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Arbeiten auf Dächern

  • Für die Absturzsicherung auf dem Dach haben kollektive Schutzmassnahmen wie ein Fassadengerüst oder Geländer immer Vorrang vor dem individuellen Anseilschutz.
  • Absturzunfälle haben schwere Folgen. Deshalb ist es wichtig, die Schutzmassnahmen immer konsequent anzuwenden – auch bei kurzen Arbeiten.
  • Treffen Sie schon für die Arbeitsvorbereitung auf dem Dach (z. B. Aufnehmen der Masse) die notwendigen Schutzmassnahmen gegen Absturz.

Kein Spiel mit dem Leben auf dem Dach!

Das Arbeiten auf Dächern birgt viele Gefahren. Es drohen Stürze vom oder durch das Dach, durch Dachöffnungen oder nach Abrutschen von der Dachfläche – auch bei Dächern mit geringer Neigung. Deshalb ist die richtige Absturzsicherung eine zentrale Voraussetzung für sicheres Arbeiten auf dem Dach.


Kollektivschutz hat Vorrang

Es ist wichtig, dass Sie die notwendigen Schutzmassnahmen gegen Absturz schon bei der Planung berücksichtigen. Wo immer möglich ist ein Kollektivschutz, wie ein Fassadengerüst oder Geländer zu erstellen. Die Sicherung mit der Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ist nur erlaubt, wenn ein Kollektivschutz technisch nicht möglich ist.

200 Abstürze jährlich

Jedes Jahr stürzen bei Dacharbeiten über 200 Personen ab. Im Durchschnitt sterben dabei mehr als 5 Menschen pro Jahr. Zudem werden rund 20 Absturzopfer invalid. Das heisst: mehr als jeder zehnte Absturzunfall bei Dacharbeiten endet mit schwersten Verletzungen. Die Zahlen machen deutlich, dass es sich lohnt, hier einen Schwerpunkt in der Prävention zu setzen.

Anzahl Absturzunfälle bei Arbeiten auf Dächern in den Jahren 2006 bis 2015.

Aus Unfällen lernen

Diese Unfälle verursachen grosses Leid und hohe Kosten. Deshalb ist es wichtig, aus Unfällen die richtigen Lehren zu ziehen:

  • Wie kam es zum Unfall?
  • Mit welchen Massnahmen können gleiche oder ähnliche Ereignisse vermieden werden? 

Sie finden Antworten auf diese Fragen in unseren Unfallbeispielen . Die Unfallbeispiele beschreiben Unfälle, die sich tatsächlich bei Arbeiten auf Dächern ereignet haben. Sie können sie beispielsweise verwenden, um eine Sicherheitsschulung interessant und praxisnah zu gestalten. 

Die Geschichte eines Verunfallten

«15 Minuten am falschen Ort gespart» und eine Unachtsamkeit führten zur Katastrophe: Ungesichert stürzte Werner Witschi durch ein Dach fast 6 Meter in die Tiefe. Heute lebt er im Rollstuhl.

Zur Geschichte  

Infografik – Absturzunfälle in Zahlen

Für Schulungen eignet sich auch die Infografik  zu Absturzunfällen im Beruf.

«Man kann den Sturz nicht beeinflussen»

Markus Muser, Unfallforscher bei der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik AGU

Unterzeichnen Sie die Sicherheits-Charta. Sie setzen damit im Betrieb ein Zeichen und verpflichten sich, Ihren Beitrag für das sichere Arbeiten auf Dächern zu leisten. Werden lebenswichtige Regeln bei Arbeiten auf Dächern nicht eingehalten, gilt für alle «Stopp – Gefahr beheben – weiterarbeiten».
www.sicherheits-charta.ch  

 Verordnungen und Gesetze

Gemäss der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) Art. 17  sind Dächer so zu gestalten, dass sie sicher begangen werden können.

Im 3. Kapitel der Bauarbeitenverordnung (BauAV) Art. 28 bis 36  werden die erforderlichen Schutzmassnahmen für Arbeiten auf Dächern definiert.

Gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) Art. 82  sind sämtliche Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind.

Der Werkeigentümer ist gemäss Obligationenrecht (OR) Art. 58   verantwortlich, dass sein Dach mit den regelkonformen Sicherheitsmassnahmen ausgerüstet ist.

Verantwortung für die Absturzsicherung

Das Factsheet «Absturzsicherungsmassnahmen auf Dächern / Verantwortlichkeiten»  des Verbands «Gebäudehülle Schweiz» zeigt auf, wer aufgrund der geltenden Gesetze und Vorgaben bei Arbeiten auf Dächern die Verantwortung für die Absturzsicherung trägt.

Normen – Stand der Technik

Ein Geländer (Flachdachgeländer, Dachfangwand, Dachdeckerschutzwand, usw.) für Bau- und Unterhaltsarbeiten muss mindestens der Norm SN EN 13374 «Temporäre Seitenschutzsysteme – Produktfestlegungen – Prüfverfahren» entsprechen.

