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Sicherheitskonzept Untertagbau: Gefahren und Massnahmen

Arbeiten unter Tag sind für Mensch und Technik eine Herausforderung. Mit mehreren Massnahmen ist es dennoch möglich, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. Hier informieren wir Sie über die auftretenden Gefahren sowie die Elemente, die ein Sicherheitskonzept im Untertagbau beinhalten muss.

Inhalt

Kurz und bündig

Der Untertagbau birgt diverse, spezifische Gefahren. Deswegen ist es obligatorisch, dass Sie vor Beginn der Arbeiten ein schriftliches Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept erstellen.

Dieses soll unter anderem Teilkonzepte für folgende Punkte beinhalten:

  • Lüftung und Gesundheitsschutz: Erkennen Sie zeitnah eine Verschlechterung der Luftqualität.
  • Explosions- und Brandschutz: Ein Feuer ist unter Tag gravierend. Reduzieren Sie deswegen die Brandlasten wo immer möglich und installieren Sie je nach Bedarf automatische oder manuelle Brandlöschanlagen.
  • Unfälle mit Pneufahrzeugen: Vermeiden Sie derart tragische Vorfälle, indem Sie einfache Schutzmassnahmen umsetzen.
  • Rettungskonzept: Sollte der Fall der Fälle eintreten, sind Sie vorbereitet und vermeiden Schlimmeres.

Definition von Untertagearbeiten

Der Tunnelbau und -unterhalt gilt als klassische Untertagarbeit, doch die Definition reicht noch viel weiter: Unterirdisches Erstellen, Erhalten oder Rekonstruieren von Stollen, Schächten und Kavernen gehören auch dazu. Das unterirdische Gewinnen von Gestein, Arbeiten in Pressvortrieben und Arbeiten innerhalb geschlossener Strecken von Tagbautunneln bilden ebenfalls Teil dieser Arbeiten.

Nicht als Untertagarbeit gilt das Abteufen von Schächten, die weniger als 20 m tief sind und die von der Oberfläche aus abgeteuft werden.

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept

Vor Beginn der Untertagarbeiten müssen Sie als Arbeitgeber über ein schriftliches Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept verfügen. Den Aufbau und Inhalt des Konzepts finden Sie im Punkt 4 der EKAS-Richtlinie Untertagarbeiten. Die wichtigsten Punkte des Konzepts sind:

  • Massnahmen im Zusammenhang mit Ausbruch und Hohlraumsicherungen
  • Lüftungskonzept
  • Massnahmen zur Sicherstellung der Luftqualität sowie deren Messung
  • Erdgasprognose mit entsprechenden Massnahmen
  • Explosions- und Brandschutz
  • zu erwartende klimatische Bedingungen mit dazugehörigen Massnahmen
  • netzunabhängige Stromversorgung der sicherheitsrelevanten Einrichtungen
  • Beleuchtung
  • Massnahmen zur Gewährleistung sicherer Transporte
  • Sprengvortrieb
  • Benützung der persönlichen Schutzausrüstung durch die Arbeitnehmenden
  • Rettungskonzept

Aktualisieren Sie das Konzept laufend.

Gefahren ermitteln und beseitigen

Legen Sie ein besonderes Augenmerk auf die Gefahrenermittlung und die Massnahmenplanung – sie sind von grosser Bedeutung. Dabei ist es Ihre Aufgabe welche Gefahren ermittelt werden, wie die Risiken beurteilt werden und welche Massnahmen daraus abgeleitet werden. Zeigen Sie zudem auf, wie dies während der Ausführungsphase der Arbeiten erfolgt und welche Sicherheitsfachleute Ihren Mitarbeitenden dafür zur Verfügung stehen.

Detailinformationen zum Sicherheitskonzept

Ein Konzept für eine sichere Untertag-Baustelle ohne Gefahren für die Gesundheit umfasst verschiedene Teilkonzepte. Hier finden Sie weiterführende Informationen zu den einzelnen Themen.

Gesunde Luft zum Atmen ist besonders bei Arbeiten in Tunneln, Schächten und Stollen von zentraler Bedeutung.

Die Checkliste Lüftung im Untertagbau hilft Ihnen, betreffend Luftqualität die Gefahren zu erkennen und die dafür notwendigen Massnahmen zu treffen.

Baulüftungen für Untertagarbeiten können Sie nach der Norm SIA 196 Baulüftung im Untertagbau

 konzipieren und dimensionieren.

Partikelfilterobligatorium

Mit dem Einsatz von Partikelfiltern schützen Sie die Gesundheit der Arbeitnehmenden mit verhältnismässigem Aufwand wirkungsvoll. Die Partikelmasse kann mit dieser Massnahme um mehr als 99 Prozent reduziert werden.

Hier finden Sie weiterführende Informationen dazu:

Gesundheitsgefahr Legionellen

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in feuchter Erde, Seen und Flüssen vorhanden sind. Sie vermehren sich in Wassersystemen besonders bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad, in Bereichen mit stehendem Wasser und auf Kalkablagerungen (Biofilm). Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen der Bakterien aus feinen Wasserpartikeln in der Luft und kann zur Legionellose, einer Krankheit mit zwei Krankheitsbildern, führen.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf dieser Seite: Legionellen – Gefährdung im Untertagbau

Die unterirdische Atmosphäre birgt besondere Gefahren – Explosionen und Feuer können noch grössere Schäden als an der Erdoberfläche verursachen. Auch bei Arbeiten an und mit Maschinen ist Vorsicht geboten.

