Kleiner Altar mit heiliger Barbara – Schutzpatronin der Bergleute

Brandschutzanforderungen bei Fördergurten im Untertagbau

  • Brände an Fördergurten können zu schweren Unfällen in Tunneln und Schächten führen.
  • Damit Bandförderanlagen nicht in Brand geraten oder Feuer weiterleiten können, müssen solche Anlagen in Normen aufgeführte Anforderungen erfüllen.
  • Anlagen, die nicht der Norm entsprechen, sind umgehend zu ersetzen.

Lauffeuer in den Tunnel

2004 geriet auf einer grossen Tunnelbaustelle im Freien eine Förderanlage in Brand. Mit fatalen Folgen: In horrendem Tempo breitete sich der Brand über die ganze weitläufige Förderanlage aus. Die Rauchentwicklung war enorm und weithin sichtbar.

Ein solcher Brandfall darf sich unter Tag niemals ereignen. Die Auswirkungen auf die dort beschäftigten Personen wären katastrophal!

Ein Fördergurtenbrand kann als Lauffeuer grössere Strecken überwinden, dabei weitere Brandlasten entzünden und auch eingeschlossene Personen gefährden, die sich an einem vermeintlich sicheren Ort befinden.

Entzünden sich Fördergurten, beispielsweise durch eine darunterstehende brennende Baumaschine, sind die möglichen Folgen dramatisch:

  • Bauwerk weiträumig mit giftigen Gasen verraucht
  • abgeschnittener Fluchtweg und eingeschlossene Personen
  • glühende Hitze im Brandbereich
  • fehlende Sicht auf die Flucht- und Rettungswege

Schutzziel

Fördergurten, die unter Tage verwendet werden, sollen nicht in Brand geraten und den Brand nicht weiterleiten.

Fördergurten, welche die Anforderungen der untenstehenden Regeln der Technik nicht erfüllen, dürfen unter Tage nicht verwendet werden und sind umgehend zu ersetzen.

Norm massgebend

Die brandschutztechnischen Anforderungen an Fördergurten unter Tage sind in der SN EN 14973:2016 «Fördergurten für die Verwendung unter Tage» geregelt.

Diese technische Norm wurde durch das zuständige Bundesamt als geeignet bezeichnet, die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen gemäss Art. 4  des Bundesgesetzes über die Produktesicherheit (PrSG) zu konkretisieren.

Die SN EN 14973:2016 unterscheidet je nach Verwendungsart und Gefährdungspotenzial zwischen Fördergurten der Klasse A, B und C.

Anforderungen gemäss SN EN 14973:2016

Für den Untertagbau geeignet sind Fördergurten der Klasse A «Gurte für den allgemeinen Einsatz unter Tage».

Die Anforderungen gemäss Norm SN EN 14973:2016:

  • Erhitzung durch Reibung: Anforderungen gemäss Ziff. 6.1
  • Widerstand gegen Entzündung: Anforderungen gemäss Ziff. 7.1
  • Brandausbreitung: Anforderungen gemäss Ziff. 8.2

Für den Einsatz in Bauwerken mit Explosionsgefahr (z.B. Untertagbauten in Erdgas führenden Gesteinsschichten) gelten unter Umständen höhere Anforderungen (siehe Anhang A und B der Norm).

Umsetzung bei neuen Maschinen

Beim Inverkehrbringen neuer technischer Einrichtungen und Geräte ist die Norm SN EN 14973:2016 zu beachten. Siehe dazu PrSG  und Verordnung über die Produktesicherheit (PrSV)   .

Umsetzung auf Baustellen

Die Verantwortung für die Arbeitssicherheit und für die Umsetzung von Brandschutzmassnahmen auf der Baustelle liegt beim Arbeitgeber. Zur Erfüllung der Anforderungen bezüglich Brandschutz bei Fördergurten, wie sie in Art. 66   der Bauarbeitenverordnung (BauAV) und in der EKAS-Richtlinie 6514 «Untertagarbeiten» festgehalten sind, stehen ihm zwei Wege offen:

  1. Verwendung von Fördergurten, die der aktuellen Norm SN EN 14973:2016 entsprechen.
  2. Verwendung von alten K- oder S-Fördergurten, welche lediglich nach DIN 22103 bzw. DIN 22101-1 (zurückgezogene Normen) geprüft wurden, mit Umsetzung zusätzlicher technischer Massnahmen. Werden solche Fördergurten verwendet, ist Folgendes nachzuweisen:
    - dass es sich tatsächlich um K- oder S-Gurten nach DIN 22103 bzw. DIN 22102-1 handelt (Kennzeichnung oder Herstellererklärung). Im Zweifelsfall ist ein fachtechnisches Gutachten beizubringen.
    - dass technische Massnahmen getroffen wurden, die zuverlässig verhindern, dass der Fördergurt in Brand gerät (z.B. automatische Löschanlage auf den eingesetzten Lokomotiven und Fahrzeugen, Abschirmungen, thermische Überwachung für den Fall einer Erhitzung durch blockierte Rollen oder reibende Trommeln)
    - dass technische Massnahmen getroffen wurden, die das Weiterleiten eines Brandes durch die Fördergurten zuverlässig verhindern (z.B. geeignete Löschanlagen)