Die Militärversicherung – einzigartiger Schutz für Menschen im Dienst
Die Militärversicherung ist eine besondere Sozialversicherung. Als Haftpflichtversicherung des Bundes ausgestaltet, basiert sie nicht auf dem üblichen Versicherungsprinzip «Leistung gegen Prämienzahlung». Stattdessen haftet der Bund für Schäden, die im Dienst durch Krankheit und Unfall entstehen.
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Inhalt
Autorenschaft
Martin Rüfenacht, Direktor der Militärversicherung, Suva
Massimo Ermanni, Leitender Arzt der Militärversicherung
Andrea Werner-Schmidt, Bereichsleiterin Recht Militärversicherung
Urs Schönenberger, Rechtsanwalt, Suva Militärversicherung
Philippe Bader, Leiter Ausbildung und Kommunikation Militärversicherung, Suva
Potenzielle Interessenbindung
Die Autoren/Autorin deklarieren darüber hinausgehend noch folgende wirtschaftliche oder persönliche Verbindungen:
☒ Keine
Die Militärversicherung ist die älteste Sozialversicherung der Schweiz. Sie wurde 1901 gegründet und bietet Schutz vor den finanziellen Folgen von Krankheiten, Unfällen oder Todesfällen, die im Zusammenhang mit einem versicherten Dienst stehen. Versichert sind heute neben Angehörigen der Armee unter anderem auch Zivildienstleistende, Zivilschutzangehörige sowie weitere Personen, die bestimmte Einsätze im Auftrag des Bundes leisten.
Im Unterschied zu den meisten anderen Sozialversicherungen deckt die Militärversicherung ausschliesslich Gesundheitsschäden ab, die während eines versicherten Dienstes entstehen oder verschlimmert werden. Die Kosten werden grösstenteils vom Bund getragen. Nur ein kleiner Teil der Kosten wird über Prämien und Regresseinnahmen gedeckt. Seit 2005 wird die Militärversicherung von der Suva geführt, bleibt jedoch eine eigenständige Sozialversicherung.
Die Militärversicherung bearbeitet jährlich rund 50 000 neue Schadenfälle. Der grösste Teil davon betrifft Krankheiten, ein kleinerer Teil Unfälle. Die Leistungen reichen von der Übernahme von Heilkosten über Taggelder bis hin zu Rentenleistungen und Massnahmen zur Wiedereingliederung.
Die Versicherungsmedizin als Brücke zwischen Medizin und Recht
Damit Leistungsansprüche korrekt beurteilt werden können, ist medizinisches Fachwissen unerlässlich. Hier kommt die Versicherungsmedizin der Militärversicherung ins Spiel.
Die Versicherungsärztinnen und Versicherungsärzte unterstützen die Fallbearbeitung, indem sie medizinische Sachverhalte beurteilen und fachlich einordnen. Sie prüfen beispielsweise:
- ob ein Gesundheitsschaden mit dem Dienst zusammenhängt;
- welche Auswirkungen er auf die Arbeitsfähigkeit hat;
- ob bleibende gesundheitliche Folgen bestehen;
- welche medizinischen Behandlungen notwendig sind.
Ihre Beurteilungen stützen sich auf medizinische Unterlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse sowie bei Bedarf auf eigene Untersuchungen der versicherten Personen. Dadurch bildet die Versicherungsmedizin eine zentrale Schnittstelle zwischen Medizin, Recht und Versicherungswesen.
Wenn medizinische Unterlagen entscheidend werden
Die Militärversicherung muss häufig beurteilen, ob Beschwerden bereits vor dem Dienst bestanden haben oder während des Dienstes entstanden sind. Dabei spielen medizinische Berichte und ärztliche Dokumentationen eine zentrale Rolle.
Die folgenden Beispiele zeigen typische Situationen aus dem Alltag der Militärversicherung.
Beispiel 1: Knieschmerzen während der Rekrutenschule
Ein Rekrut sucht während der Rekrutenschule aufgrund starker Knieschmerzen den Truppenarzt auf. Die Beschwerden werden untersucht und dokumentiert.
Monate später stellt sich die Frage, ob die Militärversicherung weitere Behandlungskosten übernehmen muss. Die Dokumentation aus der Rekrutenschule liefert wichtige Informationen für die Beurteilung. Sie zeigt, wann die Beschwerden erstmals aufgetreten sind und welche Befunde damals erhoben wurden.
Beispiel 2: Eine Krankheit wird erst nach dem Dienst festgestellt
Eine Soldatin entwickelt einige Wochen nach einem Wiederholungskurs gesundheitliche Beschwerden. Ihre Hausärztin stellt eine Erkrankung fest und meldet diese der Militärversicherung.
In einem solchen Fall wird geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen Krankheit und geleistetem Dienst besteht. Grundlage für diese Abklärungen bilden die vorhandenen medizinischen Unterlagen und die individuelle Krankheitsgeschichte.
Beispiel 3: Psychische Belastungen nach einem Einsatz
Nicht alle Gesundheitsschäden sind körperlicher Natur. So kann beispielsweise ein belastendes Ereignis während eines Einsatzes zu psychischen Beschwerden führen.
Die Versicherungsmedizin beurteilt in solchen Fällen, welche gesundheitlichen Auswirkungen bestehen, welche Behandlung erforderlich ist und welche Folgen sich allenfalls für die Arbeitsfähigkeit ergeben. Psychische Erkrankungen nehmen in der täglichen Praxis einen wichtigen Stellenwert ein.
Warum Sanitätsakten so wichtig sind
Eine sorgfältige medizinische Dokumentation ist sowohl für die medizinische Behandlung als auch für die Leistungsprüfung von grosser Bedeutung.
Während des Dienstes führen Truppenärztinnen und Truppenärzte sogenannte Sanitätsakten. Darin werden Beschwerden, Untersuchungsbefunde, Diagnosen und Behandlungen festgehalten. Diese Unterlagen helfen später dabei, den medizinsichen Verlauf nachvollziehbar zu dokumentieren und Ansprüche korrekt zu beurteilen.
Aus diesem Grund engagieren sich Ärztinnen, Ärzte sowie Juristinnen und Juristen der Militärversicherung regelmässig in der Ausbildung von Truppenärztinnen und Truppenärzten. Ziel ist es, die Bedeutung einer vollständigen und sorgfältigen Dokumentation zu vermitteln – im Interesse der Versicherten und einer fairen Leistungsprüfung.
Bewährte Leistungen mit Blick in die Zukunft
Die Militärversicherung feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Während dieser Zeit hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Herausforderungen angepasst. Heute gehören dazu unter anderem die Digitalisierung sowie der Umgang mit steigenden Gesundheitskosten.
Ihr Grundauftrag ist jedoch unverändert geblieben: Menschen, die im Dienst der Schweiz stehen, sollen bei Krankheit, Unfall oder anderen gesundheitlichen Folgen umfassend abgesichert sein. Dabei verbindet die Militärversicherung medizinisches, juristisches und versicherungstechnisches Fachwissen mit einem sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit ihren Versicherten.
Korrespondenzadresse
Philippe Bader
Leiter Ausbildung und Kommunikation, Militärversicherung Suva