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21. Dezember 2023 | von Dominique Schuetz

Machen Sie Ihren Betrieb sturmsicher

Bei einem Unwetter können Krane umkippen, Baugerüste einstürzen und Gegenstände herumfliegen. Das gefährdet Ihre Mitarbeitenden ebenso wie unbeteiligte Personen. Deshalb sollten Sie auf Nummer sicher gehen und Ihr Unternehmen auf Stürme und Gewitter vorbereiten. Wie das geht, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Inhalt

      Kurz und bündig

      In der Schweiz müssen Arbeitgebende für sichere Arbeitsplätze sorgen. Doch bei starken Winden und Niederschlägen verwandeln sich Baustellen, Wälder und Hänge in regelrechte Gefahrenzonen. 

      So vermeiden Sie Unfälle und Sturmschäden:

      • Integrieren Sie unseren 9-Punkte-Plan in Ihr Betriebskonzept.
      • Reagieren Sie bei einem sich abzeichnenden Unwetter frühzeitig.
      • Machen Sie Ihre Mitarbeiten darauf aufmerksam, dass sie Wetterwarnungen auch in der Freizeit ernst nehmen.

      Was bedeutet ein Unwetter für Ihren Betrieb?

      In der Schweiz und auch in der übrigen Welt häufen sich die Wetterextreme. Stürme und Gewitter stellen eine reale Gefahr für all jene dar, die an exponierten Stellen im Einsatz stehen. Dass man Baustellen sichert, ist naheliegend. Aber das Augenmerk sollte man auch auf Mitarbeitende richten, die im steilen Gelände, auf Dächern, unter Bäumen oder auf Hochspannungsfreileitungen arbeiten.

      Damit Sie gut auf das nächste Unwetter vorbereitet sind, haben wir einen 9-Punkte-Plan entwickelt. Er lässt sich einfach in den Betriebsalltag integrieren und trägt wesentlich dazu bei, tragische Unfälle und materielle Schäden durch Stürme und Gewitterzellen zu vermeiden. 

      In diesem Beitrag behandeln wir folgende Themen:

      • Den 9-Punkte-Plan mit folgenden Schritten:Erste MassnahmeWetter-App Wetter und PlanungVor dem SturmInfrastruktur Arbeiten im FreienMaterial AufräumenDie lebenswichtigen Regeln
      • Weitere Infos und Tipps Kleine Wetterkunde mit FAQ

      Vom Winde verweht

      Stürme und Gewitter – aber auch vereinzelte starke Windböen – können auf sowie neben Baustellen zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Ganz egal, zu welcher Jahreszeit. Ribi lässt einen Bauführer, einen Polier und einen Bauarbeiter in Extremsituationen erklären, wie die Gefahren minimiert werden können.

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      Bei Sturm und Gewitter heisst es: STOPP!

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      Wenn sich ein Unwetter ankündigt, Arbeiten sofort einstellen.

      Unabhängig davon, ob Ihr Team Bäume schneidet, eine Fassade renoviert oder Photovoltaik-Elemente montiert – bei einem aufziehenden Gewitter oder Sturm sagen Sie frühzeitig STOPP. Wenn Sie zu spät oder gar nicht reagieren, kann das schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

      Als Arbeitgebende stehen Sie in der Pflicht, für sichere Arbeitsplätze zu sorgen. Doch wenn Petrus alle Register zieht, sind exponierte Stellen im Freien alles, bloss nicht sicher. Dabei werden nicht nur Baustellen oder Wälder zu Gefahrenzonen. Wenn z.B. in kurzer Zeit grosse Mengen an Wasser niedergehen, führt das zu rutschigen Böden und instabilen Hängen. Deshalb: Schicken Sie alle Teammitglieder, die im Freien arbeiten, frühzeitig nach Hause oder in die Werkstatt, und warten Sie, bis sich die Wetterlage beruhigt hat.

      Unwetterwarnung via Wetter-App

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      Die App warnt frühzeitig, wenn sich das Wetter über der Schweiz verdüstert.

      Damit Sie sich und Ihre Mitarbeitenden schützen können, müssen Sie zuerst einmal wissen, wann ein Sturm aufzieht. Ein unverzichtbarer Helfer ist die Wetter-App. Installieren Sie diese auf Ihrem Smartphone, und aktivieren Sie den Alarm. So können Sie reagieren, bevor sich schwarze Gewitterwolken über den Köpfen Ihres Teams türmen und erste Blitze einschlagen.

      Machen Sie eine regelmässige Beobachtung der Wettersituation zur Routine. Auf diese Weise beugen Sie nicht nur Unfällen vor, sondern wenden auch materiellen Schaden ab. Wetter-Apps gibt es sowohl für Android als auch für iOS.

      Sturm, Wind und Wetter als Teil der Planung

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      Wer Wetterextreme einplant, kann schneller reagieren.

