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Gesundheitsgefahren bei der Desinfektion von Flächen und Instrumenten

Die Desinfektion von Gegenständen, Instrumenten und Flächen ist für die Infektionsprävention unerlässlich. Häufig werden chemische Desinfektionsmittel eingesetzt. Diese können allerdings bei unsachgemässer Anwendung die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden. Die richtigen Schutzmassnahmen reduzieren die Risiken deutlich.

Inhalt

Kurz und bündig

  • Viele Desinfektionsmittel können Haut, Atemwege und Augen reizen.
  • Einige Desinfektionsmittel können allergische Kontaktekzeme oder allergisch bedingte Atemwegserkrankungen verursachen.
  • Alkoholische Desinfektionsmittel bilden entzündliche Dämpfe. Das erhöht die Brand- und Explosionsgefahr.
  • Mit Schutzmassnahmen nach dem STOP-Prinzip reduzieren oder eliminieren Sie diese Risiken wirksam.

Mögliche Gefahren bei der Arbeit mit Desinfektionsmittel

Zur Desinfektion von Gegenständen, Instrumenten, Geräten und Flächen eines Raumes kommen sehr häufig chemische Verfahren mit Desinfektionsmitteln zur Anwendung. 

Bekannte Wirkstoffe sind: Aldehyde (Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal), Sauerstoffabspalter, Alkohole, Phenole, Amphotere, quaternäre Ammoniumverbindungen, Peroxidverbindungen, Alkylamin-Derivate sowie Biguanide.

Chemische Desinfektionsmittel reduzieren eine Infektionsgefahr, können jedoch die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden.

  • Hauterkrankungen: 
    • Desinfektionsmittel wirken hautreizend und entfettend. Dadurch können ekzemartige Reiz- und Abnutzungserscheinungen der Haut auftreten. Häufig ausgelöst durch die unsachgemässe Anwendung der Desinfektionsmittel (z. B. falsche Konzentration).
    • Einige Desinfektionsmittel können allergische Kontaktekzeme auslösen. Eine überempfindliche Haut (z. B. atopische Disposition) erhöht das Risiko zusätzlich.
  • Atemwegs- und Augenerkrankungen: 
    • Dämpfe und Aerosole aus Desinfektionsmitteln können die oberen und unteren Atemwege sowie die Augenbindehäute reizen. 
    • Niedrige Konzentrationen verursachen meist vorübergehende Beschwerden. 
    • Das ungeschützte Einatmen hoher Konzentrationen (z. B. bei Pannen) kann schwere Schleimhautentzündungen verursachen.
    • Sensibilisierende Inhaltsstoffe, insbesondere Formaldehyd, können allergische Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale auslösen. Allergisch bedingte Beschwerden können auch die Augenbindehäute betreffen.
  • Brand- und Explosionsgefahren: 
    • Alkoholische Desinfektionsmittel bilden entzündliche Dämpfe, die zu Bränden und Explosionen führen können.

Beachten Sie deshalb unbedingt die empfohlenen Schutzmassnahmen.

Allgemeine Schutzmassnahmen für die Desinfektion

  • Gestalten Sie Arbeitsabläufe so, dass der Hautkontakt mit Desinfektionsmitteln möglichst gering bleibt.
  • Verhindern Sie das Einatmen von Dämpfen und Aerosolen mit geeigneten Schutzmassnahmen.
  • Halten Sie immer die arbeitshygienischen Grenzwerte (MAK-Werte) ein. Im Zweifelsfall führen Sie Luftmessungen durch.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeitenden regelmässig für die Gefahren.
  • Instruieren Sie Ihre Mitarbeitenden in den notwendigen Schutzmassnahmen.

Schutzmassnahmen für den Umgang mit Desinfektionsmitteln

Substitution: Gefährliche Stoffe und Verfahren ersetzen

Der wirksamste Schutz ist, gesundheitsgefährdende Stoffe und Verfahren durch weniger gefährliche Alternativen zu ersetzen.