Generelle Massnahmen

  • Prävention: Es ist Ihre Pflicht, durch Reduzieren der Brandlasten und Eliminieren von Zündquellen an den eingesetzten Maschinen und während des Baubetriebs Brandfälle zu verhindern.
  • Bewältigung: Mit automatischen und manuellen Feuerlöscheinrichtungen sorgen Sie dafür, dass Brände unmittelbar gelöscht werden. So vermeiden Sie negative Folgen für die Gesundheit Ihrer Arbeitnehmenden.

Massnahmen Erdgasprognose

Als Bauherr, Planer oder Unternehmer sind Sie dazu angehalten, bei austretendem Erdgas Vorkehrungen zu treffen. Diese können sich abhängig von der Phase, in der sich das Bauwerk befindet, unterscheiden. So gewährleisten Sie die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit Ihrer Arbeitnehmenden.

Die Informationen dazu finden Sie in folgendem Merkblatt:

Verhütung von Unfällen durch Brände und Explosionen bei Untertagarbeiten in Erdgas führenden Gesteinsschichten

Hydraulikanlagen

Brände im Tunnelbau sind sehr gefährlich. Bei Brandausbruch sind Ihre Mitarbeitenden im Bereich der Brandentstehung unmittelbar gefährdet: Bei einer Verpuffung von Ölnebel können sie durch die direkte Einwirkung der Flammen verletzt und durch den Folgebrand zwischen Ortsbrust und Brandstelle eingeschlossen werden.

Auf unserer Seite zum Thema Untertagarbeiten finden Sie mehr Informationen dazu:

Brandverhütung und Brandbekämpfung an Hydraulikanlagen bei Untertagarbeiten

Fördergurte

Im Jahr 2004 geriet auf einer grossen Tunnelbaustelle im Freien eine Förderanlage in Brand. Mit fatalen Folgen: In horrendem Tempo breitete sich der Brand über die ganze weitläufige Förderanlage aus. Die Rauchentwicklung war enorm und über grosse Distanzen sichtbar.
Ein solcher Brandfall darf sich unter Tag niemals ereignen. Die Auswirkungen auf die dort beschäftigten Personen wären katastrophal. Deshalb gelten für Fördergurte besondere Anforderungen.

Informieren Sie sich über die Anforderung an Fördergurte, die bei Arbeiten unter Tag zum Einsatz kommen: Anforderungen bezüglich Brandschutz

Elektrizität ist bei Arbeiten in Stollen, Schächten und Tunneln von besonderer Bedeutung. Neben der notwendigen Beleuchtung ist es Ihre Aufgabe, auch die netzunabhängige Stromversorgung von sicherheitsrelevanten Einrichtungen sicherzustellen.

Baumaschinen sind wichtige Hilfsmittel, um Arbeitsschritte und Transporte zu mechanisieren. Achten Sie darauf, dass Sie bei Untertagarbeiten nur Maschinen einsetzen, die nach der Maschinenrichtlinie gebaut sind.

Ohne sichere Maschinen gibt es auch keine sichere Arbeit. Mehr Informationen dazu finden Sie auch auf folgender Seite:

Maschinensicherheit und Maschinensteuerung

Mit den in folgenden Publikationen aufgeführten Massnahmen sorgen Sie für sichere Transporte und Maschinen:

Schachttransportanlagen

Alle Transportanlagen in Schrägschächten fallen unter das Seilbahngesetz. In der EKAS-Richtlinie Untertagarbeiten finden Sie unter der Ziffer 9.8 die rechtlichen Grundlagen zum Thema Schachttransportanlagen.

Weitere Informationen finden Sie unter Schachttransportanlagen.

Unfälle mit Pneufahrzeugen

Dass bei Untertagarbeiten immer wieder Personen von Pneufahrzeugen überrollt werden, ist traurige Realität. Dieses Risiko können Sie als Arbeitgeber verkleinern, wenn Sie einfache Massnahmen treffen und diese anschliessend von den Vorgesetzten kontrollieren lassen. Wichtig sind insbesondere die Instruktion, die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) aller Mitarbeitenden sowie geeignete technische Massnahmen auf den Baumaschinen zur Sicherstellung der Sicht in den Gefahrenbereich.

Vorsicht beim Reinigen von Betonnach- und Fahrmischern

Beim Transportieren von Beton mit Betonnach- und Fahrmischern kann sich im Innern der Trommel Beton festsetzen, der in mühseliger Handarbeit entfernt werden muss. Bei solchen Reinigungsarbeiten kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen Personen verletzt oder gar getötet werden. Das muss nicht sein.

Informieren Sie sich auf der Seite Betonnach- und Fahrmischer über sichere Reinigungsmethoden.

Trotz eines guten Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzepts kann es bei Untertagarbeiten zu unerwünschten Ereignissen kommen. Es ist deshalb entscheidend, dass Sie für alle möglichen Ereignisse die richtigen Rettungsmassnahmen planen.Hier finden Sie die entsprechende Anleitung: Rettungskonzept für Untertagarbeiten. Ein praktisches Arbeitsmittel für Planer und Unternehmer

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