      Binden Sie allfällige Unwetter in Ihr Sicherheitskonzept und Ihre Notfallplanung ein. Je nachdem, ob gefährliche Winde, Starkregen oder Gewitter mit Blitzen drohen – so wissen Sie stets, was zu tun ist. Und selbst wenn sich ein unerwarteter Wetterumschwung andeutet, können Sie schnell und effizient reagieren und die geforderten Sicherungsmassnahmen einleiten. 

      Sturmschäden vermeiden

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      Vor dem Sturm alles sichern, was nicht niet- und nagelfest ist.

      Stürme, Gewitter und heftige Windböen können auf und neben einer Baustelle zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Und das zu jeder Jahreszeit. Nicht nur, aber besonders für Baustellen gilt deshalb: Alles, was Sturmwinden nicht standhält, muss gesichert werden. 

      Fegen Winde mit hoher Geschwindigkeit über das Land oder durch die Strassen, können sich unzureichend befestigte Elemente loslösen und in regelrechte Geschosse verwandeln. Auch Abschrankungen und Baumaterialien, die unkontrolliert herumfliegen, sind äusserst gefährlich. Bei grossflächigen Objekten gilt das übrigens nicht nur bei einem ausgewachsenen Sturm. Nur schon heftige Windstösse reichen aus, damit unzureichend gesicherte Schalungselemente umstürzen.

      Wenn Sie befestigen, was sich befestigen lässt, schützen Sie Ihre Mitarbeitenden, mindern materielle Verluste und müssen weniger Zeit in Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten investieren. Im Video Vom Winde verweht befragt Ribi einen Bauführer, einen Polier und einen Bauarbeiter, wie sie ihre Baustelle so sichern, dass sie auch ein Sturmtief heil übersteht. 

      Die Infrastruktur sturmfest machen

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      Wer die Infrastruktur von Anfang an auch auf Unwetter ausrichtet, verhindert teure Sturmschäden.

      Es passiert zum Glück nicht oft, kommt aber immer wieder vor: Wenn das Wetter verrückt spielt, können Gerüste einstürzen, Krane und Hubarbeitsbühnen umkippen. Dagegen gibt es ein Mittel: Planen und erstellen Sie die Infrastruktur von Anfang an so, dass auch bei gefährlichen Wetterereignissen mit hohen Windgeschwindigkeiten möglichst keine Schäden entstehen.Ein regelkonform erstelltes Gerüst übersteht Böenspitzen von 114 km/h ohne wesentliche Probleme. Allerdings nur dann, wenn niemand die notwendigen Gerüstverankerungen löst. Meist sind es solche unberechtigten Änderungen, die bei schwerem Wetter Gerüste zum Einsturz bringen. 

      Wie Sie Gerüste planen und erstellen, die auch bei stürmischen Bedingungen die Bodenhaftung nicht verlieren, können Sie in unserem Merkblatt nachlesen. Und eine weitere Broschüre zeigt auf, wie Sie Turmdrehkrane installieren und montieren, sodass sie auch starken Winden trotzen.

      Bei einem Unwetter tabu: exponierte Stellen

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      Wer bei Sturm an exponierten Orten im Freien arbeitet, riskiert sein Leben.

      Wenn es blitzt und donnert, stürmt und giesst, sind Arbeitsplätze in Kranen, auf Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen nur etwas für Lebensmüde. Lesen Sie die Betriebsanleitung des jeweiligen Arbeitsmittels, dann wissen Sie, bei welchen Windstärken diese noch sicher sind. Dabei braucht es noch nicht einmal einen Sturm, damit Sie handeln müssen. Erreichen Winde Geschwindigkeiten von 35 bis 45 km/h, darf beispielsweise auf Gerüsten nicht mehr mit grossflächigen Gegenständen gearbeitet werden.

      Erst das Material prüfen, dann weiterarbeiten

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      Nach einem Sturm ist eine gründliche Sicherheitsüberprüfung angezeigt.

      ENicht nur während eines Unwetters sind Baustellen gefährliche Arbeitsorte. Auch danach kann die Situation Leib und Leben bedrohen. Deshalb darf Ihr Team erst wieder Hand anlegen, nachdem die Hilfsmittel auf ihre Sicherheit hin überprüft wurden. Bei Gerüsten ist eine Inspektion durch den Hersteller notwendig, um allfällige Schäden festzustellen. Erst wenn diese instand gestellt und freigegeben wurden, sind Ihre Mitarbeitenden sicher und können gefahrlos weitermachen.

      Aufräumen nach Gewittern und Stürmen

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      Aus Sicherheitsgründen gilt: Aufräumen erst nach dem Unwetter.

      Beginnen Sie zuerst damit, Gefahrenstellen abzusperren, beseitigen Sie Fallholz, und beheben Sie Schäden mit der gebotenen Vorsicht. Sollten bereits während eines Unwetters Arbeiten notwendig werden, überlassen Sie diese den Profis. Nur sie verfügen über eine spezialisierte Ausbildung für solche Einsätze. Zu den Ausnahmefällen zählen beispielsweise Gebäudeteile und umgestürzte Bäume, die Strassen versperren.

