Mann mit Gehörschütz an einer Getränke-Abfüllanlage.

Gehörschutz Ein Muss, überall wo es zu laut ist

  • Hohe Schalldruckpegel können das Gehör bleibend schädigen.
  • Geprüfte Gehörschutzmittel schützen wirksam gegen Lärm, aber nur wenn sie korrekt verwendet werden.
  • Gehörschutzmittel gibt es in verschiedensten Ausführungen und Grössen für unterschiedliche Einsatzgebiete.
  • Gehörschutz-Otoplastiken müssen vor dem ersten Einsatz und danach alle zwei Jahre erneut individuell auf ihre Schutzwirkung überprüft werden.

Erkenntnisse aus der Praxis

Hohe Schalldruckpegel ab einem Lärmexpositionspegel LEX ≥ 85 dB(A) gefährden das Gehör. Eine bleibende Schädigung kann die Folge immer wiederkehrender Belastungen über dem Grenzwert für Lärm am Arbeitsplatz sein.

Oft werden folgende Aspekte nicht berücksichtigt:

  • Das Gehör ist nur dann ausreichend geschützt, wenn bei jeder Lärmbelastung – sei sie auch noch so kurz – ein Gehörschutzmittel getragen wird.
  • Nur geprüfte Gehörschutzmittel schützen wirksam gegen Lärm. Watte, Zigarettenfilter oder Ohropax sind nicht als Gehörschutzmittel am Arbeitsplatz geeignet.

Wer muss einen Gehörschutz tragen?

In der Praxis bewährt sich die Regel, dass Personen, die Schallpegeln Leq ab 85 dB(A) ausgesetzt sind, einen Gehörschutz tragen müssen. Dies ist zwar strenger als nach den Grenzwerten erforderlich. Die Regel ist aber einfach und deshalb gut durchzusetzen.

Ohne eine Schallpegelmessung durchzuführen, können Sie auch aus den Schallpegeltabellen der Suva ersehen, bei welchen Tätigkeiten in Ihrer Branche ein Gehörschutz zu tragen ist.

Im Handel sind Gehörschutzpfropfen aus Dehnschaumstoff oder aus Kunststoff, Gehörschutzbügel, Gehörschutzkapseln und Gehörschutz-Otoplastiken erhältlich.

Gehörschutzpfropfen aus Dehnschaumstoff

Dieser Gehörschutz kann mehrmals, aber nicht unbeschränkt eingesetzt werden. Aus hygienischen Gründen sollen Pfropfen in Kunststoffboxen abgegeben werden. Gehörschutzpfropfen aus Dehnschaumstoff passen sich jedem Gehörgang einwandfrei an.

Gehörschutzpfropfen aus Dehnschaumstoff
Gehörschutzpfropfen aus Kunststoff

Gehörschutzpfropfen aus Kunststoff können längere Zeit verwendet werden. Sie eignen sich auch, wenn andere Gehörschutzmittel aus Hygienegründen (schmutzige Arbeitsbedingungen oder erhöhte Temperatur) nicht in Frage kommen. Gehörschutzpfropfen aus Kunststoff können mit Wasser gereinigt werden.

Stellen Sie auch Kunststoffpfropfen mit kleinerem Durchmesser zur Verfügung; sie sind für Personen mit engem Gehörgang komfortabler.

Alles, was Sie über die persönliche Schutzausrüstung wissen müssenGehörschutzmittel, Gehörschutzpfropfen aus Kunststoff, Kunstoff-Schachtel
Gehörschutzkapseln

Weil sie sich leicht und schnell aufsetzen lassen, eignen sich Gehörschutzkapseln für kurzzeitige Einsätze besonders gut. Sie sollten direkt am Arbeitsplatz aufbewahrt werden. Muss das Gehör den ganzen Tag oder bei erhöhten Arbeitstemperaturen geschützt werden, sind jedoch Pfropfen vorzuziehen.

Ein Paar Gehörschutzkapseln
Gehörschutzbügel

Gehörschutzbügel lassen sich rasch aufsetzen und können bei Nichtgebrauch um den Hals getragen werden. Für den Schutz vor Schallpegeln LEX > 90 dB(A) sind sie aber nicht geeignet.

Zwei Gehörschutzbügel.
Gehörschutz-Otoplastiken

Gehörschutz-Otoplastiken werden individuell passend für den Gehörgang angefertigt und bieten deshalb einen hohen Tragkomfort. Aus unterschiedlich starken Filtern kann jener gewählt werden, der den nötigen Schutz bietet und die Kommunikation möglichst wenig beeinträchtigt.

Beim Einsatz von Gehörschutz-Otoplastiken sind folgende Punkte zu beachten:

  • Die Schutzwirkung eines individuell angefertigten Gehörschutzes muss nach der Auslieferung mit einer Messung an den einzelnen Mitarbeitenden nachgewiesen werden.
  • Der Lieferant der Gehörschutz-Otoplastik ist verpflichtet, diese Messung innerhalb von 12 Monaten nach der Auslieferung durchzuführen.
  • Bei Personen, deren Lärmbelastung den Arbeitsplatz-Grenzwert für Impulslärm überschreitet, ist die Prüfung vor dem ersten Einsatz durchzuführen.
Zwei unterschiedliche Gehörschutz-Otoplastiken
Gehörschutzmittel mit pegelabhängiger Schalldämmung

Spezielle Gehörschutzmittel nehmen über ein Mikrofon den Schall auf und geben leise Geräusche über einen Miniatur-Lautsprecher wieder. Geräusche mit Schallpegeln über 84 dB(A) werden nicht wiedergegeben, sondern gedämmt.

