Augenverletzungen: Wenn Berufsunfälle ins Auge gehen
Die häufigsten Gesichtsverletzungen betreffen die Augen. In der Schweiz passiert an jedem Arbeitstag alle fünf Minuten ein arbeitsbedingter Augenunfall. Welches die Ursachen sind und was dabei mit dem Auge geschieht, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Inhalt
Kurz und bündig
Unsere Augen liefern uns den grössten Teil unserer Sinneseindrücke. Leider schützen wir sie im Alltag oft zu wenig.
- Jährlich werden in der Schweiz rund 26 700 Berufsunfälle mit Augenverletzungen als Hauptdiagnose registriert (Quelle UVG).
- Die häufigsten Augenverletzungen entstehen durch Fremdkörper im äusseren Auge (Augenlider, Bindehaut, Hornhaut, Lederhaut und Tränenapparat).
- Rund 14 000 der Augenunfälle passieren in der Freizeit.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Augen schützen und Ihr Sehvermögen erhalten.
Eine kurze Unaufmerksamkeit oder eine fehlende Schutzbrille im entscheidenden Moment können das Augenlicht zerstören oder beeinträchtigen. Für immer.
Dank verbesserter Präventionskultur und konsequenterem Tragen der Schutzbrille hat die Zahl der Augenverletzungen in den letzten Jahren abgenommen. Dennoch registrieren Schweizer Unfallversicherer jährlich 40 800 Unfälle mit Augenverletzungen als Hauptdiagnose. Rund 26 700 davon passieren am Arbeitsplatz, zum Beispiel wenn Fremdkörper ins Auge gelangen, bei Routinearbeiten wie Fräsen, Schleifen oder Schweissen. Die restlichen rund 14 000 Augenunfälle geschehen in der Freizeit.
Erste Hilfe entscheidet über Sehen oder Nichtsehen
Fremdkörper entfernen
- Entfernen Sie Fremdkörper auf dem Auge vorsichtig mit einem Taschentuch.
- Feststeckende Fremdkörper lassen Sie hingegen stecken und gehen unverzüglich zum Augenarzt.
Augen sofort ausspülen
- Nach einem Unfall mit verätzenden Lösungen spülen Sie die Augen sofort während mindestens 15 Minuten aus.
- Nehmen Sie dazu Wasser, Milch oder Limonade.
- Das Auge muss beim Spülen offen sein.
Augenarzt aufsuchen
Generell gilt: Gehen Sie bei Augenverletzungen sofort zum Augenarzt und lassen Sie sich behandeln.
Kleine Teilchen, grosse Schmerzen
Staub, Späne, Sand oder Steinchen: Wir alle kennen das unangenehme Gefühl, etwas im Auge zu haben. Fremdkörper auf unserer Binde- oder Hornhaut sind meist leicht und ohne bleibende Schäden zu entfernen. «Gefährlich sind zum Beispiel oberflächliche Verletzungen durch Flüssigkeiten, die ins Auge gelangen und es verätzen», sagt Dominik Gerber Hostettler, Facharzt für Augenheilkunde bei der Suva. In solchen Fällen müssen Sie die Augen sofort und gründlich ausspülen, um schwere Folgeschäden zu verhindern.
Ebenfalls heikel sind Verletzungen, bei denen ein Fremdkörper mit Wucht ins Auge eindringt und Schäden im Inneren anrichtet. «Hier müssen Sie möglichst rasch handeln, weil der Fremdkörper die Augenstruktur verletzen und Infektionen im Augeninneren verursachen kann.» Auch Augenprellungen durch einen stumpfen Schlag können bis zur Erblindung führen. «Dank Mikrochirurgie kann das Auge, das auf nur etwa drei Zentimetern Durchmesser sehr viele komplexe Strukturen enthält, oft gut behandelt werden», sagt Spezialist Gerber Hostettler. Im schlimmsten Fall könne es jedoch vorkommen, dass ein erblindetes Auge entfernt und durch eine Augenprothese, ein «Glasauge», ersetzt werden müsse.
