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Instruktion als Brücke in die Praxis

David Löhmann hat in den vergangenen drei Jahren die Arbeitssicherheit bei der V-ZUG weiter aufgebaut. Dies mit der Unterstützung des Managements, das klar vorgibt: Sicherheit kommt immer vor Liefertermin und Kosten. Instruktionen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Text: Stefan Joss; Fotos: Thomas Egli
31.08.2026
ca. 4 min

Inhalt

Kurz und bündig

«Arbeitssicherheit ist keine Einzelleistung des Sicherheitsbeauftragten. Es ist eine Unternehmensleistung», sagt DavidLöhmann von V-ZUG. In dreiJahren hat er die Sicherheit im Unternehmen an vier Hebeln gestärkt:

  • Infrastruktur und technische Massnahmen
  • Ressourcen
  • Managementsystem
  • Kultur

Mit Instruktionen schlägt er die Brücke von der Theorie in die Praxis. Lesen Sie hier den ganzen Bericht.

Alle sind für Sicherheit verantwortlich

Seit drei Jahren arbeitet David Löhmann bei der V-ZUG AG, heute als Head of Global Safety Management. Somit trägt er allein die gesamte Verantwortung für die Sicherheit im Unternehmen. «Eben nicht», erwidert der Süddeutsche mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen. «Wir haben Arbeitssicherheit dezentralisiert. Das ist keine Einzelleistung des Sicherheitsbeauftragten (SiBe). Es ist eine Unternehmensleistung.»

Als er bei der V-ZUG als Fachspezialist Arbeitssicherheit startete, sei das anders gewesen, erklärt er nun mit ernsterer Miene: Die vorherrschende Meinung war, dass die gesamte Verantwortung für Sicherheit beim SiBe parkiert sei. «Heute befähigen wir Mitarbeitende auf allen Stufen, sich bei Sicherheitsfragen selbst zu helfen.» 

Vom Missionar zum Befähiger

Löhmann hat in Deutschland Safety & Security Engineering studiert und kam 2022 in die Schweiz. Er sieht sein Team und sich als Ermöglicher und Befähiger. «Mein Team und ich legen alle Tools, Angebote und Informationen zum Thema Sicherheit auf den Tisch. Mitarbeitende und Führungskräfte können davon profitieren.»

So zum Beispiel bei den Schulungen: 2000 Mitarbeitende selbst zu schulen, sei illusorisch. Löhmann hat die Schulungsorganisation automatisiert und in einen reibungslosen Ablauf gebracht. Eine Software zeigt den Teamleitenden auf einen Blick den Stand der Ausbildungen ihrer Mitarbeitenden. Diese erfahren direkt, wenn eine Schulung ansteht, und melden sich selbständig an. 

Die vier strategischen Ebenen der Sicherheit

David Löhmann war es wichtig, das Thema Sicherheit auf vier Ebenen strategisch anzugehen. 

  • Infrastruktur und technische Massnahmen: Sie bilden die Grundlagen für sicheres Arbeiten. 
  • Ressourcen: 30 Mitarbeitende wurden zu Kontaktpersonen Arbeitssicherheit (KOPAS) ausgebildet. Diese dürfen 10 Prozent ihres Pensums für Arbeitssicherheit aufwenden. 
  • Managementsystem: Nebst den Schulungen wird Sicherheit gemessen und jede Abteilung hat Zugriff auf ihre wichtigsten Kennzahlen (Safety-Performance-Messungen) – zwei Beispiele aus dem Managementsystem rund um die Sicherheit. 
  • Kultur: Sie zu beeinflussen, dauert fünf bis zehn Jahre. Löhmann hilft die Haltung des Managements, das immer wieder vermittelt «Sicherheit kommt vor Lieferfähigkeiten und Kosten. Immer.»

Instruktion als Brücke

Ein für Löhmann zentrales Element sind Instruktionen: Sie gehen auf ganz konkrete Gefährdungen im Betrieb ein. «Damit schlagen wir die Brücke vom theoretischen Wissen zur praktischen Arbeit vor Ort.» 

Selten würden Mitarbeitende bei einer Instruktion sagen: «Oh wow, danke für diese Information. Das habe ich gar nicht gewusst.» Den Mitarbeitenden sei schon klar, dass sie im Umgang mit scharfen Rohmaterial Schnittschutzhandschuhe anziehen sollten oder, dass ein Gehörschutz gegen Lärm hilft. «Dennoch ist die Instruktion zentral, denn sie unterstreicht die Wichtigkeit genau dieser Sicherheitsmassnahme in den genau dieser Situation.» 

In Suva-Videos zeigt Löhmann auf, wie Instruktionen in fünf Schritten vorbereitet, durchgeführt und überprüft werden können. 

 

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Aufmerksamkeit lenken

«Sicherheit wird bei uns immer wieder von Neuem thematisiert», erklärt Löhmann. Zum Beispiel in einem niederschwelligen Safety-Talk. Eine KOPAS beobachtet zusammen mit der Teamleitung einer Person wenige Minuten bei der Arbeit und gibt anschliessend positives und kritisches Feedback. Die Person definiert eine Verbesserungsmassnahme für ihren Arbeitsplatz. Die vorgesetzte Person überprüft später, ob die Massnahme umgesetzt ist. So bezieht Löhmann die gesamte Organisation in das ASGS-System ein und das Thema bleibt präsent.

An Mitarbeiterveranstaltungen positioniert die Geschäftsleitung die Sicherheit immer wieder neu als wichtigstes Ziel im Unternehmen. «Hier gibt es keine Toleranz. Keine Führungskraft geht bei uns zu einem Geschäftleitungsmitglied und sagt, sie hätten wegen Zeit- oder Kostendruck Sicherheitsaspekte nicht berücksichtigen können. Hier braucht es eine klare Linie: Führungskräfte müssen zur Not auch die Produktion stoppen, wenn es gefährlich ist.»

Mit dem Zwischenstand zufrieden

«Wir sind gut unterwegs», bilanziert David Löhmann. V-ZUG verzeichnet nach wie vor Unfälle, aber die schweren Unfälle haben in der letzten Zeit abgenommen. Und mit der aufgebauten Organisation könne er rasch auf neue Situationen reagieren. Er und sein Team würden weiterhin daran arbeiten, dass die Mitarbeitenden sich bei Sicherheitsfragen selbst helfen können. «Denn», sagt Löhmann und wieder sein Lächeln auf, «für Sicherheit sind im Unternehmen eben alle verantwortlich.»

Vier Instruktionstipps von David Löhmann

  1. Eine gute Instruktion braucht Vorbereitung. Machen Sie sich zum Beispiel Gedanken, zu wem Sie sprechen und passen Sie die Wortwahl dem Zielpublikum an. 
  2. Es lohnt sich, Gefahren klar zu benennen und dabei einfach und konkret zu sein.
  3. Um Aufmerksamkeit zu gewinnen, nutzen Sie zur Illustration reale Unfälle und Beinaheunfälle am eigenen Standort. Das erhöht die Betroffenheit der Mitarbeitenden. 
  4. Zeigen Sie den Mitarbeitenden auf, was ein Unfall ungefähr kostet. 

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