarbeiten gemäss dem Baufortschritt.
  • Sie übernehmen das Betriebsrisiko für das Gerüst nach «Werkvollendung» gemäss Obligationenrecht (OR).
  • Sie sind verantwortlich für Unterhalts- und Instandhaltungsarbeiten
  • Sie klären vorgängig ab, ob Materialpodeste für den Materialumschlag oder Anlieferung zur Verfügung stehen.
  • Falls notwendig planen sie planen Materialpodeste ein.

Diese Fachleute sind verantwortlich für den Aufbau, die Instandstellung und Erweiterung des Gerüsts gemäss dem Auftrag der Bestellerin oder des Bestellers. 

Nach Abschluss der Montage müssen sie das Gerüst (Werk) überprüfen und der Bestellerin oder dem Besteller übergeben. Nur sie dürfen Änderungen am Gerüst vornehmen. Weitere Verantwortlichkeiten:

  • Sie melden Lücken oder Mängel in der Ausschreibung der Bestellerin oder dem Besteller.
  • Sie erstellen das Gerüst nach den Regeln der Technik und den Vorgaben des Herstellers.
  • Sie erbringen bei Abweichungen von der Regelausführungen statische Nachweise.
  • Sie weisen auf Verlangen nach, dass das Gerüst alle einwirkenden Kräfte aufnehmen kann. Das gilt auch für den Auf- und Abbau.
  • Sie sperren nicht zur Benutzung freigegebene Arbeitsgerüste oder Bereiche davon ab (zum Beispiel mit Seitenschutz).

Die Fachleute, die schliesslich auf dem Gerüst arbeiten und auf dessen Sicherheit vertrauen müssen, haben ebenfalls gewisse Pflichten zu erfüllen:

  • Sie führen täglich eine Sichtkontrolle des Gerüsts durch.
  • Sie dürfen keine Änderungen am Gerüst vornehmen.
  • Sie melden festgestellte Mängel der Planerin oder dem Planer.
  • Bei festgestellten Mängeln müssen sie die Arbeit einstellen.

Der letzte Punkt ist wichtig, weil Mitarbeitende mit der Arbeitsaufnahme der Planerin oder dem Planer attestieren, dass das Gerüst in Ordnung ist.

Wichtige Masse

Gerüstbau ist Präzisionsarbeit. Informieren Sie sich über die wichtigsten Masse für die Planung und Erstellung von Fassadengerüsten.

  • Fassadengerüste sind Vorschrift im Hochbau ab einer Absturzhöhe von drei Metern.
  • Der oberste Holm muss die höchste Absturzkante um mindestens 80 cm überragen oder um mindestens 100 cm, wenn sich der Seitenschutz des Gerüsts näher als 60 cm bei der Absturzkante befindet.
  • Der Abstand zwischen Gerüst und Fassade darf am fertig montierten Gerüst nicht grösser sein als 30 cm.

Ausführliche Informationen zu Planung sowie Montage und Demontage von Gerüsten finden Sie in den unten aufgeführten Broschüren sowie in der  Broschüre «Fragen und Antworten zu Fassadengerüsten» der Suva und des Schweizerischen Gerüstbau-Unternehmer-Verbandes SGUV.

Rechtliche Grundlagen

Nachfolgend finden Sie zu den Themen Schutzgerüst und Fassadengerüst Vorschriften, Normen und Gesetze.

Bauarbeitenverordnung (BauAV)

Verordnung über die Unfallverhütung (VUV)

SIA-Norm

  • SIA-Norm 118 Allgemeine Bedingungen für Bauarbeiten
  • SIA-Norm 118/222 Gerüste: Leistung und Lieferung

Strafgesetzbuch (StGB) 

  • Art. 229
    Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde

Obligationenrecht (OR) 

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