Der Prämiensinkflug hat uns geholfen, innovativ zu bleiben
Zwischen Holzstaub und Hightech-Maschinen zählt bei der Hunziker AG Thalwil jeder Franken. Der Familienbetrieb am Zürichsee investiert laufend in Innovation und Sicherheit, und profitiert davon, dass die Suva Überschüsse an die Versicherten weitergibt. Was «nicht gewinnorientiert» heisst, erklärt Finanzchefin Nicole Giezendanner-Hunziker.
Inhalt
Kurz und bündig
Am Beispiel der Hunziker AG Thalwil wird sichtbar, welchen Unterschied es für ein Unternehmen macht, dass die Suva nicht gewinnorientiert ist.
- rund 70 Mitarbeitende, Familienbetrieb in fünfter und sechster Generation
- Seit 2020 circa 170 000 Franken Erstattungen und Prämienreduktionen
- Investitionen in automatisierte Maschinen entlasten Mitarbeitende und senken Kosten
- Unfallrisiko seit 2017 unter dem Branchendurchschnitt
- Prävention und frühe Wiedereingliederung stärken Betrieb und Belegschaft
Nicole Giezendanner-Hunziker, Finanz- und Personalchefin der Hunziker AG Thalwil, gibt Einblicke.
In den Arbeitshallen der Hunziker AG Thalwil herrscht Betrieb. Maschinen surren, Platten werden präzise zugeschnitten, Mitarbeitende mit Gehörschutz arbeiten konzentriert an Werkbänken. Markierte Laufwege strukturieren den Raum. Alles hat seinen Platz.
Ein Stock tiefer ist die Produktionshalle für Wandtafeln, die Kernkompetenz der Hunziker AG Thalwil. Ein Produkt, das Nicole Giezendanner-Hunziker am Herzen liegt: «Wandtafeln sind langlebig und unkompliziert im Unterhalt. Sie sind im Schulbetrieb auch im digitalisierten 21. Jahrhundert nicht wegzudenken.»
Nicole Giezendanner-Hunziker ist Leiterin Finanzen und Personal und Mitglied der fünfköpfigen Geschäftsleitung des Familienunternehmens, die sich aus der fünften und sechsten Generation zusammensetzt. «Wir sind ein Handwerksbetrieb. Unsere Marge entsteht nicht irgendwo im Digitalen, sondern hier in diesen Hallen», so die Finanzchefin.
Innovativ dank Prämiensenkung
Der Familienbetrieb beschäftigt rund 70 Mitarbeitende. Seit 1876 produziert das Unternehmen Wandtafeln, Schul- und Büromobiliar und bietet hochwertige Schreinerarbeiten. Ein grosser Teil der Aufträge kommt aus dem öffentlichen Beschaffungswesen, dort entscheidet oft der Preis. «An den Margen lässt sich nicht einfach drehen», sagt Giezendanner. «Deshalb müssen wir die Kostenseite gut im Auge behalten.»
Für einen Betrieb wie Hunziker zeigt sich konkret, was das nicht gewinnorientierte Modell der Suva bedeutet. Seit 2020 profitiert die Schreinerei von ausserordentlichen Erstattungen aus Überschüssen von Kapitalerträgen in der Berufs- und Nichtberufsunfallversicherung. Insgesamt summieren sich die Einsparungen auf rund 170 000 Franken. Jährlich entspricht das etwa 25 000 bis 30 000 Franken.
Nicole Giezendanner-Hunziker
«Unabhängig von der Höhe: Für uns ist das ein willkommener Beitrag – gerade in Zeiten, in denen alles teurer wird. Alle Einsparungen, inklusive Prämienreduktionen, machen den Unterschied.»
Investition in Plattenaufteilsäge
Der Unterschied steht in der untersten Produktionsetage und füllt einen Viertel der grossen Halle. Es die neuste Maschine im Maschinenpark der Hunziker AG Thalwil: eine Plattenaufteilsäge mit automatisiertem Flächenlager. Eine Anlage, die die angelieferten Holzplatten selbstständig sortiert und für das Zuschneiden präzise auf den jeweiligen Auftrag vorbereitet.
