Top Drei der Gefahren bei Montage und Instandhaltung von Solardächern
Photovoltaikanlagen sind stark gefragt, privat und gewerblich. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Risiken Sie bei Montage und Instandhaltung von Solardächern beachten müssen und wie Sie Ihre Mitarbeitenden noch besser schützen.
Inhalt
Kurz und bündig
Montage und Instandhaltung von Solaranlagen bergen Gefahren. Dabei hat Kollektivschutz immer Vorrang gegenüber Individualschutz. Weshalb das so ist, erfahren Sie in diesem Artikel.
- Abstürze: Über 6 Prozent der jährlich rund 250 000 anerkannten Berufsunfälle sind auf Abstürze zurückzuführen (umfasst generell alle anerkannten Absturzunfälle).
- Durchbruchsicherheit: Nicht durchbruchsichere Dachflächen dürfen nicht betreten werden.
- Asbest: Gebäude, die vor 1990 erbaut wurden, können asbestbelastet sein.
- Stromschlag: Photovoltaik-Anlagen erzeugen bereits bei diffusem Licht hohe Gleichspannungen.
1. Abstürze: Das meist unterschätzte Risiko
Ob von der Dachkante, durch nicht gesicherte Oberlichter (in der Schweiz Oblichter genannt) oder nicht durchbruchsichere Dachflächen, Stürze gehören zu den häufigsten und schwersten Unfällen. Von rund 250 000 anerkannten Berufsunfällen jährlich gehen über 6 Prozent auf Abstürze zurück. (Die Zahlen beinhalten alle Arten von anerkannten Absturzunfällen und beziehen sich nicht nur auf Abstürze im Zusammenhang mit Solaranlagen.)
- Treffen Sie ab einer möglichen Absturzhöhe von 2 Metern Absturzsicherungsmassnahmen.
- Sowohl für die Montage als auch für die Instandhaltung müssen Sie sichere Zugänge erstellen (z. B. Treppenturm, gebäudeinterner Dachzugang, ortsfeste Leiter etc.)
Die Infografik im folgenden Beitrag zeigt, wie Sie Unfälle bei der Montage und Instandhaltung von Solardächern durch gute Planung und Arbeitsvorbereitung verhindern können:
Wichtiger Hinweis:
Die Seilsicherung dürfen Sie nur bei kurzen Instandhaltungsarbeiten einsetzen.
2. Durchbruchsicherheit und Asbest
Bei Wellplattendächern aus Faserzement müssen Sie zwei besondere Gefahren berücksichtigen:
- Wellplatten aus Faserzement sind nicht durchbruchsicher.
- In Gebäuden, die vor 1990 errichtet wurden, kommt Asbest in Faserzementplatten vor. Ein oft unterschätztes, aber erhebliches Gesundheitsrisiko.
Wenn Sie bei asbestbelasteten und nicht durchbruchsicheren Dächern eine Solaranlage aufbauen, müssen Sie vorher asbestfreie und durchbruchsichere Dachflächen einbauen.
3. Stromschlag: unsichtbar und lebensgefährlich
Photovoltaikanlagen erzeugen bereits bei diffusem Licht hohe Gleichspannungen. Die Montage einer Photovoltaikanlage bedeutet deshalb auch Arbeiten an Anlagen mit hohen Gleichspannungen (800–1500 VDC). Ein durch diese Spannungen ausgelöster Stromschlag oder Lichtbogen kann tödlich sein.
Deshalb gilt: Halten Sie die Sicherheitsmassnahmen konsequent ein. Beurteilen Sie die Risiken und sagen Sie im Zweifel STOPP. So stellen Sie sicher, dass Sie und alle Mitarbeitenden gesund nach Hause kommen.
Praktische Tipps: Mehr Sicherheit bei Montage und Instandhaltung
Hier einige bewährte Massnahmen, durch die Sie bei Planung und Ausführung von Arbeiten an Solardächern die Sicherheit erhöhen:
- integrale Planung: Denken Sie bereits bei der Konzeption der Absturzsicherung der Solaranlagen an die Instandhaltung. Lassen Sie für die Instandhaltung die erforderlichen Vorkehrungsmassnahmen offerieren und umsetzen.
- Kollektivschutz vor Individualschutz: Kollektivschutz hat gesetzlichen Vorrang gegenüber Individualschutz.
- sichere Zugänge: Gewährleisten Sie den Zugang aufs Dach über sichere Verkehrswege.
- Durchbruchsicherheit: Betreten Sie oder Ihre Mitarbeitenden nie Dachflächen, die nicht durchbruchsicher sind.
- Asbest: Wellplattendächer aus Faserzement, die vor 1990 gebaut wurden, enthalten Asbest. Treffen Sie deshalb die notwendigen Sicherheitsmassnahmen.
- Ausbildung und Verantwortlichkeiten: Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden im Umgang mit Absturzrisiken.
- regelmässige Instandhaltung: Prüfen Sie Anschlageinrichtungen regelmässig auf deren Funktionalität.
Warum steht Kollektivschutz vor Individualschutz?
Kollektivschutz geht vor Individualschutz, weil er alle Personen gleichzeitig und zuverlässig sichert. Individuelle Lösungen (mittels Anseilschutz) hängen stark vom richtigen Verhalten und korrekten Anwenden durch einzelne Personen ab. Das ist fehleranfällig. Geländer, Dachfangwände und Auffangnetze bieten Ihnen deshalb wesentlich mehr Sicherheit als Ihre persönlichen Seilsicherungen.
Bei der Montage auf Solardächern sind Kollektivschutzmassnahmen wie Fassadengerüste, Dachfangwände mit giebelseitigem Geländer und/oder Auffangnetze Pflicht.
Was passiert ohne Schutzmassnahmen?
Wenn Sie und Ihre Mitarbeitenden Schutzmassnahmen nicht einhalten, kann es schlimmstenfalls zu einem tödlichen Unfall kommen. Neben der menschlichen Tragödie zieht dies häufig rechtliche Konsequenzen nach sich.
- Verletzungen oder Todesfälle durch Absturz sind eine enorme Belastung für Mitarbeitende, Betrieb und Angehörige.
- rechtliche Konsequenzen: Die Bauarbeitenverordnung (BauAV), die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) und diverse Normen sind verbindlich.
- Regeln der Baukunde: Technische Merkblätter der Suva sowie der Berufsverbände gelten als anerkannte Regeln der Baukunde und sind verbindlich.
- finanzieller Schaden: Durch Arbeitsunterbruch, höhere Prämieneinstufung bei der Unfallversicherung, Schadenersatz etc. entstehen hohe Kosten.
- Image: Nichteinhalten von Schutzmassnahmen und Unfälle können Ihren guten Ruf schädigen.
Was rechtlich aus so einer Situation entstehen kann, erfahren Sie in unserer Serie «Ein Unfall vor Gericht».