Desinfektionsmittel:

  1. Ermitteln Sie, welche Desinfektionsmittel Sie einsetzen. Prüfen Sie deren Inhaltsstoffe. Nutzen Sie dazu die Checkliste «Gesundheitsgefährdende Chemikalien im Betrieb».
  2. Identifizieren Sie mögliche Gefahren anhand des Sicherheitsdatenblatt (H-Sätze).
  3. Ersetzen Sie gesundheitsgefährdende Stoffe durch weniger gefährliche Alternativen, wenn möglich.

Desinfektionsverfahren: 

Prüfen Sie, ob Sie bei der Desinfektion von Instrumenten ein thermisches Verfahren anstelle eines chemischen Verfahrens anwenden können. Thermische Verfahren hinterlassen keine gesundheitsschädlichen Rückstände und belasten Mitarbeitende nicht durch Chemikalien. Hinweis: Achten Sie beim Kauf von Instrumenten auf hitzebeständige Teile.

Richtiger Umgang mit Desinfektionsmitteln

Für einen wirksamen Schutz der Mitarbeitenden ist der richtige Umgang mit Desinfektionsmitteln entscheidend. Beachten Sie deshalb:

  • Befolgen Sie die Vorschriften des liefernden oder herstellenden Betriebs sowie der zuständigen Person für die Hygiene.
  • Halten Sie die vorgeschriebenen Konzentrationen bei Desinfektionsmitteln strikt ein. 
  • Verzichten Sie auf Sprühdesinfektion. Desinfizieren Sie Flächen im Scheuer-Wisch-Verfahren.
  • Aldehydhaltige Lösungen: Setzen Sie diese nicht mit heissem Wasser an. Spülen Sie diese nicht mit heissem Wasser ab. 
  • Tragen Sie Handschuhe bei möglichem Hautkontakt. Wählen Sie Handschuhe aus einem Material, das Chemikalien standhält (z. B. Nitril).
  • Verwenden Sie Hautschutzmittel vor und während der Arbeit. Beachten Sie die Hautschutzmassnahmen Ihres Betriebs.
  • Pflegen Sie Ihre Hände. Verwenden Sie milde Seifen und cremen Sie Ihre Hände regelmässig ein.
  • Flüchtige Desinfektionsmittel: Sorgen Sie für eine gute Lüftung. Betreiben Sie die Ventilationsanlage während dieser Arbeiten auf der höchsten Stufe. Nutzen Sie, wenn möglich, Reinigungsmaschinen die überschüssige Desinfektionsmittel aufsaugen.
  • Bei Spritzgefahr: Tragen Sie eine Schutzbrille oder ein Visier, wie etwa beim offenen Umgang mit Desinfektionsmittelkonzentraten oder der manuellen Endoskop- und Instrumentenreinigung.
  • Endoskop- und Instrumentendesinfektion: Setzen Sie möglichst automatisierte Verfahren ein. 
  • Desinfektion von Instrumenten: Decken Sie die Desinfektionswannen ab.
  • Überprüfen Sie bei der Verwendung hoher Konzentrationen von Desinfektionsmitteln die Einhaltung der Grenzwerte mittels Luftmessungen. Tragen Sie bei Überschreitung dieser Werte eine Atemschutzmaske.

Alkoholische Desinfektionsmittel:

  • Setzen Sie diese nur für kleine Flächen, wie Geräte oder Tischplatten, ein. Verwenden Sie diese nicht für Fussböden oder Wände.
  • Tragen Sie alkoholische Desinfektionsmittel nie auf heissen Flächen oder an heissen Geräten und Instrumenten auf.
  • Achten Sie darauf, dass während der Desinfektion mit Alkohollösungen keine elektrischen Schaltvorgänge oder Laserbehandlungen vorgenommen werden.

Massnahmen nach der Kontamination mit Desinfektionsmitteln

  • Bei Kontakt mit der Haut: Spülen Sie die betroffenen Hautstellen sofort mit viel Wasser.
  • Bei Kontakt mit den Augen: Spülen Sie die Augen 10 bis 15 Minuten unter fliessendem Wasser. Suchen Sie bei Unsicherheit einen Arzt/eine Ärztin auf.
  • Bei grossflächigem Kontakt mit der Kleidung: Wechseln Sie diese Kleidungsstücke umgehend.

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