Bei Geländern und Brüstungen von öffentlichen Bauten gelten die Regeln des kantonalen Baugesetzes (z. B. nach SIA 358).

Einrichtungen zum Anschlagen von Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) und deren Befestigungen am Bauwerk müssen nachweislich (Konformitäts- oder Leistungserklärung) einer der folgenden rechtlichen Grundlagen bzw. anerkannten Regeln entsprechen:
- Bundesgesetz über die Produktesicherheit (PrSG, PrSV)
- EWG-Richtlinie über PSA (89/686/EWG)
- Harmonisierte Europäische Norm (z.B. EN 795, EN 517)
- Europäische Technische Bewertung oder Zulassung


Handeln

Was ist generell zu beachten bei Arbeiten auf Dächern?


Die gesetzlich geforderten Schutzmassnahmen für Arbeiten auf Dächern sind in der Bauarbeitenverordnung (BauAV), 3. Kapitel, Art. 28 bis 36  festgelegt.  Das Merkblatt «Arbeiten auf Dächern»  beschreibt und illustriert diese Schutzmassnahmen im Detail.

Lebenswichtige Regeln für das Arbeiten auf Dächern

Das konsequente Einhalten der lebenswichtigen Regeln hilft, die Sicherheit bei Arbeiten auf Dächern zu erhöhen. Stoppen Sie bei einem Verstoss gegen diese Regeln die Arbeit. Beheben Sie zuerst die Gefahr und arbeiten Sie erst danach weiter. So können Sie Leben retten. Informieren Sie sich als Arbeitnehmer und Vorgesetzter über die lebenswichtigen Regeln für Ihren Arbeitsbereich:

Achtung: nicht oder nur beschränkt durchbruchsichere Dachflächen

Die Suva fordert Planer und Unternehmungen dringend auf, nur noch dauerhaft durchbruchsichere Dachflächen zu planen und zu erstellen. Nicht durchbruchsichere Dächer und Teile davon stellen eine grosse Gefahr dar und führen immer wieder zu schwersten Unfällen.

Weitere Informationen:

Schutzmassnahmen für das Erstellen, Nutzen und Instandhalten von Dächern

Anschlageinrichtungen auf Dächern

Grundsätzlich hat auf Dächern der Kollektivschutz Vorrang gegenüber dem Individualschutz. Das Erstellen eines Geländers ist also dem Einsatz der Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) vorzuziehen. Dies gilt auch für die spätere Nutzung und Instandhaltung eines Dachs. Wenn jedoch die bauliche Situation keinen Schutz gegen Absturz bietet, sind für die Nutzung systematisch Anschlageinrichtungen für das Arbeiten mit Anseilschutz zu planen und einzurichten.
 

 Weitere Informationen:
Dächer mit Solaranlagen

Regelkonforme Absturzsicherungen müssen nicht nur bei der Montage einer Solaranlage erstellt werden. Auch die spätere sichere Instandhaltung des gesamten Solardachs muss geplant und sichergestellt werden. 
 

Weitere Informationen:
Kollektivschutz obligatorisch!

Für umfangreiche Arbeiten auf Dächer sind kollektive Schutzeinrichtungen vorgeschrieben. Also zum Beispiel für das eigentliche Erstellen von Dachflächen. Der Dachrand muss mit einem Spenglergang oder mit einem Geländer gesichert werden.

Dachöffnungen sind zum Beispiel mit einer durchbruchsicheren Abdeckung, einem Auffangnetz oder einem Fanggerüst zu sichern. Unabhängig von der Absturzhöhe.

Weitere Informationen:
Arbeiten auf DächernKollektivschutz in der Bauphase

Kollektivschutz in der Bauphase

Erleichterung für Kleinarbeiten

Instandhaltungsarbeiten auf Dächern dauern in der Regel weniger als 2 Personenarbeitstage. Dafür gelten die Vorgaben aus Artikel 32 der Bauarbeitenverordnung (BauAV) .

Wie Sie für Sicherheit bei solchen Kleinarbeiten sorgen, ist in den folgenden Publikationen beschrieben:

Instandhaltungsarbeiten, die länger als 2 Personenarbeitstage dauern, benötigen hingegen dieselben kollektiven Schutzmassnahmen wie andere umfangreiche Arbeiten. Siehe oben.

Arbeiten dürfen nur dann mit der PSA gegen Absturz (Seilsicherung) ausgeführt werden, wenn die gesamten Dacharbeiten (Dachdecker, Spengler usw.) weniger als 2 Personenarbeitstage dauern.

Ihre Ansprechpartner für Sicherheitsfragen

  • Gebäudehülle Schweiz - Verband Schweizer Gebäudehüllen-Unternehmungen
  • suissetec - Schweizerischer Gebäudetechnikverband
  • Swissolar - Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie

Material

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