Augen auf beim Augenschutz
Um Augenverletzungen vorzubeugen, gibt es Schutzbrillen. Sie gehören zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Wichtig bei der Wahl der Schutzbrille sind Benutzerfreundlichkeit, Passform und Funktionalität. «Gerade für Lernende und Jugendliche ist es oft ungewohnt, eine Schutzbrille
Interview mit Christoph Salzmann, Experte Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Suva
In den Branchen Stahl-, Metall- und Apparatebau sowie Montage sind 31 Prozent der anerkannten Berufsunfälle Augenverletzungen. Weshalb?
In diesen Branchen gibt es immer noch viele manuelle Tätigkeiten wie Schleifen, Trennen und Schweissen. Weil oft Prototypen und Einzelstücke angefertigt werden, lassen sich viele Metallbauarbeiten nicht einfach automatisieren. Diese Arbeiten finden zudem teilweise unter erschwerten Arbeitsbedingungen statt, zum Beispiel in engen Räumen oder bei Überkopfarbeiten direkt auf Baustellen.
Sind Führungskräfte und Mitarbeitende dieser Branchen zu nachsichtig mit Schutzmassnahmen?
Nichttragen von Schutzbrillen oder mangelhafte Kontrolle seitens der Verantwortlichen sind nur zwei Gründe für Augenunfälle. Eine nicht zu vernachlässigende Zahl der Unfälle passiert zum Teil trotz Schutzbrille. In diesen Fällen passen die Schutzbrillen oft nicht richtig oder eignen sich nicht für die jeweilige Tätigkeit. Weiter hören wir häufig von Verunfallten, dass die Fremdkörper über das Haar oder die Hände in die Augen gelangt sind (mit den Händen in den Augen reiben, beim Schweissabschwischen, beim Duschen etc.). Verunfallte können nicht immer sagen, wann genau der Fremdkörper ins Auge gelangt ist. In den Branchen sind diese Punkte alle bekannt. Im Laufe der letzten zwanzig Jahren wurden jedoch deutliche Verbesserungen erzielt. Mittlerweile sind wir in diesen Branchen beim Augenschutz auf sehr gutem Weg. Ich sage nur: Nicht nachlassen, weiter so.
«Mittlerweile sind wir in diesen Branchen auf sehr gutem Weg. Ich sage nur: Nicht nachlassen, weiter so.»
Christoph Salzmann, Experte Sicherheit bei der Suva
Was tut die Suva, um die Zahl der Augenverletzungen in diesen Branchen zu senken?
Wir haben den Handlungsbedarf erkannt und beispielsweise Checklisten erarbeitet. Zudem stellen wir übersichtliche Regeln zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA-Regeln) für viele verschiedene Arbeitsmittel zur Verfügung (Sicherheitsregeln Metallbearbeitung). So sensibilisieren wir Verantwortliche und Arbeitnehmende. Auch die Schutzbrillen sind immer vielfältiger und besser. Vor zwanzig Jahren hatten wir im Metallbau auf 1000 Vollzeitbeschäftigte rund 100 Augenverletzungen im Jahr. Heute sind es etwa 50 Augenunfälle auf 1000 Vollzeitbeschäftigte. Das ist eine Reduktion um 50 Prozent in 20 Jahren.
Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere Präventionsangebote und den Einsatz unserer Präventionsmodule zum Augenschutz die Zahl der Augenverletzungen in den nächsten zehn Jahren weiter senken. Denn es gilt: Unsere Augen sind einmalig und einzigartig. Bei den Lernenden ist das konsequente Tragen der Schutzbrille mittlerweile keine Diskussion mehr. Zu wertvoll stufen die jungen Berufsleute ihr intaktes Augenlicht in einer durch und durch visuellen modernen Welt ein. Darüber freue ich mich.