      Wenn ein Sturm mit hohen Windgeschwindigkeiten durch einen Wald gefegt ist, gleicht dieser meist einem Schlachtfeld. Umgeworfene, entwurzelte, abgebrochene, geknickte und hängengebliebene Bäume und Äste sorgen für grosse Instabilität. Wer Sturmholz aufrüstet, muss geplant und fachgerecht vorgehen. Ohne eine besondere Expertise und die richtige Ausrüstung sind diese Arbeiten lebensgefährlich. Wenn Sie geeignete Maschinen und Hilfsmittel wie etwa Vollernter und Kranfahrzeuge einsetzen, können Sie das Unfallrisiko markant senken.

      Infos dazu finden Sie auf unserem Merkblatt Sturmholz sicher aufrüsten. Interessieren Sie sich für eine entsprechende Ausbildung, dann besuchen Sie unserer Webseite. Beachten Sie auch die Richtlinie Forstarbeiten (EKAS).

      Die lebenswichtigen Regeln

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      Mit den lebenswichtigen Regeln sind Sie auf der sicheren Seite.

      Für über zwanzig Branchen haben wir spezifische Regelsets definiert. Sie bilden einen wichtigen Teil innerhalb des 9-Punkte-Plans. Wenn Sie die lebenswichtigen Regeln umsetzen, kommen Sie sicher durchs Jahr. Ganz egal, ob sich ein Sturmtief ankündigt oder eitel Sonnenschein herrscht.Ergänzend empfehlen wir Ihnen eine regelmässige Gefahrenermittlung für Ihren Betrieb.

      Mehr über Unwetter, Blitz, Hagel & Co.

      Tiefdruckgebiete sollten uns nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit beschäftigen. Wer beispielsweise zu einer Bergwanderung aufbricht und die schwere Wolke am Himmel in den Wind schlägt, geht ein hohes Risiko ein. Denn mit Gewittern, die in der Regel mit Blitzen einhergehen, ist in den Bergen nicht zu spassen. Zudem ist die Sicht eingeschränkt, was zu Fehltritten führen kann. Ignorierte Wetterwarnungen fordern deshalb immer wieder Tote.

      Stehen die Zeichen auf Sturm, sollten Sie und Ihre Mitarbeitenden auch Wälder, Waldränder und Bäume meiden. Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen durch herunterfallende Äste und entwurzelte Bäume verletzt oder gar getötet werden. Auch nach einem Unwetter machen Sie besser einen Bogen um den Wald, bis die Gefahren durch Sturmholz beseitigt sind.

      Die Empfehlung für einen effektiven Schutz lautet: Bleiben Sie bei einem Sturm zu Hause. 

      Kleine Wetterkunde

      Dies definiert die 12-teilige Beaufort-Skala. Erreicht der Wind 9 Beaufort bzw. eine Geschwindigkeit von mindestens 74,9 km/h, handelt es sich um einen Sturm. Ab 12 Beaufort und 117,7 km/h spricht man von einem Orkan. 

      Gewitter bauen sich zumeist im Sommer auf, können aber auch während anderen Jahreszeiten entstehen. Ein Vorzeichen sind dunkle, sich auftürmende Quellwolken, die sogenannten Cumulonimbus. Diese bilden sich, wenn verdunstetes Wasser in die Höhe steigt. Reiben sich diese Wolkenteilchen aneinander, laden sie sich auf. Das führt zu Spannungen, die sich in Form von Blitz und Donner entladen.

      Am sichersten sind feste Gebäude mit einem Blitzableiter sowie Autos, die den bekannten Faradaykäfig bilden. Werden Sie trotzdem einmal auf offenem Feld überrascht, gehen Sie in die Kauerstellung. Wichtig ist dabei, dass Ihre Füsse bzw. Schuhe eng beieinanderstehen. Und noch etwas: Legen Sie Gegenstände aus Metall weg, und meiden Sie Berggipfel, Bäume, Masten, Aussichtstürme und Gewässer. 

      Die gängige Antwort lautet: in metallene Oberflächen. Allerdings sind sich nur wenige bewusst, dass auch nasses Holz zu den gut leitenden Materialien gehört. Deshalb sollten Sie Bäume und Wälder bei einer Unwetterwarnung meiden. In den Bergen ist die Gefahr von Blitzschlägen besonders hoch

      Hagelkörner sind eine Begleiterscheinung von heftigen Gewittern. Damit sich Eiskörner bilden können, braucht es eine instabile Atmosphäre, starke Aufwinde und eine hohe Feuchte. Wenn in den mächtigen und hochreichenden Gewitterwolken unterkühltes Wasser an feinsten Staubteilchen festfriert, entstehen kleine Eispartikel. Diese fallen nach unten, werden aber, wenn die Aufwinde stark genug sind, wieder nach oben transportiert, wo erneut unterkühltes Wasser an den Eiskörnchen festfriert. Wiederholt sich dieser Prozess mehrmals, kann ein Hagelkorn bis zur Grösse eines Golfballes anwachsen. Hagelschäden kosten Millionen und zeigen sich vor allem an Kulturpflanzen, Gebäuden und Fahrzeugen.

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