Der Einsatz eines pegelabhängigen Gehörschutzes ist bei Arbeiten in ruhiger Umgebung mit kurzen Lärmbelastungen sinnvoll, insbesondere wenn sich der Träger oder die Trägerin während der Arbeit mit anderen verständigen muss (Forstarbeiter, Schiessinstruktion, Kistenmacher).

Gehörschutzmittel mit Kommunikationseinrichtung

Diese Schutzmittel ermöglichen es, drahtlos oder über Kabel Informationen zu übermitteln. Es gibt Systeme, die nur in einer Richtung übertragen können, und andere, die eine gegenseitige Unterhaltung zwischen Beschäftigten ermöglichen.

Kapseln mit eingebautem Radio

Es gibt Gehörschutzkapseln mit eingebautem Radio. Die Musiklautstärke ist auf einen Schallpegel von 82 dB(A) begrenzt. Es gibt auch Modelle, die neben dem eingebauten Radio zusätzlich mit der pegelabhängigen Schalldämmung ausgerüstet sind. Dadurch hört der Benutzer auch die Umgebungsgeräusche und Signale. Allerdings kann ein Teil dieser Informationen durch die Musik überdeckt werden.

Gehörschutzkapseln mit Radio dürfen nicht verwendet werden, wenn die Ansprechbarkeit des Benutzers nicht gewährleistet ist und dadurch Dritte oder der Benutzer selbst gefährdet werden, insbesondere im Strassen- und Werkverkehr.

Welche Kriterien sind bei der Auswahl von Gehörschutzmitteln zu beachten?

Die Anforderungen an ein Gehörschutzmittel hängen von der jeweils betroffenen Person ab und deren Tätigkeit ab. Bei der Auswahl des Gehörschutzes ist auf die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu achten. Für kurzzeitige Einsätze eignen sich Gehörschutzkapseln oder -bügel. Für eine längere Tragedauer und bei hohen Umgebungstemperaturen sind sie jedoch nicht geeignet.

Testen Sie mit den betroffenen Mitarbeitenden verschiedene Typen und Arten von Gehörschutzmitteln aus. Die Mitarbeitenden sollen danach selber wählen, welche Gehörschutzmittel ständig zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten Kriterien sind:

  • Passform und Tragkomfort
  • Verfügbarkeit (immer griffbereit)
  • Kombinationsmöglichkeit mit anderen Schutzausrüstungen (Helm, Schutzbrille, Atemschutz)
Dies kann für Ihre Auswahl ebenfalls wichtig sein
  • Hygiene-Anforderungen (Reinraum, Hygiene-Zone) können die Wahl des Gehörschutzes beeinflussen.
  • Für Situationen, in denen sich Mitarbeitende untereinander trotz starkem Lärm verständigen können müssen, gibt es verschiedene Gehörschutzmittel, die man an ein Telefon oder Funkgerät anschliessen kann. Diese stellen die Kommunikation auch unter schwierigen Bedingungen sicher.
  • Wer ein Hörgerät trägt, ist damit nicht automatisch auch gegen Lärm geschützt. Nur explizit als Gehörschutz geprüfte Hörgeräte erfüllen diese Anforderung. Wer ein Hörgerät ohne Konformitätsbewertung trägt, muss entweder eine Gehörschutzkapsel über dem Hörgerät tragen oder das Hörgerät herausnehmen und einen geprüften Gehörschutz verwenden, um sich vor Lärm zu schützen.
Lassen Sie sich beraten

Lassen Sie sich von Ihrem PSA-Lieferanten beraten, welches Produkt für Ihr Einsatzgebiet das am besten geeignete ist.

Richtwerte für die Lebensdauer von Gehörschutzmitteln

  • Pfropfen aus Dehnschaumstoff: 1 bis 7 Tage
  • Pfropfen aus Kunststoff: 2 Monate bis 1 Jahr
  • Gehörschutzbügel: 2 Monate bis 1 Jahr
  • Otoplastische Gehörschutzmittel: Bis zu 5 Jahre (mit Nachkontrollen)
  • Gehörschutzkapseln: 3 bis 4 Jahre. Die Ohrpolster müssen jährlich auf Elastizität, Sauberkeit und Defekte überprüft und wenn nötig ersetzt werden.

Hygiene und Pflege

Kapseln (mindestens die Ohrpolster) sind wöchentlich mit einem feuchten Lappen zu reinigen. Pfropfen aus Kunststoff können mehrmals von Hand mit Wasser gewaschen werden.

Darf man am Arbeitsplatz Musik hören?

Auch Musikhören am Arbeitsplatz kann eine Gefahr darstellen, wenn etwa wegen der Musik Warnsignale oder Gefährdungen nicht wahrgenommen werden. Antwort auf diese Frage, ob man am Arbeitsplatz Musik hören darf gibt die Checkliste «Musikhören am Arbeitsplatz» (siehe Link unten).

Normen

EN 458 Gehörschützer – Empfehlungen für Auswahl, Einsatz, Pflege und Instandhaltung – Leitfaden

Weiterführende Informationen

Sapros Internet-Marktplatz für Sicherheitsprodukte: www.sapros.ch/gehoerschutz 

Verband Schweizer PSA-Anbieter: www.swiss-safety.ch 

 

Die Inhalte auf dieser Webseite ersetzen die aufgehobene Publikation «Alles, was Sie über PSA wissen müssen» (Bestell-Nr. 44091.D).