Prämien 2027 bleiben tief: 7 Fragen an CFO Alexander Kohler
Die durchschnittlichen Prämien in der Berufsunfall- und in der Nichtberufsunfallversicherung bleiben 2027 auf tiefem Niveau stabil. Die Versicherten profitieren von Erstattungen aus Überschüssen von rund 771 Millionen Franken. Suva-Finanzchef Alexander Kohler erklärt im Interview, was hinter den Zahlen steckt.
Inhalt
Kurz und bündig
- Die Suva ist finanziell sehr solide aufgestellt.
- In der Berufsunfallversicherung (BUV) und in der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) bleiben die Prämien im Jahr 2027 stabil auf tiefem Niveau.
- Die versicherten Betriebe profitieren von Erstattungen aus Überschüssen: insgesamt 771 Millionen Franken.
- Der Verwaltungskostenzuschlag wird angepasst.
Zum Interview
Alexander Kohler ist seit 1. Juli 2026 Leiter des Departements Finanzen und Informatik und Mitglied der Geschäftsleitung der Suva. Im Interview erfahren Sie, warum tiefe Prämien nicht selbstverständlich sind.
Alexander Kohler, Sie kommunizieren die Prämienentwicklung zum ersten Mal als Finanzchef der Suva. Was steht dabei für Sie im Vordergrund?
Im Vordergrund steht für mich, dass die Suva die Prämienbelastung in den letzten 15 Jahren von rund 3 Prozent auf 1,8 Prozent der Lohnsumme gesenkt hat. Diese Entwicklung zeigt, dass das «Modell Suva» funktioniert: Die Suva ist nicht gewinnorientiert. Mögliche Überschüsse kommen den Versicherten direkt zugute.
Die Suva erstattet 2027 insgesamt 771 Millionen Franken. Wie kommt dieser Betrag zustande?
Wenn es die finanzielle Lage erlaubt, geben wir Überschüsse als Prämienabzug an unsere Versicherten weiter. Im Jahr 2027 sind das insgesamt rund 771 Millionen Franken.
Der grösste Teil stammt aus überschüssigen Kapitalerträgen: 709 Millionen Franken. Grundlage dafür sind die guten Anlageergebnisse der vergangenen Jahre. Das entspricht einem Prämienabzug von 20 Prozent für die versicherten Betriebe.
Weitere 62 Millionen Franken stammen aus den Ausgleichsreserven. Das sind die kumulierten Überschüsse aus dem Versicherungsbetrieb. Sie entstehen, wenn die Ausgleichsreserven in einzelnen Risikoklassen deutlich über dem Zielwert liegen. Zum Beispiel wegen eines besonders günstigen Schadenverlaufs. In solchen Fällen geben wir die überschüssigen Ausgleichsreserven in der entsprechenden Risikoklasse ebenfalls als Prämienabzug zurück .
Wichtig: Es handelt sich um ausserordentliche Erstattungen. Diese sind nur möglich, wenn es unsere finanzielle Lage erlaubt. Sie sind also kein Normalfall – auch wenn solche Erstattungen seit 2019 jährlich vorgekommen sind.
Im Jahr 2027 bleiben die Bruttoprämien in der BUV und der NBUV auf tiefem Niveau stabil. Ist das ein gutes Ergebnis?
Ja. Wir haben die Prämien in den letzten Jahren erheblich gesenkt. Auch dank den bereits erwähnten ausserordentlichen Erstattungen. Dass wir dieses Niveau auch 2027 halten können, ist erfreulich.
Für den Werkplatz Schweiz zählt vor allem die Gesamtwirkung: Die Bruttoprämien bleiben tief. Für die einzelnen Betriebe kann die Entwicklung verschieden sein. Das hängt von der Branche, dem Risiko und dem individuellen Schadenverlauf ab.
Bleiben die Prämien auch in den nächsten Jahren so tief?
Das wäre zu wünschen. Wir setzen alles daran, eine stetige Prämienentwicklung zu erreichen. Aber das können wir leider nicht garantieren. Die Prämien liegen zurzeit tiefer, als sie normalerweise zur Deckung der Unfallkosten nötig sind. Sind die Erstattungen aus Überschüssen ausgeschöpft, kehren die Prämien mittelfristig wieder auf ihr normales Niveau zurück.
Unser wichtigstes Ziel ist, die Ansprüche der Versicherten jederzeit und lebenslang zu schützen. Genau deshalb müssen die Prämien langfristig so ausgestaltet sein, dass wir unsere Leistungen zuverlässig erbringen können.
Die durchschnittlichen Prämien bleiben zwar stabil, gleichzeitig steigt aber der Verwaltungskostenzuschlag in der BUV. Wieso diese Erhöhung?
Ich verstehe gut, dass eine Erhöhung nicht auf Begeisterung stösst. In der Berufsunfallversicherung (BUV) steigt der Zuschlag um 1,5 Prozentpunkte der Nettoprämien. In der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) hingegen sinkt er leicht um 0,25 Prozentpunkte. Grund dafür ist die Entwicklung der Nettoprämien. Das sind die Prämien ohne Zuschläge und ausserordentliche Erstattungen. In der BUV sind diese in den letzten Jahren deutlich gesunken.
Der Grund ist, dass der Verwaltungskostenzuschlag an die Nettoprämien gekoppelt ist. Sinken die Nettoprämien, sinken auch die Einnahmen zur Finanzierung des Versicherungsbetriebs und der Schadenerledigung.
Damit wir unsere Leistungen weiterhin zuverlässig in der gewohnten Qualität erbringen können, passen wir den Zuschlag in der BUV ab 1. Januar 2027 an. Wir prüfen den Verwaltungskostenzuschlag regelmässig. Über die Höhe entscheidet am Ende der Suva-Rat als Vertretung der Versicherten.
Alexander Kohler, Leiter Dept. Finanzen und Informatik
«Die Prämien 2027 zeigen, dass das «Modell Suva» funktioniert. Es ist konsequent auf die Versicherten ausgerichtet.»
Heisst ein höherer Zuschlag auch, dass die Verwaltung der Suva teurer geworden ist?
Im Gegenteil: Die Suva hat in den letzten Jahren deutlich mehr Betriebe versichert und mehr Fälle bearbeitet. Trotzdem sind die Verwaltungskosten nahezu gleich geblieben.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Zwischen 2016 und 2025 ist die Zahl der versicherten Betriebe um 11 Prozent gestiegen. Die Verwaltungskosten haben sich im gleichen Zeitraum aber nur um 0,5 Prozent erhöht. Das zeigt: Die Suva arbeitet effizient und geht sorgfältig mit den Mitteln der Versicherten um.
Was ist Ihre wichtigste Botschaft als CFO an die versicherten Betriebe?
Die Suva bleibt eine verlässliche Partnerin. Wir setzen alles daran, die Prämien risikogerecht und stabil zu halten. Gleichzeitig investieren wir in Prävention, Versicherung und Reha. Denn jeder verhinderte Unfall und die rasche Rückkehr Betroffener an den Arbeitsplatz hilft den Menschen, den Betrieben und dem Werkplatz Schweiz.
Prämientarif und Prämiensätze 2027
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