«Solche Investitionen sind entscheidend», sagt Giezendanner. «Sie erhöhen die Effizienz und senken langfristig unsere Kosten. Darüber hinaus schont die neue Maschine auch die Gesundheit. Sie entlastet unsere Mitarbeitenden physisch, weil sie nicht mehr mit schweren Holzplatten hantieren.» Die Zukunft heisst für das Unternehmen Automatisierung, Digitalisierung und ökologische Nachhaltigkeit.
Wenn Überschüsse Betriebe entlasten
Das Prinzip dahinter ist einfach: Die Suva ist nicht gewinnorientiert. Erzielt sie Überschüsse, gibt sie diese als Prämienreduktion an die versicherten Betriebe weiter. Wie hoch die Prämienreduktion ist, entscheidet der Suva-Rat. Für die Firma Hunziker bedeutet das: weniger Belastung durch Versicherungsprämien ohne Abstriche bei den Leistungen.
«Wenn im August die Verfügung mit den neuen Prämiensätzen kommt, fliesst das direkt in unsere Budgetierung fürs Folgejahr ein», erklärt Giezendanner.
«Man spürt die Prämienreduktion nicht wie einen Lottogewinn, aber sie stabilisiert unsere Kosten.»
Nicole Giezendanner-Hunziker
Prävention lohnt sich
Noch wichtiger als Prämienreduktionen ist für Nicole Giezendanner-Hunziker jedoch etwas anderes: die Sicherheit der Mitarbeitenden. Seit 2017 liegt das Unfallrisiko des Betriebs unter dem Branchendurchschnitt. Und sinkende Unfallkosten wirken sich im Bonus-Malus-System direkt auf die Prämienhöhe aus. «Als Arbeitgeberin tragen wir Verantwortung für unser Personal», sagt sie. «An erster Stelle steht die Gesundheit unserer Mitarbeitenden. Die Prämienreduktion ist ein positiver Nebeneffekt.»
Die stetige Sensibilisierung der Mitarbeitenden sei zentral. Sicherheitsinstruktionen, klare Abläufe, markierte Laufwege in der Werkhalle. Prävention ist gut, aber es brauche auch permanente Aufmerksamkeit und Zeit.
«380 000 Franken an indirekten Kosten durch Unfälle - das ist ein Betrag, den wir lieber anderweitig einsetzen.»
Nicole Giezendanner-Hunziker
Prävention lohnt sich. Das zeigt eine andere Zahl: Seit 2020 haben Berufs- und Nichtberufsunfälle im Betrieb indirekte Kosten von rund 380 000 Franken verursacht. Diese Kosten umfassen Ausfallzeiten, organisatorischen Mehraufwand und Produktivitätsverluste, also Kosten, die über Taggelder und Heilkosten hinausgehen.
«Diese Zahl ist hoch», sagt Giezendanner offen. «Und sie zeigt, dass jeder Unfall Kosten verursacht, die am Ende in der Kasse fehlen.»
Auch Freizeitunfälle im Blick
Freizeitunfälle sind statistisch häufiger als Berufsunfälle. Eingreifen könne man als Arbeitgeberin nicht. «Wir können unseren Leuten nicht vorschreiben, was sie in der Freizeit tun», sagt Giezendanner. «Aber wir können sensibilisieren. Je bewusster wir mit Gefahren umgehen, desto besser.» Ein Präventions-Workshop zur persönlichen Unfallprävention Persönliche Unfallprävention mit der Suva ist schon angedacht.
Wiedereingliederung mit Augenmass
«Es ist wichtig, dass Verunfallte Schritt für Schritt wieder Teil des Arbeitsalltags werden», sagt Giezendanner. Wenn ein Unfall passiert, setzt das Unternehmen auf frühe Wiedereingliederung. Es bietet Schonarbeitsplätze und flexible Lösungen in Absprache mit Ärzten und Ärztinnen an. «Am Ende profitieren alle», sagt Nicole Giezendanner. «Unsere Mitarbeitenden, weil wir in Sicherheit investieren. Und wir als Betrieb, weil wir wirtschaftlich stabil bleiben.» Dieses Jahr feiert die Hunziker AG Thalwil ihr 150-jähriges Jubiläum. Wenn die Finanz- und Personalchefin einen Wunsch frei hätte, dann unfallfrei durchs Jubiläumsjahr zu kommen und es auch in Zukunft zu bleiben.